{"id":5593,"date":"2017-11-14T08:27:55","date_gmt":"2017-11-14T08:27:55","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5593"},"modified":"2017-11-14T08:32:07","modified_gmt":"2017-11-14T08:32:07","slug":"unglaublich-die-deutsche-luftwaffe-nimmt-an-manoever-in-israel-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=5593","title":{"rendered":"Unglaublich: Die deutsche Luftwaffe  nimmt an Man\u00f6ver in Israel teil"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/tAFByMLqwfk\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"400\" height=\"225\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/div>\n<p>Mit sechs Kampfjets und mehr als 110 Soldaten nimmt Deutschland nach einem Bericht der <a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2017\/11\/09\/deutsche-luftwaffe-nimmt-gross-manoever-israel-teil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 09.11.2017<\/a> an Israels bisher gr\u00f6\u00dfter Luftwaffen\u00fcbung \u00abBlue Flag\u00bb teil. Die \u00dcbung auf dem St\u00fctzpunkt Uvda in der N\u00e4he der s\u00fcdlichen K\u00fcstenstadt Eilat dauere insgesamt elf Tage und ende am 16. November. Beteiligt seien auch die Luftwaffen Italiens, Frankreichs, Griechenlands, Indiens, Polens und der USA. Insgesamt w\u00fcrden mehr als 70 Kampfjets und mehr als 1000 Soldaten trainieren, und erstmals w\u00fcrde auch das Abwehrsystem Patriot bei der \u00dcbung eingesetzt.<\/p>\n<p>Es ist das erste Mal seit der Gr\u00fcndung Israels, dass auch deutsche Milit\u00e4rflugzeuge die Region \u00fcberfliegen.<!--more--><\/p>\n<p>Die \u00dcbung richte sich nicht gegen einen speziellen Feind, sondern gegen allgemeine Terrorbedrohungen in der Region. Israel sehe sich in der Region von vielen Feinden bedroht, darunter der Iran, Syrien, der Libanon und die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil des deutschen Teams stammt aus Rostock-Laage vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 \u00abSteinhoff\u00bb. Der Kommodore Oberstleutnant Gero von Fritschen sieht die deutsche Teilnahme an der \u00dcbung ganz klar auch als politisches Signal und spricht von \u00abLuft-Diplomatie\u00bb.<\/p>\n<p>\u00abWir f\u00fchlen uns sehr geehrt, dass wir an dieser \u00dcbung teilnehmen d\u00fcrfen\u00bb, sagt der Kommodore, der auch selbst fliegt. \u00abEs ist ein besonderes Gef\u00fchl, zu den Ersten zu geh\u00f6ren, die mit deutschen Kampfflugzeugen an einer \u00dcbung in Israel teilnehmen.\u00bb Auch israelische Zivilisten h\u00e4tten sehr aufgeschlossen und freundlich auf die deutsche Truppe reagiert. \u00abWir haben das Gef\u00fchl, dass wir hier sehr willkommen sind.\u00bb<\/p>\n<h1>Arn Strohmeyer hat dazu einen Kommentar verfasst:<\/h1>\n<p><strong>Wenn deutsche Kampfflieger \u00fcber Israel unter Berufung auf den Holocaust Man\u00f6ver abhalten \u2026<\/strong><br \/>\nArn Strohmeyer<br \/>\nEs ist schon makaber, wenn man da in den Zeitungen liest, dass deutsche Kampfjets \u00fcber Israel Man\u00f6ver abhalten, und deutsche Diplomaten und Milit\u00e4rs davon schwadronieren, dass diese \u00dcbung \u201ehistorisch\u201c sei. Denn zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust \u00fcbten Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe mit denen der Israelis in und \u00fcber Israel, was eine \u201egro\u00dfe Ehre\u201c sei. Vielleicht geben deutsche Kampfjet-Piloten bald auch ihren israelischen Verb\u00fcndeten Geleit, wenn diese \u2013 wie es j\u00e4hrlich geschieht \u2013 mit ihren Bombern \u00fcber Auschwitz donnern, um den dort von Deutschen Umgebrachten die Ehre zu erweisen.<\/p>\n<p>Man muss an die Worte des k\u00fcrzlich verstorbenen israelischen Friedensaktivisten Reuven Moskowitz denken, der immer wieder betont hat, wie fruchtbar und segensreich die deutsch-j\u00fcdische Symbiose einst gewesen sei, heute k\u00f6nne man sie aber nur noch \u201ekriminell\u201c nennen. Er meinte damit nicht zuletzt auch die enge milit\u00e4rische Zusammenarbeit. Die meisten Juden f\u00fchlten sich heute als ultimative Opfer, auch wenn sie eigentlich schon T\u00e4ter geworden seien.<\/p>\n<p>Und die Deutschen n\u00e4hmen \u2013 so Moskowitz \u2013 eine Schuldidentit\u00e4t an, auch wenn sie gar keine T\u00e4ter mehr seien. Die Folgen seien katastrophal: Die deutsche Au\u00dfenpolitik habe sich vollst\u00e4ndig Israels Interessen untergeordnet, das hei\u00dft sich seiner \u201eSicherheitspolitik\u201c unterworfen, die seit der Staatsgr\u00fcndung 1948 gegen den Frieden gerichtet sei. Israel instrumentalisiere mit seiner Politik dabei den Holocaust, was \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich sei. Und Deutschland akzeptiere das ohne Widerspruch aus Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf. Moskowitz bezeichnete die heutige \u201edeutsch-j\u00fcdische Symbiose\u201c deshalb als \u201epervertiert\u201c. Und man muss konstatieren: Zu dieser \u201epervertierten Symbiose\u201c geh\u00f6ren auch die deutschen Kampfjets \u00fcber Israel.<\/p>\n<p>Die deutsch israelische Waffenbr\u00fcderschaft \u2013 nat\u00fcrlich immer unter Berufung auf den Holocaust \u2013 hat eine lange Tradition. Schon Anfang der f\u00fcnfziger Jahre hatte sich Shimon Peres im Auftrag der israelischen Regierung an Franz-Josef Strau\u00df mit der Bitte um deutsche Waffenhilfe gewandt. Die israelische Begr\u00fcndung: Deutschland \u2013 genau gesagt die Bundesrepublik \u2013 k\u00f6nne den Br\u00fcckenschlag \u00fcber die Vergangenheit weit voranbringen, wenn es Israel kostenlos Waffen liefere. Und Deutschland lieferte, wenn auch zun\u00e4chst noch im Geheimen \u2013 bis die Sache publik wurde und es mit der arabischen Welt zur gro\u00dfen Krise kam (Abbruch der Beziehungen, Anerkennung der DDR durch die Araber, \u00c4gypten lud den DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht zum Staatsbesuch ein).<\/p>\n<p>Franz Josef Strau\u00df hatte aber eine Rechtfertigung f\u00fcr die deutsch israelische Waffenbr\u00fcderschaft, nat\u00fcrlich auch unter Berufung auf den Holocaust. Er \u00e4u\u00dferte nach dem Juni-Krieg von 1967, in dem Israel weitere arabische und pal\u00e4stinensische Gebiete erobert hatte, dass die deutsche Lieferung von Waffen an Israel \u201enicht nur eine Pflicht der Wiedergutmachung ist, sondern dass eine Unterst\u00fctzung Israels gerade auf dem Gebiet, wo es um Blut geht, moralisch und politisch von besonderer Tragweite sein muss. Weil Millionen Juden durch deutsche Waffen umgebracht worden sind, ist das ein St\u00fcck Wiedergutmachung auf dem ureigentlichen Gebiet, auf dem im deutschen Namen besonders ges\u00fcndigt worden ist.\u201c<\/p>\n<p>Wiedergutmachung f\u00fcr den Holocaust durch die Lieferung von deutschem T\u00f6tungsger\u00e4t \u2013 das war die Moral der damals in Bonn Regierenden! Die umfangreichen Waffenlieferungen und die enge milit\u00e4rische Zusammenarbeit blieben eine Konstante in den Beziehungen bis heute.<\/p>\n<p>Auf israelischer Seite hat der damalige Ministerpr\u00e4sident Levi Eshkkol 1965 (dem Datum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen) betont: F\u00fcr Deutschland bedeute der Holocaust, \u201eewige Schuld\u201c auf sich zu nehmen, die deutschen Verbrechen an den Juden seien nicht s\u00fchnbar und erlegten Deutschland eine st\u00e4ndige moralische Verpflichtung auf, die vor allem darin bestehe, jeden m\u00f6glichen Beitrag zur St\u00e4rkung Israels zu leisten, nicht zuletzt Israel bei der f\u00fcr seine Verteidigung n\u00f6tigen Ausr\u00fcstung zu helfen. Diesen Anspruch hat die Bundesrepublik bis heute getreulich und widerspruchslos erf\u00fcllt. Eshkols Worte wurden sozusagen der Leitsatz der deutsch-israelischen Beziehungen.<\/p>\n<p>Deutschland hatte dabei keine Probleme die Tatsache zu akzeptieren, dass Israel kein \u201enormaler Staat\u201c war und ist, sondern ein kolonialistischer Siedlerstaat. Denn das zionistische Projekt war von Anfang an mit allergr\u00f6\u00dfter Gewalt (der Vertreibung und Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser) verbunden \u2013 die deutsche Politik hat es nicht interessiert, sie wollte es wohl nicht wissen und hat es ganz bewusst nicht zur Kenntnis genommen. Und Deutschland hat auch widerspruchslos akzeptiert, dass Israel beanspruchte, der Verm\u00e4chtnisverwalter des Holocaust zu sein und hat es entsprechend bevorzugt behandelt. Wie das zusammenpasst \u2013 Verm\u00e4chtnisverwalter des Holocaust und aggressiver Siedlerstaat \u2013 die Frage ist von der deutschen Politik nie gestellt worden, zumindest nicht \u00f6ffentlich und offziell.<\/p>\n<p>Der absolute H\u00f6hepunkt der deutschen Israel-Politik in diesem Sinne war die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 18. M\u00e4rz 2008 vor dem israelischen Parlament (der Knesset) in Jerusalem anl\u00e4sslich des 60j\u00e4hrigen Bestehens des Staates Israel. Diese Rede war an Unaufrichtigkeit nicht zu \u00fcbertreffen. Sieben Mal versicherte die deutsche Kanzlerin der israelischen F\u00fchrung, dass beide Staaten f\u00fcr die gemeinsamen Werte Freiheit, Demokratie und Menschenw\u00fcrde einstehen w\u00fcrden. Die \u201eBesatzungsbarbarei\u201c (Moshe Zuckermann) sprach sie mit keinem Wort an. Daf\u00fcr ging sie aber ausf\u00fchrlich auf die historische Verantwortung Deutschlands f\u00fcr Israel ein, der man verpflichtet sei. Sie sagte: \u201eDiese historische Verantwortung ist Teil der Staatsr\u00e4son meines Landes. Das hei\u00dft, die Sicherheit Israels ist f\u00fcr mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar. Und wenn das so ist, dann d\u00fcrfen sie in der Stunde der Bew\u00e4hrung keine leeren Worte bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Eine solche Formulierung wirft \u00e4u\u00dferst wichtige Fragen auf: Wenn es deutsche Staatsr\u00e4son ist, dass die Sicherheit Israels nicht verhandelbar ist, muss Deutschland dann direkt oder indirekt an Israels Kriegen teilnehmen? Hei\u00dft das, dass ausschlie\u00dflich Israels Definition von Sicherheit gilt, nach der sich Deutschland zu richten hat? Der Politologe Udo Steinbach bef\u00fcrchtete schon vor Jahren, dass Deutschland vor allem durch seine Waffenlieferungen an Israel in den n\u00e4chsten Nahost-Krieg direkt verwickelt werden kann.<\/p>\n<p>Aber die Konsequenzen der \u00c4u\u00dferungen von Angela Merkel gehen noch weiter. Der Politologe Werner Ruf fragte nach der deutschen Verantwortung f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser: \u201eHei\u00dft \u201aVerantwortung f\u00fcr die Vergangenheit\u2018 nicht auch Verantwortung f\u00fcr die geschundenen Pal\u00e4stinenser, die f\u00fcr die industrielle Ermordung von sechs Millionen Menschen nicht verantwortlich sind, aber nun die Kosten des V\u00f6lkermords der Nazis bezahlen sollen? Die einseitige Sicht nur auf Israel und seine auf weitere Landnahme gerichtete Politik d\u00fcrfte andere Gr\u00fcnde haben: Die beschworene \u201aStaatsr\u00e4son\u2018 entpuppt sich flugs als Waschmittel der Vergangenheit des Einen und als Persilschein f\u00fcr die Rechtsbr\u00fcche des Anderen. Wer bedingungslos Israel unterst\u00fctzt, kann doch kein Antisemit sein \u2013 wer es kritisiert, muss zumindest \u201asekund\u00e4rer\u2018 Antisemit sein. So einfach ist die Rechnung, die die deutsche Vergangenheit so wunderbar entsorgt und der R\u00fcstungsindustrie gigantische Auftr\u00e4ge verschafft, auch wenn der belieferte Freund doch wohl aktiver Teil eines Krisengebietes ist. Und Israel darf V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen treten, denn in der EU sorgt Deutschland daf\u00fcr, dass auch nur die leiseste Kritik an diesem f\u00fcr die Nicht-\u201aBew\u00e4ltigung\u2018 der Vergangenheit so wertvollen Freund unterbleibt. Dass diese Vorzugbehandlung Israels dem Antisemitismus neue Nahrung gibt, ist dann schlimmstenfalls ein Kollateralschaden \u201aimmerw\u00e4hrender Verantwortung\u2018.\u201c<\/p>\n<p>Diese Feststellungen und Warnungen sind im Oktober 2017 hoch aktuell geworden. Israels Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu, der dem Iran schon mehrmals mit einem Angriff gedroht hatte, k\u00fcndigte an, dass Israel eine Situation nicht hinnehmen w\u00fcrde, in der das iranische Milit\u00e4r und die Hisbollah im Libanon und in Syrien nach einem Sieg Assads gegen den Islamischen Staat (IS) an Israels Grenze stehen w\u00fcrden. Er drohte ganz unverhohlen mit Krieg.<\/p>\n<p>\u00dcben die deutschen Kampfflieger \u00fcber Israel schon, um in Israels Krieg gegen die Hisbollah und den Iran dabei zu sein? Oder beim n\u00e4chsten Krieg gegen Gaza? Ist die \u201eStunde der Bew\u00e4hrung\u201c (Merkel) gekommen? In den Medienberichten hei\u00dft es denn auch: Die deutschen Piloten \u00fcbten \u00fcber Israel t\u00e4glich 100 Eins\u00e4tze gegen \u201eTerroristen\u201c. Wer das genau ist, geben die deutschen Politiker und Milit\u00e4rs nicht preis. M\u00fcssen sie auch nicht, man wei\u00df ohnehin, wer gemeint ist. Die deutsche Staatsr\u00e4son f\u00fcr Israels Sicherheit kann die Regierenden in Berlin politisch noch teuer zu stehen kommen. Von Moral kann man ohnehin nicht mehr sprechen.<br \/>\n10.11.2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit sechs Kampfjets und mehr als 110 Soldaten nimmt Deutschland nach einem Bericht der Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 09.11.2017 an Israels bisher gr\u00f6\u00dfter Luftwaffen\u00fcbung \u00abBlue Flag\u00bb teil. 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