{"id":819,"date":"2014-07-12T08:10:31","date_gmt":"2014-07-12T08:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=819"},"modified":"2014-09-19T20:00:06","modified_gmt":"2014-09-19T18:00:06","slug":"das-verhaengnisvoll-dreieck-deutschland-israel-und-die-palaestinenser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=819","title":{"rendered":"Das verh\u00e4ngnisvoll Dreieck. Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-11-strohmeyer-buch_ji.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-820\" alt=\"14-07-11 strohmeyer buch_ji\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-11-strohmeyer-buch_ji-200x281.jpg\" width=\"200\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-11-strohmeyer-buch_ji-200x281.jpg 200w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-11-strohmeyer-buch_ji-213x300.jpg 213w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-11-strohmeyer-buch_ji.jpg 277w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>\u201eWer Hitler absch\u00fctteln will, muss heute die Pal\u00e4stinenser verteidigen\u201c, hat der deutsch-franz\u00f6sische Publizist Alfred Grosser geschrieben, der als Jude im \u201eDritten Reich\u201c emigrieren musste. Mit diesem Satz hat er die ganze unheilvolle Beziehung zwischen Deutschland, Israel und den Pal\u00e4stinensern geschildert. Deutschland hat unter Berufung auf die Verbrechen der Nazis an den Juden den Staat Israel von Anfang an r\u00fcckhaltlos unterst\u00fctzt \u2013 politisch, wirtschaftlich und milit\u00e4risch und tut das auch heute noch. F\u00fcr Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das deutsche \u201eStaatr\u00e4son\u201c. Israel konnte sich aber als Staat nur etablieren, weil sein Siedlerkolonialismus ein anderes Volk \u2013 die Pal\u00e4stinenser \u2013 aus ihrer Heimat vertrieb, ihr Land raubte und ihre Gesellschaft und Kultur zerst\u00f6rte. Dieser Prozess dauert bis heute an und macht eine Friedensl\u00f6sung im Nahen Osten unm\u00f6glich. Durch den bedingungslosen Beistand, den Deutschland f\u00fcr Israel leistet, unterst\u00fctzt es die aggressive und v\u00f6lkerrechtswidrige Expansions- und Besatzungspolitik dieses Staates. Es ist damit an der Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser direkt beteiligt. Da diese Politik Israels aber ohne Zukunftsperspektive ist und seine eigene Existenz gef\u00e4hrdet, droht Deutschland sich ein weiteres Mal an den Juden schuldig zu machen. Dieses Buch zeigt auf, warum eine andere Nahost-Politik unbedingt n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p><strong>Arn Strohmeyer: Das verh\u00e4ngnisvolle Dreieck. Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser, Gabriele Sch\u00e4fer Verlag Herne, ISBN 978-3-944487-14-4, 19,50 Euro (www.gabrieleschaeferverlag.de)<\/strong><\/p>\n<p>++++++++++++++++++<\/p>\n<p>18. September 2014<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rationalgalerie.de\/kritik\/apartheit-als-staatsraeson.html\" target=\"_blank\"><strong>Buchbesprechung<\/strong><\/a><\/p>\n<h1>Apartheid als Staatsr\u00e4son<\/h1>\n<h2>Wie der Philosemitismus die Menschenrechte ignoriert<\/h2>\n<p>Autor: U. Gellermann<br \/>\nDatum: 18. September 2014<br \/>\n&#8212;&#8211;<br \/>\nBuchtitel: Das unheilvolle Dreieck Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser<br \/>\nBuchautor: Arn Strohmeyer<br \/>\nVerlag: Gabriele Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>Gegen Judenhass hatten sie j\u00fcngst in Berlin demonstriert &#8211; die Merkels, die Gaucks und Gabriels &#8211; nicht gegen Russenhass, nicht gegen Islamhass, nicht gegen Xenophobie. Als h\u00e4tten die paar Idioten, die j\u00fcngst am Rande von Demonstrationen gegen das Schlachten in Gaza antisemitische Parolen riefen, den deutschen Staat ersch\u00fcttert und die hochrangige Image- Reparatur-Brigade aus Staat und Regierung auf den Plan gerufen. Tats\u00e4chlich gibt es nicht wenige Deutsche, die nach dem erneuten Morden in Gaza die unersch\u00fctterliche Solidarit\u00e4t mit Israel in Frage stellen. Was das mit Antisemitismus zu tun haben soll, auch wenn es immer wieder und gern behauptet wird, bleibt ein R\u00e4tsel. Der Autor Arn Strohmeyer hat sich mit seinem Buch &#8222;Das unheilvolle Dreieck &#8211; Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser&#8220; genau dieser Frage gewidmet und sie gewissenhaft, kenntnisreich und anst\u00e4ndig beantwortet.<\/p>\n<p>Strohmeyer erinnert daran, dass die Pal\u00e4stinenser die deutsche Zeche zahlen, das es ihr Land ist, das man den Israelis nicht zuletzt deshalb zugesprochen hat, weil die Deutschen einen millionenfachen Mord an Juden ver\u00fcbt hatten, und der alte zionistische Siedlungsplan so einen moralischen Schub bekam, der zumindest in Deutschland bis heute anh\u00e4lt. Weil diversen israelischen Regierungen die alten Grenzen aus der Zeit vor 1967 nicht ausreichten, Grenzen die international weitgehend akzeptiert wurden, wollen sie bis heute die realen staatlichen Grenzen Israels nicht festlegen: Es gibt ja noch jede Menge Quadratkilometer im Westjordanland, die nicht von israelischen Siedlern besetzt sind und die, nach dem sonderbaren, biblisch verbr\u00e4mten Glauben einer israelischen Mehrheit eigentlich ihnen geh\u00f6ren. Man ist in Tel Aviv f\u00fcr neue Grenz-Ziehungen immer offen.<\/p>\n<p>&#8222;Als ewiges Opfer des Holocaust erkl\u00e4rt sich der j\u00fcdische Staat f\u00fcr berechtigt wann und wo auch immer Gewalt anzuwenden&#8220;, schreibt Strohmeyer &#8222;denn es handelt sich dabei in seinen Augen immer um Selbstverteidigung.&#8220; Dann zitiert er den israelischen Anthropologen Jeff Halper, der achtzehn arabische Friedensangebote aufz\u00e4hlt, die alle von Israel abgelehnt wurden. &#8222;Das letzte 2002, in dem die arabischen Staaten Israel die volle Anerkennung anboten, wenn es im Gegenzug das Westjordanland und den Gazastreifen f\u00fcr die Schaffung eines Pal\u00e4stinenserstaates freigeben w\u00fcrde.&#8220; Strohmeyer zitiert viele und h\u00e4ufig israelische Stimmen. Das liegt sicher daran, dass die israelischen Kritiker ihr Land und seine fatale Lage am besten kennen. Aber es mag auch daran liegen, dass sich insbesondere deutsche Israel-Kritiker gern den Antisemitismus-Vorwurf zuziehen, ein Vorwurf der einen schneller zum Paria macht als man Zentralrat der Juden in Deutschland buchstabiert kann.<\/p>\n<p>Denn nach dem langen, gro\u00dfen deutschen Schweigen \u00fcber den Mord an den europ\u00e4ischen Juden wendeten nicht wenige Deutsche ihren &#8222;angelernten Antisemitismus&#8220; zum &#8222;angelernten Philosemitismus&#8220; (G\u00fcnter Grass) und versuchten der fraglosen Schuld und Verantwortung dadurch zu entgehen, dass man aus der Haut der T\u00e4ter in die Haut der Opfer kroch. Durch einen schamlosen Beifall im israelischen Sechstagekrieg zum Beispiel, den die damalige BILD-Zeitungs-Schlagzeile zum &#8222;Blitzkrieg&#8220; veredelte, als seien die Deutschen endlich gemeinsam mit den Truppen Israels unterwegs. Die Opfer der Opfer, die Pal\u00e4stinenser, existierten lange Zeit in Deutschland nur unter dem Begriff des Terrorismus. Bis heute wird ihr Anspruch auf ein Leben ohne Mauern, ohne das israelische Apartheidsregime und ohne den t\u00e4glichen Terror der israelischen Armee in den besetzten Gebieten von den Deutschen nicht gleichermassen anerkannt wie der Anspruch Israels auf eine sichere Existenz.<\/p>\n<p>Die &#8222;Sicherheit Israels auf dem Hintergrund der deutschen Geschichte (ist) Teil der deutschen Staatsr\u00e4son und nicht verhandelbar&#8220; verk\u00fcndete Angela Merkel. Der israelische Historiker Tom Segev kommentierte die Merkel so: &#8222;Das h\u00f6rt sich dann an, als w\u00e4re es von der Internetseite des israelischen Ausw\u00e4rtigen Amtes abgelesen.&#8220; Doch das Lachen kann einem im Halse stecken bleiben wenn man bedenkt, dass sich Deutschland entlang der Merkel-R\u00e4son zum Komplizen der aggressiven israelischen Milit\u00e4r- und Au\u00dfenpolitik macht. Das argumentiert Strohmeyer nachdr\u00fccklich am Beispiel jener deutschen U-Boote, die der israelischen Milit\u00e4rmaschine eine atomare Zweitschlags-Kapazit\u00e4t erm\u00f6glicht und so einen Krieg mit dem Iran denkbar macht. Den Politologen Mohssen Massarrat zitiert der Autor mit einem weisen Satz, der einen g\u00fcltigen Schlusspunkt setzt: &#8222;Ein berechtigtes Sicherheitsbed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung Israels wird aber nicht durch nukleare Erst- und Zweitschlagskapazit\u00e4t und eine Sicherheitspolitik gegen die Staaten im Mittlern und Nahen Osten, sondern durch eine Sicherheitspolitik hergestellt, die mit diesen Staaten gemeinsam aufgebaut wird.&#8220;<\/p>\n<p>++++++++++++++++++++<\/p>\n<p>18. September 2014<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.palaestina-portal.eu\/Stimmen_deutsch\/Drost-Ekkehart-Rezension-Das-unheilvolle-Dreieck.htm\" target=\"_blank\"><strong>Buchbesprechung<\/strong><\/a><\/p>\n<h2>Rezension\u00a0 \u201eDas unheilvolle Dreieck. Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser.<br \/>\nPl\u00e4doyer f\u00fcr eine andere Nahostpolitik\u201c von Arn Strohmeyer<\/h2>\n<p>Ekkehart Drost<\/p>\n<p>Der Bremer Journalist Arn Strohmeyer hat ein neues, drittes\u00a0 Buch vorgelegt. In \u201eVolk ohne Hoffnung\u201c beschreibt er das\u00a0 Leben der Pal\u00e4stinenser hinter der Mauer. \u201eWer rettet Israel?\u201c fragte er 2012. Auf der Grundlage der Geschichte Israels, so wie sie von den Neuen Historikern geschrieben wurde, betrachtete er darin den Ist-Zustand der israelischen Politik, deren Ziel es war und ist, Erez Israel zu schaffen, um dann zu fragen, ob\u00a0 Israel mit der Fortf\u00fchrung einer solchen Politik der \u00dcberheblichkeit und Selbstisolierung \u00fcberleben k\u00f6nne. \u201eDeutschland und Israel\u201c ist sein letztes Kapitel \u00fcberschrieben, in dem er die Unterst\u00fctzung der israelischen Politik des Landraubs, der unz\u00e4hligen und allt\u00e4glichen Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe durch die deutschen Regierungen belegt.<\/p>\n<p>Sein neues Buch \u201eDas unheilvolle Dreieck. Deutschland, Israel und die Pal\u00e4stinenser. Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine andere Nahostpolitik\u201c\u00a0 ist ein \u00fcberzeugender Appell an alle Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirchen, endlich die Pal\u00e4stinenser als das zu betrachten, was sie sp\u00e4testens seit 1967, eher noch seit 1948, tats\u00e4chlich sind: Die Opfer der Opfer. \u201eWer Hitler absch\u00fctteln will, muss heute die Pal\u00e4stinenser verteidigen.\u201c zitiert Strohmeyer am Anfang seines Buches den Friedenspreistr\u00e4ger des Deutschen Buchhandels, Alfred Grosser.<\/p>\n<p>Nicht einmal Spurenelemente dieser Aufforderung fanden sich in den Reden bei der Berliner Kundgebung gegen Antisemitismus vom 14.9.2014. Im Gegenteil: Betrachtet man das Plakat, auf dem zu dieser Veranstaltung aufgerufen wurde, so stehen Davidstern und die israelische Flagge nebeneinander.\u00a0 Diese Montage beschw\u00f6rt geradezu eine Gleichsetzung, \u00fcber die der Autor auf Seite 79 schreibt: \u201eAus der Gleichsetzung von Juden, Zionisten und Israel folgt (&#8230;) die Gleichsetzung von Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik.\u201c\u00a0 Das Leid der Pal\u00e4stinenser wurde weder bei diesem aktuellen Anlass \u2013 Repr\u00e4sentanten der muslimischen Gemeinden in Deutschland sa\u00dfen zwar auf der G\u00e4ste-Trib\u00fcne, hatten aber kein Rederecht \u2013 noch beim j\u00fcngsten Massaker im Gazakrieg 2014\u00a0 durch die Bundesregierung thematisiert. In einem Interview mit dem DLF bezeichnete der Nahostexperte Michael L\u00fcders dieses Schweigen als \u201eeine Schande f\u00fcr Deutschland\u201c.<\/p>\n<p>Strohmeyers Verdienst ist es, akribisch nachgewiesen zu haben, dass die moralisch-ethischen Schlussfolgerungen aus dem Holocaust \u201edie Politiker der nachfolgenden Generationen kaum tangieren\u201c, diese ihrer Verantwortung auch f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser und deren Existenzrecht und Selbstbestimmung niemals gerecht wurden. Der Autor verweist auf eine Vielzahl j\u00fcdisch-israelischer Intellektueller, Politiker und Historiker, u.a. Ilan Pappe, Simcha Flapan, Shlomo Sand, Moshe Zimmermann und Moshe Zuckermann, Avraham Burg, Gideon Levy, Amira Hass, Aktivisten wie Reuven Moskovitz und Jeff Halper, um nur die bei uns bekanntesten zu nennen, die \u201eder destruktiven Politik ihres Staates entgegentreten\u201c. Sie fordern Deutschland und die deutsche Politik mit deutlichen Worten auf, die Realit\u00e4t im Nahen Osten zur Kenntnis zu nehmen. Dazu m\u00fcsse der Druck auf Israel verst\u00e4rkt und aus humanistischer Gesinnung heraus das Schweigen gegen\u00fcber den israelischen Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfen beendet werden.<\/p>\n<p>In einem l\u00e4ngeren Kapitel widmet sich Strohmeyer dem Antisemitismus-Argument, mit dem Israel-Kritik hierzulande diffamiert wird. Er zitiert die Kernaussagen von Elie Wiesel, dem f\u00fchrenden Apologeten einer \u201eSakralisierung des Holocaust\u201c und entlarvt mit dem amerikanisch-j\u00fcdischen Historiker Peter Novick diese Strategie, die zu einem v\u00f6llig verstellten Bild der historischen und politischen Realit\u00e4t im Nahen Osten f\u00fchre, \u201eweil es die wirklichen Ursachen des Pal\u00e4stina-Konfliktes verdr\u00e4nge\u201c. Strohmeyer l\u00e4sst in diesem Kapitel schlie\u00dflich Ilan Pappe zu Wort kommen, der sich vehement gegen die Vereinnahmung des Holocaust durch die israelische Regierung wendet, wenn diese ihre Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser mit dem an ihnen begangenen Verbrechen zu rechtfertigen sucht. Eine befreiende Wirkung im Kampf gegen diese Strategie sieht Pappe in der internationalen Boykottbewegung BDS, der inzwischen auch viele Juden \u201edurch ihre Achtung vor dem historischen j\u00fcdisch-christlichem Erbe\u201c angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Als \u201eAntwort auf den Antisemitismus\u201c geht Strohmeyer auf Deutschlands Weg zum Philosemitismus ein. Diesen Weg haben Politik, Geschichtswissenschaft und Kirchen bereits in der Nachkriegszeit eingeschlagen, ein Weg, der auch dazu angelegt war, zur \u201eEntsorgung der deutschen Vergangenheit\u201c beizutragen, wie der Autor unter Verweis auf Historiker wie Eberhard J\u00e4ckel und Hans Ulrich Wehler schreibt. Unter Berufung auf den Holocaust wurde nach 1989 immer st\u00e4rker Partei auf der weltpolitischen B\u00fchne ergriffen. Erw\u00e4hnt sei hier beispielhaft Joschka Fischers Begr\u00fcndung eines \u201eEngagements\u201c im Bosnien-Krieg, \u201eunter v\u00f6lliger Missachtung des aus dem Holocaust zu ziehenden moralischen Anspruchs\u201c, wie A.S. feststellt.<\/p>\n<p>Bis heute, so Strohmeyer, habe dieser Philosemitismus die deutsche Politik in ihrem Verh\u00e4ltnis zu Israel beherrscht, was besonders in Angela Merkels Knesset-Rede\u00a0 (Israels Sicherheit als deutsche Staatsraison) zum Ausdruck kommt. Der Autor konstatiert: \u201eDer Philosemitismus als verfestigter politischer Stil erstarrt zum inhaltsleeren Ritual, das ein wirklich angemessenes Erinnern des Ungeheuren unm\u00f6glich macht. Und er verhindert die wirklichkeitsnahe Kenntnisnahme der politischen Fakten und ein entsprechendes Reagieren, wof\u00fcr die deutsche Nahost-Politik ein \u00e4u\u00dfert beredtes Beispiel ist.\u201c<\/p>\n<p>Detailliert und mit zahlreichen Belegen \u2013 eine Feststellung, die durchg\u00e4ngig f\u00fcr das gesamte Buch gilt &#8211; wird \u00fcber die Geschichte der deutschen Waffenlieferungen an Israel und die R\u00fcstungskooperation zwischen beiden L\u00e4ndern informiert, eine Geschichte, die trotz der \u201eRichtlinien f\u00fcr den R\u00fcstungsexport\u201c noch nicht an ihr Ende gekommen ist. Vielleicht ist die Kritik durch den SPD-Vize Ralf Stegner an dieser Politik ein kleiner Hoffnungsschimmer. Die \u201eJ\u00fcdische Stimme f\u00fcr gerechten Frieden in Nahost\u201c hat Stegner in einem Brief vom 18.9.2014 ermuntert, bei seiner Kritik zu bleiben. Zur R\u00fcstungskooperation mit Israel stellt Strohmeyer fest: \u201eDie Leidtragenden einer solchen Politik sind vor allem die Pal\u00e4stinenser, an deren Kontrolle, Besetzung und Unterdr\u00fcckung sich Deutschland so aktiv beteiligt.\u201c (S. 104)<\/p>\n<p>An der oben erw\u00e4hnten Berliner Kundgebung nahmen auch die f\u00fchrenden Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche mit Redebeitr\u00e4gen teil. \u00dcber die Stellung der Kirchen zum Nahostkonflikt hei\u00dft es gegen Ende von Strohmeyers bemerkenswertem Buch: \u201eDie Kirchen mystifizieren und schweigen zum Unrecht.\u201c Der Autor setzt sich hier mit der \u201eNach-Auschwitz-Theologie\u201c auseinander und bezieht sich dabei im Wesentlichen auf das hervorragende Buch von Peter Bingel und Winfried Belz (\u201eIsrael Kontrovers\u201c) sowie auf den amerikanisch-j\u00fcdischen Psychotherapeuten Mark Braverman. Dem Urteil der Autoren schlie\u00dft sich Strohmeyer an, wenn sie (Bingel\/Belz) konstatieren: \u201eDie Nach-Auschwitz-Theologie ist hinsichtlich des modernen zionistisch-nationalistischen Israel mit seinem s\u00e4kularen Fundament und seiner unvertretbaren Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern v\u00f6llig blind.\u201c Ohne Entmythologisierung und Entideologisierung des Begriffs Israel und seiner Realit\u00e4t kann es keinen Frieden in der nah\u00f6stlichen Region geben.<\/p>\n<p>Arn Strohmeyer, profunder Kenner Israel-Pal\u00e4stinas, Netzwerker und Aktivist, h\u00e4ufiger Kommentator im Pal\u00e4stina-Portal, hat ein Buch geschrieben, das f\u00fcr alle Leser, die nach anspruchsvoller Lekt\u00fcre \u00fcber den Nahostkonflikt suchen, eine wahre Fundgrube ist. Aber auch denjenigen, die immer noch nicht die Ursachen dieses Konflikts zur Kenntnis nehmen (wollen), sei \u201eDas unheilvolle Dreieck\u201c zum Nachdenken empfohlen.<\/p>\n<p>Ekkehart Drost, 18. September 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer Hitler absch\u00fctteln will, muss heute die Pal\u00e4stinenser verteidigen\u201c, hat der deutsch-franz\u00f6sische Publizist Alfred Grosser geschrieben, der als Jude im \u201eDritten Reich\u201c emigrieren musste. 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