{"id":7467,"date":"2018-03-14T07:21:25","date_gmt":"2018-03-14T07:21:25","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=7467"},"modified":"2018-03-15T16:57:21","modified_gmt":"2018-03-15T16:57:21","slug":"sprachgeschwurbel-in-sachen-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=7467","title":{"rendered":"Sprachgeschwurbel in Sachen Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bauer-rudolph-2011_ji-1000px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7474\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bauer-rudolph-2011_ji-1000px-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bauer-rudolph-2011_ji-1000px-300x300.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bauer-rudolph-2011_ji-1000px-768x768.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bauer-rudolph-2011_ji-1000px.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Zur Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Bundesinnenminister de Maizi\u00e8re hat sich nach den Dezember-Demonstrationen 2017 in Berlin, ausgel\u00f6st durch die Entscheidung des US-Pr\u00e4sidenten, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen, f\u00fcr einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung ausgesprochen. Drei Monate zuvor, am 20. September 2017, hatte das Bundeskabinett beschlossen, sich die Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zu Eigen zu machen (siehe Kasten). <\/span><!--more--><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Bundesregierung folgte mit ihrem Beschluss einer am 31. Mai 2017 verabschiedeten Empfehlung des Europaparlaments an die europ\u00e4ischen Staaten, die IHRA-Definition, welche in Gro\u00dfbritannien und \u00d6sterreich bereits G\u00fcltigkeit besa\u00df, ebenfalls zu \u00fcbernehmen. Vorarbeiten f\u00fcr den Beschluss des Europaparlaments hatte eine &#8222;European Parliament Working Group in Antisemitism&#8220; geleistet. Als Sekretariat dieser Arbeitsgruppe fungierte der European Jewish Congress mit Berliner B\u00fcro und Hauptsitz in Paris, gegr\u00fcndet vom europ\u00e4ischen Zweig des J\u00fcdischen Weltkongresses. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die IHRA ist eine 1998 gegr\u00fcndete zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Berlin. Die englischsprachige Wikipedia h\u00e4lt deren Arbeitsdefinition f\u00fcr die weltweit am meisten verbreitete Auslegung des Begriffs Antisemitismus. Es sind also mehrere Gr\u00fcnde, weswegen es angebracht ist, die IHRA-Definition kritisch unter die Lupe zu nehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><span lang=\"en-GB\">Die englische Fassung der IHRA-Definition lautet: <\/span><span lang=\"en-GB\">\u201cAntisemitism is a certain perception of Jews, which may be expressed as hatred toward Jews. Rhetorical and physical manifestations of antisemitism are directed toward Jewish or non-Jewish individuals and\/or their property, toward Jewish community institutions and religious facilities.\u201d<\/span><\/span><\/p>\n<table width=\"769\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"9\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"749\" valign=\"top\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><em>Ins Deutsch \u00fcbersetzt (und die deutsche \u00dcbersetzung ist hier Gegenstand kritischer Anmerkungen) lautet die \u201eDefinition\u201c:<span style=\"color: #252525;\"><b> \u201eAntisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegen\u00fcber Juden ausdr\u00fccken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen j\u00fcdische oder nichtj\u00fcdische Einzelpersonen und\/oder deren Eigentum sowie gegen j\u00fcdische Gemeindeinstitutionen oder religi\u00f6se Einrichtungen.\u201c<\/b><\/span><\/em><\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><em><span style=\"color: #252525;\">In erweiterter Form umfasst die Definition einen dritten Satz des folgenden Wortlauts: \u201e<\/span>Dar\u00fcber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als j\u00fcdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.\u201c<\/em><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h1 class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>1. Wahrnehmung statt Vorurteil<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Definition eines Begriffs dient zur pr\u00e4zisen Erkl\u00e4rung und klaren Bestimmung seiner Bedeutung. Davon kann im Fall der von der IHRA vorgeschlagenen Arbeitsdefinition (\u201eworking definition\u201c) des Antisemitismus keine Rede sein. Als Definition \u2013 von lat. definitio, urspr\u00fcnglich Umgrenzung \u2013 gilt im weitesten Sinne jede Art der Feststellung oder Festsetzung einer Zeichenverwendung: hier der Kennzeichnung \u201eAntisemitismus\u201c. Von einer Definition ist zu erwarten, dass sie bestimmten Ma\u00dfst\u00e4ben gen\u00fcgt und methodische Regeln befolgt, die je nach Kontext unterschiedlich sein k\u00f6nnen. Sie soll vor allem verst\u00e4ndlich sein, zweckm\u00e4\u00dfig, ad\u00e4quat und begr\u00fcndet. Sie darf nicht irref\u00fchrend und manipulierend sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die IHRA-Definition besagt, Antisemitismus sei <strong>eine bestimmte Wahrnehmung<\/strong>. Antisemitismus ist jedoch keine Wahrnehmung, sondern ein Vorurteil, gleichbedeutend mit einer Falsch- oder Unwahrnehmung. Der Antisemitismus als Vorurteil pflegt diffuse Feindbilder, die sich einer rationalen Argumentation verweigern und deshalb die menschlichen Denk- und Handlungsm\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nken. Kern der irrationalen Voreingenommenheit ist das Feindbild \u201eJude\u201c, gepaart mit m\u00f6rderischem Hass gegen \u201edie Juden\u201c aus dem einzigen Grund, weil sie \u201eJuden\u201c sind. Selbst dieses \u201eJude\u201c-Sein unterliegt aus antisemitischer Sicht keiner begrifflichen Bestimmung und schon gar nicht dem Selbstbild der Betroffenen, sondern wird aus ideologisch motivierten Begr\u00fcndungen \u2013 etwa Rasse, Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit, Einfluss, Schmarotzertum und Weltherrschaftspl\u00e4nen \u2013 abgeleitet. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Als Wahrnehmung wird beim Menschen der Vorgang bezeichnet, sinnliche Reize aufzunehmen und zu verarbeiten. (In der englischen Fassung der Definition ist die Formulierung \u201eperception\u201c nicht auf die Wahrnehmung sinnlicher Reize beschr\u00e4nkt; das Wort kann auch eine Idee, eine Vorstellung oder Auffassung meinen.) Der in der deutschen \u00dcbersetzung verwendete Terminus Wahrnehmung beschreibt ein Mit-den-Sinnen-Erfassen. Sinnlich erfasst wird z. B. ein Ger\u00e4usch, ein Geruch, ein Geschmack, etwas Tast- oder Sichtbares. Die deutsche IHRA-Definition legt nahe, dass Juden wahrgenommen werden, d. h. dass man sie mit Hilfe der Sinneswahrnehmungen erkennt. Hier wabert wom\u00f6glich ein rassistisches Vorurteil. Auch die Nazi-\u201eRassenlehre\u201c hat Juden auf \u00e4u\u00dferliche Merkmale reduziert. Eine Definition des Antisemitismus, die sich aus sinnlicher Wahrnehmung speist, ist im Kern selbst vorurteilsbehaftet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Wenn, wie im vorliegenden Fall, definitorisch nicht nur von Wahrnehmung die Rede ist, sondern zus\u00e4tzlich von einer bestimmten (!) Wahrnehmung, dann stellt sich die Frage, wodurch die Wahrnehmung bestimmt ist, d. h. genau festgelegt, entschieden und gewiss. Darauf gibt die IHRA-Definition keine Antwort. Sie l\u00e4sst offen, von welcher bestimmten Wahrnehmung die Rede ist. Insoweit ist sie ungenau und beliebig \u2013 also keine zweckm\u00e4\u00dfig brauchbare Definition mit intellektuell verbindlichem Anspruch.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>2. Juden und Nichtjuden<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Definition seitens der IHRA besagt, Antisemitismus sei eine bestimmte Wahrnehmung <strong>von Juden<\/strong>. Allein schon der Gebrauch des Genitivs ist uneindeutig und ambivalent. Es bleibt zun\u00e4chst unklar, ob es sich um einen Genitivus objectivus handelt (\u201eJuden werden wahrgenommen\u201c) oder um einen Genitivus subjectivus (\u201eJuden nehmen etwas wahr\u201c). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Angesichts dessen, was heute auf insistierende Weise als \u201eerweiterter Antisemitismusbegriff\u201c ins Feld gef\u00fchrt wird (davon ist sp\u00e4ter noch die Rede), k\u00f6nnte es sich um einen Genitivus subjectivus handeln: um die Perzeption eines Antisemitismus, wie er etwa durch den Publizisten Henryk M. Broder oder den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden verbreitet wird. Aus dem Nachsatz geht allerdings hervor, was definitorisch gemeint sein soll: n\u00e4mlich das Wahrgenommen-Werden von Juden (Genitivus objectivus) \u2013 wobei die Bezeichnung \u201eJuden\u201c nicht n\u00e4her erl\u00e4utert wird. Es bleibt den Lesenden \u00fcberlassen zu deuten, ob \u201eJuden\u201c sich auf die bekennenden Angeh\u00f6rigen der j\u00fcdischen Religionsgemeinschaft bezieht (orthoxe Juden) oder auf liberale, nichtorthodoxe Personen j\u00fcdischen Glaubens oder j\u00fcdischer Herkunft, Abstammung, Familienzugeh\u00f6rigkeit bzw. ob es sich um israelische Staatsb\u00fcrger\/innen handelt, j\u00fcdische und nicht-j\u00fcdische, darunter auch muslimische Israeli, oder ob von den Get\u00f6teten des Genozids die Rede ist, denen von den Nazis rassistische Judenmerkmale zugeschrieben wurden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Sinnvoll w\u00e4re es, in der Definition deutlich zu machen, dass \u201eden Juden\u201c im Rahmen des rassistischen Antisemitismus die S\u00fcndenbock-Rolle aufgeladen wurde und wird f\u00fcr all das, was wirtschaftlich und gesellschaftlich aus dem Ruder und schief l\u00e4uft. Vergleichbares widerf\u00e4hrt \u201eden Moslems\u201c im Rahmen des Antiislamismus oder \u201eden Christgl\u00e4ubigen\u201c in L\u00e4ndern mit Christenverfolgung. Der rassistische Antisemitismus lenkt in unangemessen ideologischer Weise ab von den realen Widerspr\u00fcchen der politischen \u00d6konomie, indem er deren Ursachen individualisiert (\u201eder Jude ist schuld\u201c) oder gruppenbezogen personalisiert (\u201edie Juden sind schuld\u201c). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Umgekehrt verhindert das Antisemitismusverdikt aber auch einen empirischen Zugang zur tats\u00e4chlichen Rolle und zum wirklichen Einfluss von Anh\u00e4ngern religi\u00f6ser oder ethnischer Gruppen, zu denen nicht nur diejenigen geh\u00f6ren, die Adepten j\u00fcdischer Gemeinschaften sind oder ihnen nahe stehen. Eine empirische Untersuchung etwa des katholischen Opus Dei ist kein antikatholischer Akt, eine Studie \u00fcber die Mafia in den USA kein antiitalienisches Projekt. Es muss m\u00f6glich und erlaubt sein, Macht- und Einflussstrukturen von Gruppen mit ethnischem oder religi\u00f6sem Hintergrund zu analysieren.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>3. Antisemitismus ohne Antisemiten<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die IHRA-Definition besagt, es handle sich um eine Wahrnehmung, die sich <strong>gegen\u00fcber Juden ausdr\u00fccken <\/strong><strong>kann<\/strong>. Kann sich eine Wahrnehmung \u00fcberhaupt ausdr\u00fccken? Ein wahrgenommenes Ger\u00e4usch beispielsweise dr\u00fcckt sich nicht aus. Es ist vielmehr selbst &#8218;Ausdruck&#8216; und Ergebnis von etwas \u2013 beispielsweise einer Explosion. Es bedarf vielmehr einer Person (eines Subjekts), die etwas wahrnimmt und das Wahrgenommene dann wiedergibt: ausdr\u00fcckt, formuliert, in Worte fasst. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Eine Wahrnehmung, die sich gegen\u00fcber einer j\u00fcdischen Einzelperson oder der Personengruppe \u201eJuden\u201c ausdr\u00fcckt, bedarf also einer Vermittlung (z. B. mit Hilfe von Medien oder der Propaganda) bzw. eines die Wahrnehmung mitteilenden Subjekts, also des bzw. der Antisemiten. W\u00fcrde sie unmittelbar erfolgen, ohne eine intermedi\u00e4re Instanz oder Person, w\u00e4re das ein abstruser Vorgang. Einen abstrakten Sachverhalt genau so wie einen konkreten Akteur als handelnd bzw. vermittelnd einzuf\u00fchren, ist sprachschwurbelige Taschenspielerei.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>4. Das Ph\u00e4nomen beschw\u00f6ren, aber die Ursachen vernachl\u00e4ssigen<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die an dieser Stelle in der Definition verwendete Kann-Formulierung, dass Wahrnehmung sich ausdr\u00fccken<b> kann<\/b>, impliziert verschiedene Bedeutungen. &#8222;K\u00f6nnen&#8220; meint so Unterschiedliches wie: (a) f\u00e4hig und in der Lage sein (\u201elaufen k\u00f6nnen\u201c); (b) eine Sprache beherrschen (\u201eHebr\u00e4isch k\u00f6nnen\u201c); (c) die M\u00f6glichkeit haben (\u201eein Studium aufnehmen k\u00f6nnen\u201c); (d) die Erlaubnis zu haben, etwas zu d\u00fcrfen (\u201emit Billigung der Eltern einen Freund besuchen k\u00f6nnen\u201c); (e) m\u00f6glich oder denkbar sein (\u201eetwas kann sich ereignen\u201c). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Gesetzt den Fall, dass \u2013 wie anzunehmen ist \u2013 Letzteres gemeint ist, stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen oder Voraussetzungen die M\u00f6glichkeit eines Ereignisses oder einer Entwicklung in Realit\u00e4t umschl\u00e4gt. Dar\u00fcber gibt die IHRA-Definition keine Auskunft. Die sonstigen Bedeutungen lassen \u2013 falls sie denn gemeint sind \u2013 offen, wie die entsprechenden F\u00e4higkeiten oder M\u00f6glichkeiten entstanden sind (und wie man ihr Entstehen oder Ausbreitung verhindern kann).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Das Fehlen einer Ursachenanalyse und die Ungenauigkeit der definitorisch unzweckm\u00e4\u00dfigen Ausdrucksweise haben zur Folge, dass der Gedanke einer Bek\u00e4mpfung oder Vermeidung des Antisemitismus gar nicht erst aufkommt. Antisemitismus erscheint als eine Art Naturereignis oder naturgegebenes Gesellschaftsph\u00e4nomen, dessen Entstehung im Dunkeln bleibt, aber auch nicht interessiert. Dieser Mangel \u2013 man k\u00f6nnte fast meinen, dass die Vernachl\u00e4ssigung der Ursachenforschung ein Zeichen daf\u00fcr ist, am Fortbestehen des Antisemitismussyndroms interessiert zu sein, nicht an seiner Bek\u00e4mpfung \u2013 best\u00e4tigt sich auch im Folgenden.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>5. Horrifizierung statt Analyse<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Antisemitismus, so hei\u00dft es gem\u00e4\u00df IHRA-Definition, sei eine Wahrnehmung, die sich <strong>als Hass<\/strong> gegen\u00fcber Juden ausdr\u00fccken kann. Gemeint ist offenbar eine Einstellung gegen\u00fcber \u201eden Juden\u201c, die sich nicht zuletzt als Hass zeigt. Hass wird in der Definition auf widersinnige Weise zum Ausdruck einer Wahrnehmung erkl\u00e4rt. Hass ist jedoch eine irrationale Emotion, die sich in Form von prinzipieller Antipathie auswirken kann. Freilich l\u00e4sst sich nicht jede Form einer radikalen Demonstration von Protest und Widerspruch zur\u00fcckf\u00fchren auf Hass. Auch hier bleibt die Definition unbestimmt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die intensiven negativen Gef\u00fchle des Hasses l\u00f6sen bei den Hassenden Abneigung und Verachtung aus. Sie zeigen sich in der Praxis als feindselige und aggressive Haltung. Diese Einstellung hat nichts mit angeblichen Wahrnehmungen zu tun. Es handelt sich um eine emotionale Attit\u00fcde bzw. eine psychische Disposition, deren Genese nicht auf Wahrnehmungen zur\u00fcckgeht, sondern auf \u00f6konomisch verursachte, gesellschaftlich ausgel\u00f6ste und psychodynamisch bearbeitete Beweggr\u00fcnde, die zu benennen (und zu bek\u00e4mpfen) w\u00e4ren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Bei der Art von ph\u00e4nomenologischer Definition, wie sie von der International Holocaust Remembrance Alliance vertreten wird, geht es definitiv nicht um Ursachenanalyse oder -bek\u00e4mpfung, sondern um die Horrifizierung des als Wahrnehmungsph\u00e4nomen klassifizierten Definitionsgegenstandes, der sich als Hass \u00e4u\u00dfert. Die tieferen Wurzeln des antisemitischen Hasses bleiben im Dunkeln \u2013 und das sollen sie wohl auch, und zwar sowohl bei den Bef\u00fcrwortern des Antisemitismus als auch den bei Antisemitismus-Gegnern. Die Bef\u00fcrworter des Antisemitismus begreifen ebenso wenig wie seine Gegner, dass es sich beim Antisemitismus um ein gesellschaftliches Epiph\u00e4nomen handelt \u2013 um eine systemerhaltende Begleiterscheinung der kapitalistischen Gesellschafts- und Wirtschaftsformation.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>6. Die Adressaten antisemitischer Gegnerschaft<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Antisemitismus gem\u00e4\u00df IHRA-Definition <b>richtet sich gegen \u2026 . <\/b>Diese Aussage ist \u2013 von der irrigen Personifizierung des Abstraktums Antisemitismus einmal abgesehen (\u201eder Antisemitismus richtet sich \u2026\u201c) \u2013 weitgehend korrekt. Gem\u00e4\u00df der griechischen Vorsilbe \u201e-anti\u201c (d. h. gegen) besagt die Worterkl\u00e4rung, dass das antisemitische Vorurteil gegen etwas gerichtet ist, n\u00e4mlich (und hier wird die Definition in gef\u00e4hrlicher Weise un\u00fcbersichtlich sowie auf fatale Weise beliebig und manipulativ) \u2026<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u2026 <b>gegen \u2026 Einzelpersonen \u2026 und\/oder (gegen) deren Eigentum \u2026 sowie gegen \u2026 Gemeindeinstitutionen und \u2026 Einrichtungen<\/b>. Die Definition des durch das Suffix \u201e-ismus\u201c in p\u00f6nalisierender Absicht bezeichneten Begriffs benennt verschiedene Gruppen und Arten von Adressaten der antisemitischen Gegnerschaft, n\u00e4mlich (a.) Personen, (b.) deren Eigentum (d. h. einen Rechtstitel) sowie (c.) Institutionen und (d.) Organisationen.<\/span><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die personenbezogene Gegnerschaft richtet sich <b>gegen j\u00fcdische oder nichtj\u00fcdische Einzelpersonen<\/b>. Diese Definition liefert keine Anhaltspunkte zur Unterscheidung zwischen j\u00fcdischen und nichtj\u00fcdischen Einzelpersonen. Es bleibt ungekl\u00e4rt, warum und auf welche Weise einzelne Nicht-Juden zur Projektionsfl\u00e4che antisemitischen Hasses werden. <\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die sachbezogene Gegnerschaft<b> gegen<\/b> den <b>Eigentum<\/b>stitel, auf den sich \u201ej\u00fcdische und nichtj\u00fcdische Einzelpersonen\u201c berufen k\u00f6nnen, bleibt vage. Handelt es sich dabei um Sachbesch\u00e4digung, Zerst\u00f6rung, Diebstahl, Raub oder die staatliche Konfiszierung von Eigentum? Ist angesichts der Beliebigkeit, die in der ungenauen Formulierung der Definition angelegt ist, nicht auch die Kritik am Eigentum und an seiner Verwendung (Luxus; problematische Investitionen, z. B. in den Bau von Atomkraftwerken, in die R\u00fcstungsindustrie oder ethisch fragw\u00fcrdige Forschungsprojekte) bereits ein Zeichen von antisemitischer Gegnerschaft? Die Definition unterscheidet auch nicht hinsichtlich der Schwere sachbezogener Gegnerschaft, und sie differenziert ebenso wenig, ob die Gegnerschaft von Individuen ausgeht, von einer Gruppe oder vom Staat. <\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die erw\u00e4hnte Gegnerschaft <span style=\"color: #252525;\"><b>gegen j\u00fcdische Gemeindeinstitutionen oder religi\u00f6se Einrichtungen <\/b><\/span><span style=\"color: #252525;\">l\u00e4sst erstens offen, ob sie von Privaten oder vom Staat ausgeht, und zweitens, ob jegliche Gegnerschaft gemeint sein soll (z. B. die Beschwerde von Nachbarn gegen den Kinderl\u00e4rm einer Kita in j\u00fcdischer Tr\u00e4gerschaft).<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h1 class=\"western\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>7. \u201eWort oder Tat\u201c statt \u201eWort und Tat\u201c<\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die antisemitische Gegnerschaft \u00e4u\u00dfert sich nach Ma\u00dfgabe der IHRA-Definition <b>in Wort oder Tat<\/b>. Hier f\u00e4llt ein gravierender Unterschied zwischen der englischen Fassung und der deutschen \u00dcbersetzung ins Auge. Im Englischen ist von \u201erhetorical <i>and<\/i> physical manifestations\u201c die Rede, im Deutschen hingegen von einer Gegnerschaft in Wort <i>oder<\/i> Tat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die englische Version kann in der Weise interpretiert werden, dass sich die antisemitische Gegnerschaft doppelt manifestiert, sowohl rhetorisch als auch handelnd. Die deutsche \u00dcbersetzung legt nahe, dass eine verbale \u00c4u\u00dferung, die sich gegen die in der IHRA-Definition genannten Personen oder Institutionen richtet, in derselben Weise zu ahnden ist wie eine gegen sie gerichtete Handlung. Eine antisemitische \u00c4u\u00dferung oder Gesinnung wird mit einem antisemitischen Akt gleichgesetzt. Das ist einer der Gr\u00fcnde, um die grundrechtlich verb\u00fcrgte Meinungsfreiheit zu beschneiden bzw. eine entsprechende Meinungs\u00e4u\u00dferung dadurch zu unterbinden, dass ihr der Zugang zu \u00f6ffentlichen R\u00e4umen verwehrt wird. Auf diese Weise wird einer vordemokratischen Gesinnungspr\u00fcfung der Weg gebahnt, statt am Grundsatz der Rechtsprechung durch eine unabh\u00e4ngige Justiz festzuhalten.<\/span><\/p>\n<h1><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><b>8. Fazit <\/b><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Brandmarkung statt Forschung, Maulkorb statt Aufkl\u00e4rung und Pr\u00e4vention<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Arbeitsdefinition der IHRA ist mangelhaft und daher unbrauchbar, ja sogar gef\u00e4hrlich. Ihr zufolge speist sich der Antisemitismus aus sinnlicher Wahrnehmung. Eine solche Erkl\u00e4rung ist strukturell selbst antisemitisch. Die IHRA ergeht sich \u201eper definitionem\u201c in einem sprachschwurbeligen Autismus. Sie benennt weder die Tr\u00e4ger, Vermittler und Akteure des Antisemitismus, noch erw\u00e4hnt sie dessen gesellschaftliche und sozialpsychologische Entstehungszusammenh\u00e4nge. Das Ph\u00e4nomen Antisemitismus wird horrifiziert, aber weder werden seine besonderen Erscheinungsformen auseinander gehalten, noch wird die Frage nach seinen Wurzeln und seiner Ausbreitung gestellt, um auf dieser Grundlage gegebenenfalls p\u00e4dagogisch aufzukl\u00e4ren und vorzubeugen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Adressatenkreis antisemitischer Gegnerschaft wird nicht definitorisch eingegrenzt, sondern definitiv ausgeweitet, so dass heute in irref\u00fchrender Weise auch der Staat Israel als Adressat und Opfer des Antisemitismus figuriert: \u201eals j\u00fcdisches Kollektiv\u201c (siehe den dritten Satz der IHRA-Definition: \u201cDar\u00fcber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als j\u00fcdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.\u201c). Da der israelische Staat sich als \u201ej\u00fcdischer Staat\u201c versteht, kann jeder Einwand gegen dieses Konzept zugleich als antisemitische Fundamentalkritik am Staat Israel verstanden und verurteilt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">W\u00e4hrend das antisemitische Vorurteil rassistischer Pr\u00e4gung sowohl j\u00fcdische Individuen als auch die gesellschaftliche Minderheit der Juden betraf und betrifft, wird mit Hilfe der IHRA-Definition die Regierung der j\u00fcdischen Mehrheitsgesellschaft Israels in Schutz genommen und zum Tabu erkl\u00e4rt. Damit wird der auf solche Weise erweiterte Antisemitismusbegriff zu einem Instrument der Manipulation seitens derjenigen, die ein Interesse an der Immunit\u00e4t israelischer Regierungs-, Milit\u00e4r- und Besatzungspolitik haben \u2013 oder auch ein Interesse an der z. B. milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung der israelischen Regierungspolitik durch andere Staaten, nicht zuletzt durch die Bundesrepublik Deutschland.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die staatliche bzw. religionsstaatliche Erweiterung des Antisemitismusbegriffs wird nicht sachlich begr\u00fcndet, sondern behauptet und \u2013 mit Verweis auf die rund sechs Millionen gemeuchelter Juden \u2013 in moralisierender Weise beschworen. Moral, Irrationalismus und Gewalt ergeben eine explosive Mischung, und das in perfider Berufung auf die Get\u00f6teten in den Konzentrationslagern. Somit erlangen Antisemitismusvorwurf und -anschuldigung einen gef\u00e4hrlichen Stellenwert in der politischen Auseinandersetzung. Es entsteht ein neues Schm\u00e4h- und Feindbild: der \u201eAntisemitismus\u201c. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Vorwurf des \u201eAntisemitismus\u201c erweiterter Art hat die Normalisierung des antisemitischen Rassismus zur Folge. Er dient einerseits zur Verdr\u00e4ngung der wahren Ursachen, zu denen auch der Klassenwiderspruch z\u00e4hlt, und andererseits als paradoxe Verd\u00e4chtigung zur Stigmatisierung, als ideologischer Maulkorb. Die IHRA-Definition gilt als Nonplusultra einer Begriffsbestimmung des Antisemitismus und blendet daher die Notwendigkeit von wissenschaftlicher Forschung, gesellschaftlicher Pr\u00e4vention, historischer Aufkl\u00e4rung und humanistischer P\u00e4dagogik im Hinblick auf den rassistischen Antisemitismus weitgehend aus. Doch wem n\u00fctzt das?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Antisemitismus verschleiert Widerspr\u00fcche der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Gebrauch des Terminus Antisemitismus dient heute, wie die Erfahrung zeigt, nicht zuletzt der diskriminierenden Brandmarkung linker Kritik. Dabei ger\u00e4t die entschiedene Verurteilung der rassistischen Instrumentalisierung des Antisemitismus in den Zwangsarbeitslagern und der Vernichtungsindustrie der NS-Diktatur bzw. der Wiederkehr faschistischer Regierungsmehrheiten in Europa in den Hintergrund. Nicht zuletzt vernebelt der auf dem erweiterten Begriffsverst\u00e4ndnis fu\u00dfende Antisemitismusvorwurf \u2013 wie auch schon der klassische Rasse-Antisemitismus \u2013 die Widerspr\u00fcche der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, wie sie im gegenw\u00e4rtigen Stadium des globalen Imperialismus erneut virulent sind. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Ablenkungs- und Vertuschungsfunktion des rassistischen Antisemitismus auf der einen Seite und des ganz anders gearteten, &#8222;antideutsch&#8220; argumentierenden Antisemitismusvorwurfs gegen Kritik an Netanjahu und den Bankstern der Wallstreet andererseits erkl\u00e4rt, warum sich sowohl das Europaparlament als auch die Bundesregierung die irref\u00fchrende IHRA-Definition zu Eigen gemacht haben. Nicht zuletzt um die massenhafte Erkenntnis der Widerspr\u00fcche und Krisen des Kapitalismus einzud\u00e4mmen, soll auch in der Bundesrepublik ein mit manipulativer Begriffsdefinition ausgestatteter Antisemitismusbeauftragter berufen werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Antisemitismus als Instrument von Schuldabwehr und gesellschaftlicher Spaltung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ein weiterer Grund ist zu nennen: Beide Formen des Antisemitismus \u2013 der rassistische, welcher \u201edie Juden\u201c irrational angreift, ebenso wie der erweiterte, welcher zum Zweck der Verdr\u00e4ngung, Verd\u00e4chtigung und stillschweigender Komplizenschaft instrumentalisiert wird \u2013 dienen der gesellschaftlichen Spaltung. Der rassistische Antisemitismus spaltete und spaltet die Gesellschaft in eine j\u00fcdische Minderheit und eine nicht-j\u00fcdische (&#8222;arisch-reinrassige&#8220;) Mehrheit. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der erweiterte Begriff des Antisemitismus spaltet die Gesellschaft ebenfalls: in die Minderheit derjenigen, welche sich der per Staatsraison proklamierten Tabuisierung israelischer Politik nicht beugt, und die gro\u00dfe Mehrheit jener Deutschen, welche sich im kollektiven Unterbewusstsein Vers\u00f6hnung und Entlastung versprechen von den seit Kriegsende verdr\u00e4ngten und nicht betrauerten Schuldgef\u00fchlen. Indem sie Israel als \u201ej\u00fcdisches Kollektiv\u201c in der Tradition der Verfolgungsgeschichte von Juden im Dritten Reich zu verstehen meinen, entheben sie den israelischen Staat und die Politik der israelischen Regierung jeder Kritik und der Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln gegen\u00fcber den entrechteten Pal\u00e4stinensern. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">So, wie ihre V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter behaupteten, von den Naziverbrechen nichts gewusst zu haben, so wollen sie von der politischen Realit\u00e4t im Nahen Osten nichts wissen und die Verbrechen dort nicht zur Kenntnis nehmen. (Nicht un\u00e4hnlich dem Verhalten der Bev\u00f6lkerungsmehrheit beim KPD-Verbot 1956 und beim Radikalenerlass 1972.) Was sich in Israel und Pal\u00e4stina t\u00e4glich abspielt, entlastet von der eigenen historischen Schuld. Deshalb wird auch jeder Vergleich bereits im Ansatz als &#8222;antisemitisch&#8220; abgeblockt, und zwar sowohl aus deutscher als auch mehrheitlich aus israelischer und j\u00fcdischer Sicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ein solcher Vergleich, der durchaus keine Gleichsetzung bedeutet, gilt als schwerer Regelversto\u00df, weil er die verbrecherische Politik der Nazi-Vergangenheit und ihrer Folgen vor Augen f\u00fchren w\u00fcrde. Die Sprachregelung und Begriffsakrobatik in Sachen Antisemitismus hilft den angeblichen Freunden Israels dar\u00fcber hinweg, aus &#8222;Unf\u00e4higkeit zu trauern&#8220; (Alexander und Margarete Mitscherlich) nicht in der Lage zu sein, sich der historischen Erfahrung des Faschismus zu stellen und der Tatsache seiner Wiederkehr zu widerstehen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><em>Rudolph Bauer<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) Bundesinnenminister de Maizi\u00e8re hat sich nach den Dezember-Demonstrationen 2017 in Berlin, ausgel\u00f6st durch die Entscheidung des US-Pr\u00e4sidenten, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen, f\u00fcr einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung ausgesprochen. 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