{"id":5523,"date":"2017-10-23T06:38:02","date_gmt":"2017-10-23T06:38:02","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5523"},"modified":"2017-10-23T06:39:08","modified_gmt":"2017-10-23T06:39:08","slug":"ueber-die-verunglimpfungen-von-juedischen-mitbuergern-durch-regierungstreue-israelis-und-selbsternannte-israelfreunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5523","title":{"rendered":"\u00dcber die Verunglimpfungen von j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern durch regierungstreue Israelis und selbsternannte Israelfreunde"},"content":{"rendered":"<p>Meinungsfreiheit am Beispiel M\u00fcnchens &#8211; ein aktueller Bericht<br \/>\n<em>von Judith Bernstein<\/em><\/p>\n<p>Was wir heute \u00fcberall in Deutschland erleben, kenne ich bereits seit Anfang der 80iger Jahren. Das war meine erste \u201eBegegnung\u201c mit diesem Thema. Damals arbeitete ich in M\u00fcnchen bei der israelischen Fluggesellschaft El Al. Mir wurde von einem Tag auf den anderen gek\u00fcndigt, ohne einen Grund zu nennen.<!--more--> Zur damaligen Zeit kannte ich keinen einzigen Pal\u00e4stinenser in Deutschland. Es hat gereicht zu behaupten, dass ich ein Sicherheitsrisiko darstelle. Das Arbeitsgericht in M\u00fcnchen teilte mir mit, dass, wenn es sich um eine deutsche Firma gehandelt h\u00e4tte, ich Klage h\u00e4tte ein einreichen k\u00f6nnen, aber mit einer israelischen Einrichtung legen sie sich nicht an. Bei meinem Versuch bei der El Al am Ben-Gurion-Flughafen, den eigentlichen Grund meiner Entlassung zu erfahren, kam ich nicht weiter. Sp\u00e4ter erhielt ich ein Schreiben, dass das Ganze nichts mit meiner Person zu tun habe.<\/p>\n<p>Mein Mann Reiner Bernstein war bis 1977, als Begin die Wahlen gewann, der Leiter des Bonner B\u00fcros der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Damals war die DIG sehr angesehen \u2013 ihr geh\u00f6rten Leute wie Heinz Westphal, Ernst Benda und der Theologe Rolf Rentorff an. Mein Mann wurde entlassen, nachdem er sich mit einer deutschen Delegation mit dem arabischen B\u00fcrgermeister von Nazareth getroffen und den Erziehungswissenschaftler Akiva Ernst Simon auf Bitten des DIG-Pr\u00e4sidiums nach Deutschland eingeladen hatte. Der damalige israelischer Botschafter Jochanan Meroz hat sich gegen\u00fcber der DIG so ge\u00e4u\u00dfert: Entweder Sie schmei\u00dfen Bernstein raus, oder wir k\u00fcndigen Ihnen die Zusammenarbeit auf.<\/p>\n<p>Mein Eintritt in die J\u00fcdisch-Pal\u00e4stinensische Dialoggruppe 1991 hat mich politisiert. Nach einer Tagung in Buchenried am Starnberger See zum Nahostkonflikt unter der Leitung meines Mannes gab es den ersten Versuch, meiner Tochter und mir wegen unserer Kritik an der israelischen Politik den Zutritt in die Israelitische Kultusgemeinde zu verwehren. Dies scheiterte.<\/p>\n<p>Im Januar 2014 wurde in einer Montessorischule in M\u00fcnchen die Nakba-Ausstellung gezeigt. Schon im Vorfeld gab es massiven Protest seitens der Israelitischen Kultusgemeinde und anderer Institutionen. Mein Mann wurde eingeladen, um einen historischen \u00dcberblick zu geben, und ich sollte \u00fcber meine Erfahrungen aus meiner Geburtsstadt Jerusalem referieren. Nach meinem Vortrag wurde mir von Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde, der Liberalen J\u00fcdischen Gemeinde Beth Shalom, der DIG, der Gr\u00fcnen Jugend und der Janus Korczak Akademie vorgeworfen, ich sei eine Verr\u00e4terin.<\/p>\n<p>Der Bruch kam am 9. November 2014. Auf Betreiben der Israelitischen Kultusgemeinde wurde meinem Mann und mir der Zutritt zum \u00f6ffentlichen Gedenken an die Pogrome am 9. November 1938 mit der Begr\u00fcndung \u201eman habe seine Vorschriften\u201c verwehrt. Der Anlass war unser siebenj\u00e4hriges Engagement f\u00fcr die Verlegung der Stolpersteine auf \u00f6ffentlichem Grund in M\u00fcnchen und der Einsatz f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser. Von Frau Knobloch wurden wir als \u201eGedenkt\u00e4ter\u201c beschimpft. Bei einer Anh\u00f6rung zu den Stolpersteinen im Alten Rathaus wurden wir von einem Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde vor 500 Personen \u00f6ffentlich als Antisemiten und Pal\u00e4stina-Sympathisanten diffamiert.<\/p>\n<p>Meine n\u00e4chste Erfahrung war dann Ende 2014, als die Konrad-Adenauer-Stiftung mich bat, einen Beitrag zum Thema \u201eBefreiung von Auschwitz \u2013 Was die Enkelgeneration heute bewegt\u201c f\u00fcr ihre Zeitschrift \u201eDie politische Meinung\u201c zu schreiben. Nachdem ich auf das Schicksal meiner Familie eingegangen bin \u2013 meine Gro\u00dfeltern wurden in Auschwitz ermordet \u2013, habe ich darlegen wollen, was der Holocaust f\u00fcr mich heute bedeutet, und habe S\u00e4tze geschrieben wie: \u201eMit der Erinnerung an die Shoah verzeichnet die israelische Politik erhebliche Erfolge, \u00c4ngste in der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fcren.\u201c Oder: \u201eFriedensgruppen in Israel und Pal\u00e4stina bem\u00fchen sich geradezu verzweifelt, dass die Angeh\u00f6rigen beider V\u00f6lker endlich auf Augenh\u00f6he zueinander finden. Sie haben die richtigen Lehren aus der Befreiung von Auschwitz und aus der \u00dcberwindung des westlichen Kolonialismus gezogen.\u201c Und: \u201eSchlie\u00dflich liegt die israelisch-pal\u00e4stinensische Verst\u00e4ndigung auch in deutschen Interesse. Nach Auschwitz bedeutet deutsche \u201eVerantwortung\u201c, gegen Menschenrechtsverletzungen und Repression einzutreten.\u201c Mir wurde mitgeteilt, dass der Beitrag \u201einterne Debatten um die politischen Implikationen ausgel\u00f6st habe, die m\u00f6glicherweise Missverst\u00e4ndnisse in Bezug auf die Intentionen der Konrad-Adenauer-Stiftung hervorrufen k\u00f6nnten\u201c. Die Ver\u00f6ffentlichung wurde abgelehnt.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung um die Vergabe von st\u00e4dtischen R\u00e4umen begann in November 2015. Ich wollte einen Referenten einladen, um der \u00d6ffentlichkeit zu erkl\u00e4ren, was BDS bedeutet und wie die Bewegung entstanden ist. Die M\u00fcnchner Abendzeitung schrieb schon im Vorfeld: \u201eEs ist einer von vielen Vortr\u00e4gen, die in den vermieteten R\u00e4umen des Gasteigs stattfinden. Nur wenige davon d\u00fcrfen als \u201aantisemitisch\u2018 bezeichnet werden. Einer aus der Reihe \u201aPal\u00e4stina\/Israel \u2013 Herbst 2015\u2018 am Samstag ist es jedoch mit Sicherheit\u201c. Frau Knobloch wurde mit der Aussage zitiert: Die moderne Form der Nazi-Parole \u201eKauft nicht bei Juden\u201c ist die Forderung \u201eKauft nicht vom J\u00fcdischen Staat!\u201c. Oberb\u00fcrgermeister Dieter Reiter versicherte Frau Knobloch, dass in Zukunft solche Veranstaltungen nicht von der Stadt gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Es hat nicht geholfen, dass in einem Interview in der SZ der israelische Historiker Tom Segev betont hat, dass BDS nichts mit der Nazi-Parole zu tun hat. Denn die Juden wurden damals boykottiert, weil sie Juden waren, wogegen sie nichts unternehmen konnten. Der Staat Israel hingegen kann die Besatzung beenden, die Pal\u00e4stinenser in Israel und in Pal\u00e4stina gleichstellen und dieser Kampagne ein Ende setzen.<\/p>\n<p>Abi Melzer sollte am 23. September 2016 zum Thema \u201eAntisemitismus heute\u201c im M\u00fcnchner EineWeltHaus sprechen. Dies wurde allerdings vom Kulturreferat der Stadt mit der Begr\u00fcndung untersagt:<\/p>\n<p>\u201eDie Veranstaltungsank\u00fcndigung enth\u00e4lt Formulierungen, die in Richtung einer Delegitimierung Israels gehen. Dies legt nahe, dass in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus \u00fcberschritten wird. In st\u00e4dtischen R\u00e4umen sind solche Agitationen nicht zul\u00e4ssig\u201c. Der Vortrag konnte auch in den Ausweichr\u00e4umen nicht stattfinden.<\/p>\n<p>Am 13. Oktober 2016 hat mein Mann eine Veranstaltung moderiert, zu der er den israelischen Staatsb\u00fcrger Dr. Mohammad Darawshe eingeladen hatte. Mohammad ist der p\u00e4dagogische Direktor einer der wenigen Einrichtungen in Israel, die sich dem friedlichen Zusammenleben von Juden und Arabern widmen, n\u00e4mlich \u201eGivat Haviva\u201c (sie wurde \u00fcbrigens von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier im Mai 2017 besucht). Die Veranstaltung geriet unter Antisemitismus-Verdacht, konnte aber stattfinden.<\/p>\n<p>Vom 12. Bis 14. Mai sollte in der Ev. Akademie Tutzing eine Tagung stattfinden zum Thema: \u201eNahost-Politik im Spannungsdreieck. Israelische und pal\u00e4stinensische Friedensgruppen als Lernorte f\u00fcr die deutsche Politik?\u201c. Zu dieser Tagung hatte ich vier Friedensgruppen vorgeschlagen, die zu den letzten z\u00e4hlen, die noch miteinander kooperieren, so der israelisch-pal\u00e4stinensische \u201eParents Circle &#8211; Families Forum\u201c und \u201eCombatants for Peace\u201c, die zum Friedensnobelpreis nominiert waren.<\/p>\n<p>Auf Druck der Israelitischen Kultusgemeinde, des israelischen Konsulats sowie der Evangelischen Landeskirche wurde diese Veranstaltung \u201everschoben\u201c, was zu heftigen Protesten f\u00fchrte, ohne Erfolg. Die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Absage lautete, dass die Veranstaltung nicht ausgewogen sei. Das sollte sie auch nicht sein, denn der Konflikt ist asymmetrisch, statt ausgewogen. Die S\u00fcddeutsche Zeitung meinte dazu, dass eine der Organisatorinnen die BDS-Kampagne unterst\u00fctze \u2013 damit war ich gemeint. Dazu zitierte mich der Berichterstatter der SZ mit einem Satz aus meinem Brief an Au\u00dfenminister Sigmar Gabriel, \u201edas Einknicken deutscher Institutionen sch\u00fcre den Antisemitismus\u201c, statt ihn abzubauen. Zu allem \u00dcberfluss lie\u00df er eine Mitarbeiterin des Berliner Zentrums f\u00fcr Antisemitismusforschung zu Wort kommen: \u201eTraditionelle antisemitische Argumente werden in der antizionistischen Szene benutzt: Die Juden sind selber schuld am Antisemitismus, w\u00fcrden sie sich anders verhalten, g\u00e4be es keinen Antisemitismus mehr\u201c.<\/p>\n<p>Am 24. Mai hat die J\u00fcdisch-Pal\u00e4stinensische Dialoggruppe Gideon Levy zu einem Vortrag mit dem Titel \u201e50 years to the occupation \u2013 how is it possible?\u201c in das Kulturzentrum Gasteig eingeladen. Sowohl OB Dieter Reiter als auch sein Stellvertreter Josef Schmid versuchten, das Kulturzentrum dazu zu bewegen, die Veranstaltung abzusagen. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gasteigs und die Belegschaft haben sich geweigert mit dem Argument, dass es sich hier um Meinungsfreiheit handelt. Die SZ behauptete unter dem Titel \u201eKritisch oder schon antisemitisch? Umstrittener Gast im Gasteig\u201c, dass der Referent BDS unterst\u00fctzte. Gideon Levy selbst hat nur kurz auf eine Frage aus dem Publikum zu BDS geantwortet, dass sie wirtschaftlich nicht viel ausrichten w\u00fcrde, dass allerdings die Tatsache, dass Israel so viel in den Kampf gegen BDS investiere, beweise, dass die Kampagne Wirkung zeige. Ich pers\u00f6nlich bin der Meinung, dass BDS hochgespielt wird, nachdem Iran als Feindbild nicht mehr herhalten kann.<\/p>\n<p>Am 11. Juli haben die CSU- und SPD-Fraktionen, die die Stadt gemeinsam regieren, einen Antrag ins Plenum eingebracht, der st\u00e4dtische R\u00e4ume nicht l\u00e4nger den Gegnern der israelischen Regierungspolitik f\u00fcr Veranstaltungen zur Verf\u00fcgung stellen sollen. Im Antrag hei\u00dft es, M\u00fcnchen stelle sich gegen \u201edie antisemitische BDS-Kampagne\u201c. Die Landeshauptstadt werde au\u00dferdem nicht mit Gruppierungen, welche die Ziele von BDS verfolgen, \u201ein Form von Zusch\u00fcssen oder Raumvergaben kooperieren\u201c. Namentlich wird die J\u00fcdisch-Pal\u00e4stinensische Dialoggruppe M\u00fcnchen genannt. St\u00e4dtische R\u00e4ume sollen auch nicht f\u00fcr Ausstellungen oder Demonstrationen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, welche Ziele von BDS verfolgen.<\/p>\n<p>Kurz danach sind Marian Offman, Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde und der CSU-Fraktion sowie Dominik Krause von der Gr\u00fcnen Jugend, die wie ich dem Beirat des EineWeltHauses angeh\u00f6rten, dort ausgetreten. Dies hatte zur Folge, dass das EineWeltHaus, das von den Zusch\u00fcssen der Stadt abh\u00e4ngig ist, unter enormen Druck geraten ist. Deshalb ist auch eine Veranstaltung der Landesarbeitsgemeinschaft Frieden der Linken mit Pax Christi, bei der ich \u00fcber meine Geburtsstadt Jerusalem referieren sollte, nicht genehmigt worden.<\/p>\n<p>Laut S\u00fcddeutsche Zeitung vom 7. Oktober erh\u00e4lt das EineWeltHaus jedoch ab 2018 zus\u00e4tzliche 66.000 Euro an F\u00f6rderung trotz des Widerstands der CSU-Fraktion. \u201eStadtrat Marian Offman habe die F\u00f6rderung ganz infrage gestellt, weil die Einrichtung trotz der Kritik von vielen Seiten weiter R\u00e4ume an die Gruppe BDS (die es in M\u00fcnchen gar nicht gibt!) vermiete. Deren Haltung, so Offman, sei keine legitime Kritik am Staat Israel, sondern Antisemitismus, und damit nicht mit der Verantwortung der Stadt gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Teil der Bev\u00f6lkerung in Einklang zu bringen. Der Einwand blieb ohne Wirkung\u201c.<\/p>\n<p>Der letzte Skandal in M\u00fcnchen betraf das heutige Thema. Die Veranstalter hatten einen Raum f\u00fcr meinen Vortrag \u201eJerusalem \u2013 das Herzst\u00fcck des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts\u201c gemietet. Der Vertrag wurde \u00fcber Nacht seitens des Gasteigs mit der Begr\u00fcndung gek\u00fcndigt, dass es \u201ebei einigen der Mitveranstalter um Gruppierungen handelt, die der BDS-Kampagne zumindest nahestehen oder diese auch unterst\u00fctzen\u201c. Ein Gericht gab jedoch der einstweiligen Verf\u00fcgung statt, so dass ich den Vortrag halten konnte. Schon im Vorfeld hatte die SZ dar\u00fcber berichtet \u2013 mit der Folge, dass der Saal proppenvoll war und genauso viele Interessierte zur\u00fcckgeschickt werden mussten. Mit einem Wortbeitrag, meinte Marian Offman, dass \u201emit Hilfe des SPD\/CSU-Antrags er daf\u00fcr sorgen wird, dass solche Veranstaltungen in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen k\u00fcnftig unterbunden werden\u201c. Au\u00dferdem beschuldigte er mich pers\u00f6nlich, dass ich mit meiner politischen Arbeit f\u00fcr den Antisemitismus verantwortlich bin. Meine Antwort darauf war, dass er es sei, der mit seinen Verboten den Antisemitismus f\u00f6rdere.<\/p>\n<p>Seine \u00c4u\u00dferungen haben mich in meiner Annahme best\u00e4tigt, dass er keine Ahnung von der politischen und menschenrechtlichen Lage vor Ort hat (oder es nicht wissen will) und dass die Stadt sich nicht mit der Israelitischen Kultusgemeinde anlegen will. Ob es f\u00fcr den Stadtratsantrag der SPD- und CSU-Fraktionen eine gesetzliche Grundlage gibt, muss noch juristisch gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Inzwischen ist auch ein Aufruf \u201eH\u00e4nde weg von der Meinungsfreiheit in M\u00fcnchen\u201c, den Autoren wie Tilman Spengler, Johano Strasser und Gisela Heidenreich (die im \u00dcbrigen unsere politische Arbeit schon seit viele Jahren unterst\u00fctzen) sowie 518 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus M\u00fcnchen und Umgebung unterzeichnet haben, an alle Stadtr\u00e4te, an die Rathausfraktionen, an OB Reiter, an das Kulturreferat und an die Medien verschickt worden.<\/p>\n<p>Anfang n\u00e4chsten Jahres will die Humanistische Union, M\u00fcnchen &#8211; S\u00fcdbayern ihren Preis \u201eAufrechter Gang&#8220; meinem Mann und mir f\u00fcr unser B\u00fcrgerverhalten und unser besonderes Engagement in der Aktion \u201eStolpersteine f\u00fcr M\u00fcnchen\u201c und unser Eintreten f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Israel-Pal\u00e4stina- Konflikts verleihen. Die Suche nach einem geeigneten Raum f\u00fcr die Preisverleihung ist bisher im Sande verlaufen. Das liegt anscheinend am Namen Bernstein.<\/p>\n<p>Was ich aber f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Skandal halte, ist die Tatsache, dass zu den Beitr\u00e4gen im Lokalteil der SZ kaum Leserbriefe ver\u00f6ffentlicht wurden, obwohl mir selbst sehr viele Kopien von Leserbriefen zugegangen sind. Das veranlasste mich, folgende Mail an die Redaktion der SZ zu schreiben:<\/p>\n<p>\u201eDie Berichterstattung Ihrer Journalisten in der SZ zu den Veranstaltungen, die den israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt betreffen, war sehr parteiisch. Man muss also annehmen, dass die Autoren sehr einseitig informiert wurden. Mir ist bekannt, dass viele Leserbriefe bei Ihnen eingegangen sind. Bis heute sind diese nicht ver\u00f6ffentlicht worden. Ich halte dies f\u00fcr sehr bedenklich. Wenn Leser und Betroffene nicht die M\u00f6glichkeit haben, voreingenommene Journalisten zu widersprechen, dann werden die Presse- und Meinungsfreiheit untergraben und die \u00d6ffentlichkeit manipuliert.\u201c<\/p>\n<p>Was bleibt also f\u00fcr uns zu tun? Ich glaube, dass wir uns um mehr Aufkl\u00e4rung bem\u00fchen m\u00fcssen. Deshalb halte ich auch Vortr\u00e4ge zu meiner Geburtsstadt Jerusalem. Ich stelle immer wieder fest, wie wenig unsere Politiker und zum Teil auch die Medien die Situation vor Ort kennen.<\/p>\n<p>Diese Unkenntnis belegt auch der Antrag der Gr\u00fcnen Jugend in Bayern. Darin wird n\u00e4mlich behauptet: \u201eDie BDS-Kampagne ist in ihrer Gesamtheit als antisemitisch, israelfeindlich, reaktion\u00e4r und antiaufkl\u00e4rerisch zu bewerten. Die in ihr und durch sie vertretenen Positionen und Forderungen delegitimieren und d\u00e4monisieren Israel und weisen damit einseitig J\u00fcdinnen*Juden die Schuld f\u00fcr jegliche \u00dcbel in der Region zu.\u201c<\/p>\n<p>Um dies zu widerlegen, brauchen wir keinen Vergleich mit Nazideutschland, denn die Situation vor Ort ist schlimm genug.<\/p>\n<p>Lassen wir den Holocaust dort wo er hingeh\u00f6rt \u2013 nach Deutschland und Europa und den israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt in den Nahen Osten. Mittlerweile wird der Holocaust von allen Seiten instrumentalisiert. Das bringt uns nicht weiter und dient nicht dem Frieden. Wenn wir von Israel sprechen, so m\u00fcssen wir uns fragen, welches Israel denn gemeint ist. Israel ist nicht nur das Israel von Netanyahu, sondern auch der Friedensgruppen. Diese sollten wir unterst\u00fctzen. Mit dem Treffen israelischer Menschrechtsaktivisten hat Sigmar Gabriel im April ein Zeichen gesetzt, diesen Weg sollte die Politik weitergehen.<\/p>\n<p>Wie wir aus den Erfahrungen in M\u00fcnchen und anderen St\u00e4dten sehen, wird die BDS-Kampagne immer wieder als Vorwand benutzt: Er ist ein Ablenkungsman\u00f6ver. Er soll verdecken, dass die israelische Politik auf die Annexion der Westbank ausgerichtet ist, nachdem der Osten Jerusalems seit 1980 f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser verloren ist. Vor Jahrzehnten haben die israelischen Beh\u00f6rden die Grenzmarkierungen zwischen 1949 und 1967 auf den offiziellen Landkarten getilgt. Die internationale Diplomatie und die am Thema interessierte \u00d6ffentlichkeit in aller Welt soll sich an die These gew\u00f6hnen, dass \u201eJud\u00e4a und Samaria\u201c die Heimat des j\u00fcdischen Volkes seien. Unsere Aufgabe w\u00e4re es daher, sachliche Informationen zur BDS-Kampagne anzubieten.<\/p>\n<p>Gerade angesichts der Turbulenzen im Nahen Osten w\u00e4re es f\u00fcr die Europ\u00e4er an der Zeit, sich von der Politik der USA mit seinem unberechenbaren und gef\u00e4hrlichen Pr\u00e4sidenten Donald J. Trump zu distanzieren und endlich zu einer Politik zu finden, die allen Menschen in der Region gerecht wird. Nur so kann den gro\u00dfen Herausforderungen und dem wachsenden Nationalismus auch bei uns Einhalt geboten werden. Auch Israel w\u00e4re vom moralischen Niedergang bewahrt. Um das zu erreichen, m\u00fcssen Politiker von ihrer falsch verstandenen Solidarit\u00e4t mit der israelischen Regierung Abschied nehmen. Man kann das Unrecht an den Juden nicht mit einem Unrecht an den Pal\u00e4stinensern \u201ewiedergutmachen\u201c. Statt den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, wird er durch Antr\u00e4ge und Verbote wie die von mir zitierten gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Nachdem sich die israelische Justizministerin Ayelet Shaked dahingehend ge\u00e4u\u00dfert hat, dass der Zionismus im Widerspruch zu individuellen Rechten stehe, frage ich mich, welchen Sinne die Forderung der internationalen Politik nach Gespr\u00e4chen zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis noch hat. Die deutsche und europ\u00e4ische Politik sind daher aufgefordert, nach Alternativen zu dieser Forderung zu suchen.<\/p>\n<p>Wie wir wissen ist die Annexion der Westbank und Jerusalems voll im Gange und den Bewohnern des Gazastreifens droht eine Katastrophe. Vielleicht sollten wir uns an den Satz des israelischen Religionsphilosophen Yeshayahu Leibowitz erinnern, den er gleich nach dem 6-Tage-Krieg schrieb:<\/p>\n<p>\u201eAnnexion bedeutet die Vernichtung Israels als j\u00fcdischer Staat, die Vernichtung des gesamten j\u00fcdischen Volkes, der Zusammenbruch der sozialen Struktur, die aufgebaut wurde, und die Zerst\u00f6rung der Menschen \u2013 des j\u00fcdischen und des arabischen gleicherma\u00dfen. All dies geschieht auch, wenn die Araber nicht die Mehrheit im Land bilden&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Referat gehalten auf der KoPI-Mitgliederversammlung am 14.10.2017 in Bonn<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meinungsfreiheit am Beispiel M\u00fcnchens &#8211; ein aktueller Bericht von Judith Bernstein Was wir heute \u00fcberall in Deutschland erleben, kenne ich bereits seit Anfang der 80iger Jahren. Das war meine erste \u201eBegegnung\u201c mit diesem Thema. 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