{"id":7236,"date":"2018-01-14T19:27:14","date_gmt":"2018-01-14T19:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=7236"},"modified":"2018-01-17T08:10:46","modified_gmt":"2018-01-17T08:10:46","slug":"wem-gehoert-jerusalem-protestkundgebung-gegen-den-trump-jerusalem-beschluss-auf-dem-bremer-marktplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=7236","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt Jerusalem? Protestkundgebung gegen den Trump-Jerusalem-Beschluss auf dem Bremer Marktplatz"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: left; margin: 0 15px 5px 0;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/s-sSfnwUtb4\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" width=\"400\" height=\"225\" frameborder=\"0\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><\/iframe><\/div>\n<p>Der Ausschuss der pal\u00e4stinensischen Gemeinde in Bremen hatte am 13. Januar 2018 &#8211; bei klirrender K\u00e4lte &#8211; zu einer Kundgebung gegen den Beschluss der Trump-Regierung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, aufgerufen. Ungef\u00e4hr 400 Teilnehmer waren mit vielen Transparenten und pal\u00e4stinensischen Fahnen gekommen. <!--more--><\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7242\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-200x113.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-768x433.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/mahmoud-500x282.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Mohammed Dabour<\/strong>, der erste Redner, hatte die Kundgebung beim Ordnungsamt Bremen angemeldet. Er erhielt als Antwort ein 7-seitiges Schreiben, versehen mit massiven und sehr detaillierten Auflagen (gem\u00e4\u00df \u00a7 18 des Versammlungsgesetzes), f\u00fcr deren Einhaltung er als Versammlungsleiter verantwortlich gemacht wurde. Mit welchem Misstrauen seitens der Genehmigungsbeh\u00f6rde reagiert wird, wenn die Pal\u00e4stinenser von ihrem Grundrecht auf eine \u00f6ffentliche Demonstration Gebrauch machen wollen, zeigen die Auflagen, in denen es u.a. hei\u00dft:<\/p>\n<ul>\n<li>Es m\u00fcssen 40 Ordner, erkenntlich mit Armbinden, gestellt werden.<\/li>\n<li>Es d\u00fcrfen 15 &#8211; 20 Transparente gezeigt werden.<\/li>\n<li>\u00c4u\u00dferungen in Wort, Schrift oder Bild, die antisemitisch sind oder dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen, sind untersagt.<\/li>\n<li>Gleiches gilt f\u00fcr die Vereinigten Staaten von Amerika.<\/li>\n<li>Fremdsprachige Transparente, Flyer und Redebeitr\u00e4ge sind auf Verlangen der Polizei zur Pr\u00fcfung auf etwaige strafrechtliche Inhalte zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/li>\n<li>Es wird untersagt, w\u00e4hrend der Dauer Fahnen, Puppen oder \u00e4hnliche Gegenst\u00e4nde im \u00f6ffentlichen Verkehrsraum zu verbrennen.<\/li>\n<li>Die Auflagen sind den Versammlungsteilnehmern &#8211; n\u00f6tigenfalls auch wiederholt und mehrsprachig (deutsch und arabisch) &#8211; bekanntzugeben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ordnungsbeh\u00f6rde formuliert ihr Misstrauem ohne Besch\u00f6nigung: <em>&#8222;In der Gesamtschau der Umst\u00e4nde muss (&#8230;) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Versammlungsteilnehmer die geplante Versammlung dazu nutzen m\u00f6chten, antiisraelisches und antiamerikanisches Gedankengut zu verbreiten.&#8220;<\/em> Die Auflagen wurden von der Versammlungsleitung peinlich genau verfolgt und der Versammlung entsprechend mitgeteilt.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7243\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-200x112.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-768x432.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2-500x281.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/saleh2.jpg 1233w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Saleh el-Sarey<\/strong> von der Deutsch-Pal\u00e4stinensischen Gesellschaft und der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde ergriff als n\u00e4chster das Wort und wandte sich auf arabisch an die Versammlung. Jerusalem sei seit Jahrhunderten eine arabisch-islamische, christliche und j\u00fcdische Stadt mit einer ehrw\u00fcrdigen Geschichte und Kultur gewesen. &#8222;Jerusalem ist die Stadt des Friedens, oder sie sollte es wenigstens sein. So haben es Jesus Christus, der hier gekreuzigt und begraben ist, und unser Prophet Mohammed gewollt. Jerusalem muss immer offen bleiben, offen f\u00fcr alle Religionen. Es darf nicht l\u00e4nger von Israel besetzt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump habe verschenkt, was ihm nicht geh\u00f6rte, an jemanden, der es nicht verdiente. Er habe mit dieser Erkl\u00e4rung gegen s\u00e4mtliche Beschl\u00fcsse der UNO versto\u00dfen und sich gegen die Weltmeinung gewandt. Das sei ein sehr gef\u00e4hrlicher Schritt, den noch kein Pr\u00e4sident vor ihm gewagt habe. &#8222;Wir werden&#8220;, so Saleh el-Sarey, &#8222;niemals akzeptieren, dass Jerusalem die Hauptstadt von Israel wird.&#8220; Der Redner sprach auch den von Trump in seiner Erkl\u00e4rung am 6. Dezember 2017 mit unklaren Formulierungen beschriebenen &#8222;Jahrhundertdeal&#8220; f\u00fcr den Nahen Osten mit Saudi-Arabien und \u00c4gypten an. Am Schluss seiner kurzen Rede forderte er die R\u00fccknahme des h\u00f6chst umstrittenen Beschlusses, so wie es die UNO-Vollversammlung mit gro\u00dfer Mehrheit, auch mit Unterst\u00fctzung von Deutschland, Frankreich und den anderen EU-Staaten, bekr\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7244\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-200x113.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-768x432.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph-500x281.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rudolph.jpg 2045w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Rudolph Bauer,<\/strong> emeritierter Professor f\u00fcr Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Bremen und Schriftsteller, sprach zum Schluss der Kundgebung. Es wurde eine eindringliche Rede;<strong> <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Rede-Rudolph-zu-Jerusalem-1.doc\">sie kann hier nachgelesen werden<\/a><\/strong>. Unber\u00fchrt von der in den Medien um sich greifenden \u00c4ngstlichkeit gegen\u00fcber dem Thema Pal\u00e4stina und Israel kam er im direkten Zugriff auf die gro\u00dfen Streitfragen in dieser Region zu sprechen: Geschichte der Stadt Jerusalem, Gr\u00fcndungsgeschichte des israelischen Staates, Vertreibung der Pal\u00e4stinenser und Pal\u00e4stinenserinnen und Zerst\u00f6rung ihrer D\u00f6rfer (Naka), die vielen Friedensvorschl\u00e4ge seitens der pal\u00e4stinensischen Organisationen und der arabischen Staaten sowie die andauernde Besetzungs- und Besiedlungspolitik seitens der verschiedenen israelischen Regierungen.<\/p>\n<p>Rudolph Bauer wurde bei seinem &#8222;Griff in die Geschichte&#8220; grunds\u00e4tzlicher. Die Konzepte des &#8222;Nationalstaates&#8220;, der immer eine &#8222;Hauptstadt&#8220; haben m\u00fcsse, seien heute ein Anachronismus, seien in unserem digitalen Zeitalter unzeitgem\u00e4\u00df, \u00fcberfl\u00fcssig und \u00fcberhaupt ein Fehler.<\/p>\n<p>Sodann unternahm Bauer einen historischen Vergleich, den man so noch nicht geh\u00f6rt hatte. Er verglich n\u00e4mlich die Staatsgr\u00fcndung des deutschen Kaiserreichs 1871 mit der Staatsgr\u00fcndung Israels im Jahre 1948. Wie die ehemals deutsche, die &#8222;versp\u00e4tete&#8220; Nation, w\u00fcrde auch Israel nach seiner Gr\u00fcndung vergleichbare Merkmale aufweisen: Expansionismus, Militarismus, Autoritarismus und Kolonialismus.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tten die Juden doch eigentlich, so Bauer, ein Vorbild und ein Beispiel f\u00fcr eine kosmopolitische Lebensweise sein k\u00f6nnen, hatten sie doch viele Jahrhunderte lang, gerade auch in den islamischen Staaten, im Frieden und im Einvernehmen mit anderen V\u00f6lkern und anderen Religionen als Weltb\u00fcrger gelebt. So h\u00e4tten sie sich einerseits in fremden Gesellschaften zurecht gefunden und andererseits ihre eigene Kultur bewahrt. &#8222;Sie sind ein Vorbild und Beispiel f\u00fcr Immigranten und Fl\u00fcchtlinge. Wobei ich nicht vergesse, dass Juden in manchen L\u00e4ndern immer wieder verfolgt wurden. Genauso wie Immigranten und Fl\u00fcchtlinge heute.&#8220;<\/p>\n<p>Zur Rechtfertigung der Staatsgr\u00fcndung und der Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern w\u00fcrden immer noch die KZ- und T\u00f6tungsmaschinen in Nazi-Deutschland, die zweifellos den Tiefstpunkt der auf rassistischen Vorurteilen beruhenden Politik im deutschen Reich, dem sogenannten Dritten Reich darstellten, herangezogen. Weswegen die \u00c4chtung des Antisemitismus nach 1945 ebenso notwendig wie selbstverst\u00e4ndlich war. &#8222;Und heute?&#8220;, fragte Bauer. Heute sei der Antisemismusbegriff in einem Umfang ausgeweitet worden, dass auch noch eine Kritik an der Besatzungs- und Kolonialpolitik Israels darunter fiele.<\/p>\n<p>Am Schluss seiner mit viel Beifall aufgenommenen Rede zitierte Rudolph Bauer aus einem Gedicht (&#8222;In Jerusalem&#8220;) des pal\u00e4stinensischen Poeten Mahmud Darwisch. Wenn die V\u00f6lkergemeinschaft einem wirklichen Frieden in Nahost einige Schritte n\u00e4her kommen wolle, w\u00e4ren einige Forderungen zu ber\u00fccksichtigen, die Bauer sowohl an die Bundesregierung als auch an die Bremer B\u00fcrgerschaft, die J\u00fcdische Gemeinde in Bremen, an die Pal\u00e4stinenser und insgesamt an die Zivilgesellschaft richtete. Man kann sich die Rede auf dem youtube-Video &#8211; etwas gek\u00fcrzt &#8211; ansehen und auch das <strong><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Rede-Rudolph-zu-Jerusalem-1.doc\">Manuskript<\/a><\/strong> nachlesen. Es lohnt sich!<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ufeff\ufeff\ufeff\ufeff Der Ausschuss der pal\u00e4stinensischen Gemeinde in Bremen hatte am 13. 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