{"id":733,"date":"2014-07-07T14:14:42","date_gmt":"2014-07-07T14:14:42","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=733"},"modified":"2014-07-07T14:46:22","modified_gmt":"2014-07-07T14:46:22","slug":"der-aktuelle-rassismus-in-israels-erziehungssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=733","title":{"rendered":"Der Rassismus in Israels Erziehungssystem"},"content":{"rendered":"<p>Bei dem Versuch, den Mord an Mohammed Abu Khdeir aus Shoafat, einem von Muslimen bewohnten Stadtteil Jerusalems, zu verstehen, klagt heute die <a href=\"http:\/\/www.haaretz.com\/news\/national\/.premium-1.603454\" target=\"_blank\">israelische Tageszeitung &#8222;Ha&#8217;retz&#8220;<\/a> den gerade unter jungen Israelis verbreiteten Rassismus gegen\u00fcber Pal\u00e4stinensern an. Der Rassismus wuchere in der israelischen Gesellschaft wie ein Krebsgeschw\u00fcr. Zehntausende seien infiziert. In den letzten Tagen h\u00e4tte es jede Menge an Aufrufen zu Gewalt und Rache f\u00fcr die drei ermordeten Talmud-Studenten gegeben. Es l\u00e4uft einem kalt den R\u00fccken runter, wenn man in einige der Facebook-Kampagnen hineinsieht. Eine Gruppe mit dem Namen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/AmIsraelDoreshNekama\" target=\"_blank\">&#8222;The people of Israel demand revenge&#8220;<\/a> hatte inerhalb von zwei Tagen \u00fcber 35.000 Mitglieder, viele von ihnen Soldaten. Viele schickten Fotos von sich. Zwei l\u00e4chelnde weibliche Teenager z.B. umarmen sich und halten ein St\u00fcck Papier hoch mit der Aufschrift:\u00a0 \u201cHating Arabs is not racism, it\u2019s values.\u201d<!--more--><\/p>\n<p>Am 3. Juli 2014 nun hat das israelische Erziehungsministerium in einer \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung zu &#8222;Verantwortung, Zur\u00fcckhaltung, Toleranz und Vertrauen in die Beh\u00f6rden&#8220; aufgerufen. &#8222;Wir alle&#8220;, so hei\u00dft es in der Erkl\u00e4rung, &#8222;tragen Verantwortung daf\u00fcr, dass jeder Aufruf zur Hetze und zur Gewalt vermieden wird.&#8220; Allerdings: der Name des Erziehungsministers Shay Piron fehlte auf der Erkl\u00e4rung seines Ministeriums. Das Mitglied der Regierung Netanyahu hatte es vorgezogen, den Aufruf zur Toleranz nicht zu unterschreiben. Die Zeitung Ha&#8217;aretz kommentierte diese Tatsache so: <em>&#8222;Dieser durchaus &#8218;mutige Aufruf&#8216; zur Zur\u00fcckhaltung und Toleranz stammt also aus einer anonym bleibenden Quelle des Erziehungsministeriums, so als ob hier ein gef\u00e4hrliches Leck existierte und irgendjemand noch daf\u00fcr bestraft werden k\u00f6nnte. Der Aufruf war ein Akt der Feigheit, weit entfernt davon, in dieser Situation p\u00e4dagogisch R\u00fcckgrat zu zeigen&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Dass Shay Piron und das Erziehungsministerium, so f\u00e4hrt der Bericht von &#8222;Ha&#8217;aretz&#8220; fort, ihrer Verantwortung gegen den grassierenden Rassismus unter Jugendlichen nicht nachkommen, w\u00e4re nichts Neues. Im November 2013 war eine Gruppe von jungen Israelis vor dem Jerusalem District Court angeklagt worden, weil sie Araber t\u00e4tlich angegriffen hatten. Einen Monat sp\u00e4ter hatten Dutzende von israelischen Studenten an die Haust\u00fcren im muslimischen Viertel von Jerusalems Altstadt geh\u00e4mmert und gerufen &#8222;Zerst\u00f6rt die Saat von Amalek&#8220;, &#8222;Der Tempel wird wieder errichtet, die Moschee wird abgebrannt!&#8220;, &#8222;Mohammed ist tot&#8220; und &#8222;Tod den Arabern&#8220; (\u201cDestroy the seed of Amalek,\u201d \u201cThe Temple will be rebuilt, the mosque burned,\u201d \u201cMohammed is dead,\u201d and \u201cDeath to Arabs.\u201d). In beiden F\u00e4llen h\u00e4tte das Erziehungsministerium es vorgezogen, die Augen zu verschlie\u00dfen und nicht zu reagieren.<\/p>\n<h2>\u00a0Nurit Peled-Elhanan: &#8222;Palestine in Isreali Schoolbooks. Ideology and Propaganda in Education&#8220;<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-07-Nurit_Peled-Elhanan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-735\" alt=\"14-07-07 Nurit_Peled-Elhanan\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-07-Nurit_Peled-Elhanan-200x151.jpg\" width=\"200\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-07-Nurit_Peled-Elhanan-200x151.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-07-Nurit_Peled-Elhanan-300x227.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-07-Nurit_Peled-Elhanan.jpg 429w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Der Rassismus unter Jugendlichen kommt nicht von ungef\u00e4hr. Nurit Peled-Elhanan, Literaturwissenschaftlerin und Professorin an der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t in Jerusalem, hat 2012 ein Buch (&#8222;Palestine in Israeli School Books. Ideology and Propaganda in Education\u201c) ver\u00f6ffentlicht, in dem sie mehr als 20 aktuelle Schulb\u00fccher f\u00fcr Geografie und Geschichte, die sowohl in staatlichen als freien (von Ultra-Orthodoxen gef\u00fchrten) Schulen verwendet werden, in Bezug auf die Verbreitung von rassistischen Stereotypen gegen\u00fcber Arabern untersucht. &#8222;Mich hat die Perfektion und Raffinesse \u00fcberrascht, mit der Text und Bilder zu einer rassistischen Darstellung der Pal\u00e4stinenser zusammengef\u00fcgt werden&#8220;, so die Professorin. Pal\u00e4stinensische Bankangestellte, Kinderg\u00e4rtner, Zahn\u00e4rzte und Automechaniker &#8211; in israelischen Schulb\u00fcchern w\u00fcrden Araber als &#8222;normale&#8220; Personen nicht existieren. Sie w\u00fcrden lediglich als &#8222;Bedrohung&#8220; und als &#8222;Problem&#8220; reflektiert. Lehrb\u00fccher dienten als Werkzeuge zur &#8222;Einimpfung diskriminierender und rassistischer Anschauungen&#8220; und &#8222;Ignoranz&#8220; gegen\u00fcber den arabischen Nachbarn.<\/p>\n<p>Das Buch hat bei seinem Erscheinen in Israel f\u00fcr Aufsehen gesorgt und die Autorin in ihrem Land unbeliebt gemacht. In einem Interview mit <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201302202455\/feuilleton\/zeitfragen\/rechte-ideologie-und-propaganda-in-israelischen-lehrbuechern.html\" target=\"_blank\">&#8222;Hintergrund&#8220; (am 20.02.2013) <\/a>antwortete sie auf die Frage, welche Wirkung von einer durchweg negativen Darstellung der Pal\u00e4stinenser in den Schulb\u00fccher ausgehe und welche Wirkung mit diesen Bildern transportiert werde: &#8222;Wenn man so viele Menschen unterdr\u00fccken und kontrollieren will, dann muss man ihnen ihr menschliches Antlitz nehmen und es durch Stereotype ersetzen. Die Pal\u00e4stinenser werden nicht als Individuen gezeigt, nicht als Menschen mit einer Kultur, sondern nur als Problem und als Bedrohung, die beseitigt werden m\u00fcssen. Es ist viel einfacher, jemanden zu t\u00f6ten, der keine menschlichen Z\u00fcge tr\u00e4gt, als jemanden, den man kennt und der einem vertraut ist. Es geht darum, gute Soldaten aus den Sch\u00fclern zu machen. Je weniger sie wissen, desto besser.&#8220;<\/p>\n<p>Zum Pal\u00e4stina-Bild, dass israelischen Schulkindern vermittelt wird, passe auch, dass die besetzten Gebiete auf Landkarten in Schulb\u00fcchern nicht nachgezeichnet sind. Da reiche Israel bis zum Jordan, manchmal, unter Bezug auf Bibelstellen, sogar dar\u00fcber hinaus. Auf Karten, die die Bildungseinrichtungen der Region zeigen, fehlten die pal\u00e4stinensischen Universit\u00e4ten ganz. Auf Karten mit Israels Bev\u00f6lkerungszentren fehlten Hinweise auf St\u00e4dte mit pal\u00e4stinensischer Mehrheit, zum Beispiel Nazareth. Die Existenz der Pal\u00e4stinenser werde den israelischen Kindern weitgehend als Wirklichkeit vorenthalten. In Hunderten und Aberhunderten von B\u00fcchern g\u00e4be es kein Bild, auf dem ein Pal\u00e4stinenser als Individuum zu sehen w\u00e4re. &#8222;Es gibt kein einziges Foto eines Pal\u00e4stinensers als normale Person, so wie wir sind, also in normaler Alltagskleidung. Oder ein Kind, das Fu\u00dfball spielt. Oder ein Arzt oder ein Lehrer oder was auch immer. Nichts, kein einziges Foto.&#8220;<\/p>\n<p><b>Nurit Peled-Elhanan<\/b> (* 1949) ist eine israelische Friedensaktivistin, sowie Professorin f\u00fcr Komparatistik an der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t Jerusalem und geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndern von <i>Bereaved Parents for Peace<\/i> (deutsch: Trauernde Eltern f\u00fcr den Frieden). Nach dem Tod ihrer 13-j\u00e4hrigen Tochter im Jahr 1997 wurde sie eine offene Kritikerin der israelischen Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens. Foto: EPP-ED Group<\/p>\n<p><em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem Versuch, den Mord an Mohammed Abu Khdeir aus Shoafat, einem von Muslimen bewohnten Stadtteil Jerusalems, zu verstehen, klagt heute die israelische Tageszeitung &#8222;Ha&#8217;retz&#8220; den gerade unter jungen Israelis verbreiteten Rassismus gegen\u00fcber Pal\u00e4stinensern an. 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