{"id":8327,"date":"2018-05-27T05:48:06","date_gmt":"2018-05-27T05:48:06","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8327"},"modified":"2018-06-26T07:35:41","modified_gmt":"2018-06-26T07:35:41","slug":"fuer-die-umsetzung-der-ziele-des-zionismus-ist-jedes-mittel-recht-tom-segevs-eindrucksvolle-ben-gurion-biographie-schildert-die-entstehung-und-fruehen-jahre-des-staates-israel-ohne-tabus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8327","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><strong>F\u00fcr die Umsetzung der Ziele des Zionismus ist jedes Mittel recht Tom Segevs eindrucksvolle Ben Gurion-Biographie schildert die Entstehung und fr\u00fchen Jahre des Staates Israel ohne Tabus. Eine Buchbesprechung von Arn Strohmeyer<\/strong><!--more--><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Der israelische Historiker Tom Segev hat \u2013 p\u00fcnktlich zur 70. Wiederkehr der Gr\u00fcndung des Staates Israel \u2013 eine Biographie \u00fcber den \u201eVater der Nation\u201c David Ben Gurion herausgebracht, <\/span><span style=\"font-size: medium;\">ein volumin\u00f6ses Werk von 800 Seiten. Segev hat schon mit fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen bewiesen, dass er keine zionistischen Tabus kennt, und das macht seine B\u00fccher so informativ und lesenswert. Die Ergebnisse seiner Recherchen sind denn auch f\u00fcr den Staat Israel wenig schmeichelhaft, und gerade deutsche Leser, die sich \u2013 wohl aus den Schuldgef\u00fchlen wegen der NS-Verbrechen an den Juden heraus \u2013 ein sehr ideales und unrealistisches Bild von diesem Staat machen, werden hier auf den Boden der harten und oft brutalen Tatsachen zur\u00fcckgeworfen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Dabei hat Segev zum Gegenstand seiner Untersuchung \u2013 eben der historischen Gestalt Ben Gurions \u2013 ein durchaus ambivalentes Verh\u00e4ltnis. Er bewundert ihn einerseits, wie er geradezu aus dem Nichts heraus \u201eseinen Staat\u201c geschaffen hat, verschweigt aber andererseits auch nicht, dass die Methoden und das Vorgehen Ben Gurions und der zionistischen Bewegung mehr als zweifelhaft waren. Man kann sie auch als \u00e4u\u00dferst skrupellos bezeichnen, denn immer das Ziel vor Augen \u2013 die Schaffung eines j\u00fcdischen Nationalstaates in einem von einem anderen Volk bewohnten Land \u2013 war buchst\u00e4blich jedes Mittel recht, zu diesem Ziel zu gelangen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist f\u00fcr den deutschen Betrachter, der diesen historischen Prozess aus der Distanz in Tom Segevs Buch miterlebt, unm\u00f6glich, die Bewunderung des Lebenswerkes dieses israelischen Politikers zu teilen. Man kann bei der Lekt\u00fcre des Buches den Zwiespalt nicht \u00fcberwinden, dass die Juden nat\u00fcrlich wie jedes andere Volk das Recht zur politischen Selbstbestimmung und zur Gr\u00fcndung eines Nationalstaates haben, dass diese Nationwerdung im Fall Israels aber nur auf einem furchtbaren Unrecht, ja einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit (der israelische Historiker Ilan Pappe) m\u00f6glich war \u2013 der Vertreibung, Enteignung und Unterdr\u00fcckung des pal\u00e4stinensischen Volkes. Und die Gewalt und das Unrecht dauern bis heute an. Dieser sch\u00e4ndliche Makel haftet dem Staat Israel an, der ihn leugnet und auch gar nicht gewillt ist, ihn mit einer Politik des Ausgleichs und der Vers\u00f6hnung zu tilgen \u2013 und Tom Segev schildert detailgenau und ausf\u00fchrlich, wie es dazu gekommen ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Schon als Kind und als J\u00fcngling in Polen war Ben Gurion ein begeisterter Anh\u00e4nger des Zionismus, st\u00e4ndig ist von seiner Sehnsucht nach \u201eErez Israel\u201c, dem \u201eLand der V\u00e4ter\u201c oder dem \u201eLand der Auferstehung\u201c die Rede, das Wort Pal\u00e4stina kommt bei ihm kaum vor, und die Menschen, die dort seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden leben (eben die Pal\u00e4stinenser) und dort ihre Heimat haben, erw\u00e4hnt er \u00fcberhaupt nicht. Es gibt sie in seiner zionistisch-kolonialistischen Sicht nicht, das Land seiner Sehnsucht ist \u2013 symbolisch gesehen, nicht in der Realit\u00e4t \u2013 offenbar \u201emenschenleer\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Schon in dieser Zeit tritt an Ben Gurion einer der markantesten Wesensz\u00fcge des Zionismus deutlich zu Tage: sein weltanschaulicher Partikularismus, der sich aus einem radikalen s\u00e4kularen j\u00fcdischen Nationalismus n\u00e4hrt und jeden Universalismus (also die Anerkennung von Menschenrechten und V\u00f6lkerrecht) vehement ablehnt. Eine Haltung, die die israelische Politik bis heute pr\u00e4gt. Ben Gurion war geradezu besessen von der zionistischen Idee, ihr hatte sich Zeit seines Lebens alles Andere unterzuordnen, auch der Sozialismus, er war ja schlie\u00dflich der F\u00fchrer einer Arbeiterpartei. Aus dieser Besessenheit resultierte alles: der Wille, ganz Pal\u00e4stina sowie Land dar\u00fcber hinaus \u2013 etwa Transjordanien (das heutige Jordanien), Teile des Libanon sowie die Sinai-Halbinsel mit milit\u00e4rischer Gewalt in zionistischen Besitz zu bringen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">An territoriale Kompromisse mit den Pal\u00e4stinensern oder den arabischen Nachbarstaaten war dabei nicht gedacht. Die Verachtung der Araber war und ist zu gro\u00df, um mit ihnen auf Augenh\u00f6he gleichberechtigte Verhandlungen zu f\u00fchren, man f\u00fchlt sich ihnen gegen\u00fcber auf einer h\u00f6heren Kulturstufe. Schloss man Abkommen mit ihnen oder mit der damaligen Mandatsmacht Gro\u00dfbritannien, waren das immer nur \u201eZwischenstufen\u201c, das Endziel \u2013 die Herrschaft \u00fcber das ganz \u201eErez Israel\u201c \u2013 verlor Ben Gurion dabei nie aus den Augen. Den Anspruch auf das ganze Land leiteten der nicht-gl\u00e4ubige Zionistenf\u00fchrer und seine s\u00e4kulare Bewegung aus dem biblischen \u201eWort Gottes\u201c ab, der den Juden das Land \u201egeschenkt\u201c habe. Dass es nach 2000 Jahren keinen Anspruch mehr auf irgendetwas geben kann und dass die Mythen und Legenden des Alten Testaments v\u00f6lkerrechtlich f\u00fcr die Gegenwart ohne Bedeutung sind, solche Argumente haben f\u00fcr den Zionismus keinerlei Bedeutung \u2013 genauso wie der v\u00f6lkerrechtlich verb\u00fcrgte Anspruch der Pal\u00e4stinenser auf Selbstbestimmung und Souver\u00e4nit\u00e4t. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Pal\u00e4stina ist in den Augen der Zionisten das \u201eHeimatland\u201c, und das Recht auf \u201eR\u00fcckkehr\u201c dorthin ist das oberste und unfehlbare zionistische Dogma. Genau dieser Anspruch auf das arabische Pal\u00e4stina und die sich daraus ergebenden siedlerkolonialistischen Konsequenzen machen bis heute den Kern des Nahost-Konfliktes aus, und Ben Gurion tr\u00e4gt als \u201eVater der Nation\u201c ma\u00dfgeblich die Verantwortung f\u00fcr diese offenbar unl\u00f6sbare Konfrontation. Dass der Preis f\u00fcr das zionistische Unternehmen unendlich hoch war und ist \u2013 j\u00fcdische wie arabische Menschenleben \u2013 spielte keine Rolle, wenn man dem geheiligten Ziel der Schaffung eines j\u00fcdischen Staates nur ein St\u00fcck n\u00e4herkam. Ben Gurion hatte kein Problem damit, ganz im Gegenteil. Selbst als der Zweite Weltkrieg und der Holocaust in Europa in vollem Gange waren, dachte er nur daran, wie er f\u00fcr seine zionistischen Ziele Vorteile daraus ziehen konnte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Ben Gurions Biographie und damit auch die Geschichte des Zionismus haben viele dunkle Kapitel, was auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass das zionistische Aufbauwerk absolute Priorit\u00e4t genoss, und alle anderen Themen dahinter zur\u00fcckzustehen hatten. Das zeigte sich schon nach dem Machtantritt der Nazis 1933, als der j\u00fcdische Fl\u00fcchtlingsstrom nach Pal\u00e4stina immer mehr anschwoll. Die Zionisten, die dringend Menschen f\u00fcr ihr Aufbauwerk brauchten, trafen aber eine darwinistisch anmutende Auswahl, wer kommen durfte und wer nicht. Man \u201eselektierte\u201c das \u201eMenschenmaterial\u201c, wollte nur junge kr\u00e4ftige Juden und J\u00fcdinnen haben, keine Alten und Kranken, die man sogar wieder zur\u00fcckschickte. Ben Gurion begr\u00fcndete das so: \u201eErez Israel braucht heute keine blo\u00dfen Immigranten, sondern Pioniere, und der Unterschied ist einfach: Der Immigrant kommt, um sich etwas vom Land zu holen, der Pionier kommt, um dem Land etwas zu geben.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Tom Segev war schon in seinem Buch \u201eDie siebte Million\u201c (damit sind die \u00dcberlebenden des Holocaust gemeint) ausf\u00fchrlich auf das Thema Judenvernichtung und Zionismus eingegangen. Vermutlich deshalb behandelt er dieses Thema in seiner Ben Gurion-Biographie nur kurz. Aber festzuhalten bleibt: Der Holocaust war in der vorstaatlichen zionistischen Gesellschaft fast nur eine Randbegebenheit. Man nahm ihn nat\u00fcrlich wahr und verfolgte auch die Nachrichten, die aus Europa kamen, zeigte aber kaum gr\u00f6\u00dferes Interesse f\u00fcr das schreckliche Geschehen in den NS-Vernichtungslagern und unternahm kaum etwas zur Rettung der bedrohten Juden. In den Zeitungen waren die Sportmeldungen oft wichtiger und besser platziert als die Vorg\u00e4nge in Auschwitz, Maidanek und Treblinka. Das zionistische Aufbauwerk in \u201eErez Israel\u201c hatte eben immer Vorrang.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Ben Gurions Reden in dieser Zeit belegen, dass die Rettung der bedrohten Juden in Europa nicht im Mittelpunkt seiner politischen Aktivit\u00e4ten stand. Seine Erkl\u00e4rungen und Aufrufe zur Rettung der Juden waren eher rhetorischer Natur, immer wieder erkl\u00e4rte er, dass nichts \u00fcber die Rettung des hebr\u00e4ischen Volkes gehe, er f\u00fchlte sich aber zu machtlos und schwach, um in dieser Sache etwas unternehmen zu k\u00f6nnen. Ber\u00fchmt geworden ist seine \u00c4u\u00dferung \u00fcber die Rettung von j\u00fcdischen Kindern aus Deutschland: \u201eDie Forderung, Kinder aus Deutschland ins Land zu holen, entspringt bei uns nicht nur dem Mitgef\u00fchl mit diesen Kindern. Wenn ich w\u00fcsste, dass man alle Kinder Deutschlands durch ihre Verbringung nach England retten k\u00f6nnte und nur die H\u00e4lfte durch ihre Verbringung nach Erez Israel, w\u00fcrde ich das Zweite w\u00e4hlen, denn wir haben nicht nur diese Kinder in Rechnung zu ziehen, sondern die Geschichte des Volkes Israel.\u201c In einem Papier der zionistischen Rettungskommission hie\u00df es: M\u00fcsse man w\u00e4hlen zwischen zehntausend Menschen, die dem Land und der Wiedergeburt des Volkes nutzen k\u00f6nnten, und einer Million Juden, die nur zur Last fallen w\u00fcrden, habe man die Zehntausend zu retten, trotz aller Vorw\u00fcrfe und Bitten von Seiten der Million.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Schuld f\u00fcr den Holocaust gab Ben Gurion nicht in erster Linie den Nazis, sondern den Juden der Diaspora selbst, denn sie seien in ihren Heimatl\u00e4ndern geblieben. W\u00e4ren sie fr\u00fch genug nach Pal\u00e4stina gekommen, w\u00e4re ein j\u00fcdischer Staat schon in der 30er Jahren entstanden und Millionen w\u00e4ren gerettet worden. An dieser Stelle spricht Segev von einer \u201eabwegigen Argumentation\u201c, denn Ben Gurion h\u00e4tte keine faktisch fundierte Grundlage f\u00fcr die Behauptung, dass Pal\u00e4stina bis zum Ende des Krieges die Mehrheit dieser Millionen (sp\u00e4ter ermordeten) Juden h\u00e4tte aufnehmen k\u00f6nnen. Zudem: Diese j\u00fcdischen Menschen waren keineswegs alle Zionisten, und niemand kann deshalb behaupten, dass sie willens und bereit waren, nach Pal\u00e4stina auszuwandern.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Da Ben Gurion die ganze Welt nur nach dem Ma\u00dfstab des Nutzens oder Schadens f\u00fcr den Zionismus sah, konnte er sogar dem Aufstieg der Nazis und Hitlers durchaus Positives abgewinnen. Er schrieb: \u201eHitler hat den Hebel geliefert. Die Sache der deutschen Juden kann zweifellos sowohl politisch wie finanziell als m\u00e4chtiger Hebel zur Hebung des zionistischen Aufbauwerkes dienen.\u201c Dies ist ein guter Beleg daf\u00fcr, wie Antisemitismus und Zionismus zusammenh\u00e4ngen und sich gegenseitig erg\u00e4nzen. Hier irrte Ben Gurion allerdings gr\u00fcndlich, sp\u00e4ter bezeichnete er den Nationalsozialismus und den Holocaust als \u201eKatastrophe f\u00fcr den Zionismus\u201c, ja als Verbrechen speziell gegen den Staat Israel (den es noch gar nicht gab), weil Hitler dem Staat Israel schwer geschadet habe. Denn die europ\u00e4ischen Juden w\u00e4ren als einzige f\u00e4hig und in der Lage gewesen, den Staat aufzubauen. In dieser Aussage steckt auch eine scharfe Kritik an den orientalischen Juden, die dann als Ersatz ins Land geholt wurden, die aber als \u201eprimitiv\u201c und unzivilisiert galten und auch heute noch in Israel diskriminiert werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Da das zionistische Aufbauwerk immer im Zentrum von Ben Gurions Denken stand, kann es nicht verwundern, dass er auch den Holocaust f\u00fcr seine Zwecke instrumentalisierte. Schon zu Beginn der 40er Jahre, als die Judenvernichtung noch in vollem Gange war, meldete er Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche f\u00fcr die Ermordeten an. Sp\u00e4ter reklamierte er das Monopol auf den \u201eOpfervertretungsanspruch\u201c f\u00fcr den Zionismus, das hei\u00dft Israel wollte politisch und ideologisch anerkannt wissen, dass es alle Opfer des Holocaust vertreten k\u00f6nne. Trotz des minimalen Interesses der Zionisten am Holocaust und trotz der minimalen Versuche, bedrohte Juden zu retten, leitete Ben Gurion auch den Anspruch auf das arabische Land Pal\u00e4stina aus dem Mega-Verbrechen der Nazis ab. Denn diese Katastrophe lie\u00df f\u00fcr ihn nur einen Schluss zu: \u201eDie Stunde ist reif f\u00fcr die historische Forderung des Volkes Israel \u2013 die Gr\u00fcndung eines j\u00fcdischen Staates.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Man muss an dieser Stelle den Pal\u00e4stinenser Edward Said zu Wort kommen lassen, der dieser Instrumentalisierung des Massenmordes an den Juden zur Schaffung eines j\u00fcdischen Staates ganz entschieden widersprach: \u201eWir [die Pal\u00e4stinenser] wohnten in einem Land, das Pal\u00e4stina hie\u00df; waren unsere Verluste und unsere Enteignung [durch die Zionisten] \u2013 in deren Verlauf nahezu eine Million Menschen Pal\u00e4stina verlassen musste und unser Gesellschaftszusammenhang aufgel\u00f6st wurde \u2013 auch dann gerechtfertigt, wenn es um die Rettung der europ\u00e4ischen Juden ging, die dem Nationalsozialismus entkommen konnten? Auf Grund welcher moralischen und politischen Norm wird von uns erwartet, dass wir unser Anrecht auf unsere nationale Existenz, unsere Forderungen nach Land und der Einl\u00f6sung der Menschenrechte beiseite fegen? In was f\u00fcr einer Welt leben wir denn, in der die Argumente schweigen und einem ganzen Volk weisgemacht werden soll, dass es juristisch nicht existent sei, wobei aber gleichzeitig Armeen gegen eben dieses Volk ins Feld gef\u00fchrt, Kampagnen gegen seine Namensgebung initiiert und historische Fakten derart manipuliert werden, dass seine vermeintliche weltgeschichtliche Abwesenheit \u201abewiesen\u2018 ist?\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Gerichtsprozess gegen Adolf Eichmann gingen f\u00fcr Ben Gurion \u00fcber die Bestrafung dieses Massenm\u00f6rders hinaus und waren eine Instrumentalisierung des Holocaust. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Holocaust im Diskurs der israelischen Gesellschaft kaum eine Rolle gespielt. Tom Segev merkt zu diesem Punkt an: \u201eDie Welle der Krawalle [orientalischer Juden gegen ihre Diskriminierung in Israel zu dieser Zeit] best\u00e4rkte Ben Gurion in seiner Erkenntnis, dass man die Israelis durch eine formative, ergreifende und auch emotional verbindende Erfahrung um eine gemeinsame Katastrophe und die daraus zu ziehenden Lehren f\u00fcr die Nation einigen m\u00fcsse. Abgesehen von der Wirkung auf die israelische Gesellschaft sollte der Holocaust-Prozess auch zur Rechtfertigung des Zionismus und zur St\u00e4rkung Israels in der Welt beitragen.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Auch die Behandlung der \u00dcberlebenden des Holocaust war kein Ruhmesblatt f\u00fcr den Zionismus. Israel wollte keineswegs alle diese heimatlosen und geschundenen Menschen, die in Deutschland in den DP-Lagern [Displaced Persons] sa\u00dfen, aufnehmen, sondern wieder nur das \u201eMenschenmaterial\u201c, das dem zionistischen Ideal des Pioniers (des \u201estarken und wehrhaften \u201eneuen Juden\u201c) entsprach und politisch auf zionistischer Linie lag. Wieder wurde \u201eselektiert\u201c, und die \u00dcberlebenden, die einwandern durften, waren dann diskriminierte Au\u00dfenseiter in der israelischen Gesellschaft, die nicht einmal die vollst\u00e4ndigen Betr\u00e4ge aus den Entsch\u00e4digungszahlungen bekamen, die ihnen zustanden. Man warf ihnen vor, sich nicht gegen ihre Ermordung gewehrt zu haben und sich \u201ewie Schafe zur Schlachtbank\u201c h\u00e4tten f\u00fchren lassen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">In Israel tobte zu Beginn der 50er Jahre ein erbitterter Streit um die deutschen Wiedergutmachungszahlungen. Ein Gro\u00dfteil der israelischen Politiker (vor allem im rechten Spektrum) lehnte diese Zahlungen ab, Kontakt zu Deutschland galt als Vergehen an den Opfern des Holocaust, an der Ehre des j\u00fcdischen Volkes und am Staat Israel. Ben Gurion verteidigte die Zahlungen mit Vehemenz. Auch hier standen f\u00fcr ihn wieder der Nutzen und die Vorteile des zionistischen Projekts im Vordergrund seiner Argumentation, denn \u201eGeld stinkt nicht!\u201c pflegte er zu sagen. Au\u00dferdem f\u00fchrte er das Sicherheitsargument an, mit der deutschen Hilfe k\u00f6nne Israel seine milit\u00e4rische St\u00e4rke ausbauen. Auch hier instrumentalisierte er wieder den Holocaust: \u201eWir wollen nicht, dass arabische Nazis kommen und uns abschlachten!\u201c Auf der anderen Seite neigte er dazu, den Holocaust zu verdr\u00e4ngen: \u201eNicht dass wir die Trag\u00f6die und ihre Gefahr weniger achten, aber wir befassen uns nicht angespannt mit den Dingen, die \u201auns passiert sind\u2018, sondern mit den Dingen, die wir zu tun haben. (\u2026) Mir steht die ferne Vergangenheit, als wir in unserem Land lebten [er meint hier die Antike] n\u00e4her als die nahe Vergangenheit.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Nicht nur der Streit um die deutschen Entsch\u00e4digungszahlungen wurde in Israel \u00e4u\u00dferst erbittert gef\u00fchrt. Wer zu der verschw\u00f6rungstheoretischen, antisemitischen These neigt, Juden seien sich immer einig und hielten stets zusammen, wird in Tom Segevs Buch eines Besseren belehrt. Schon in der vorstaatlichen zionistischen Gesellschaft ging es in den politischen Debatten drunter und dr\u00fcber. Da wurde mit politischen und ideologischen Positionen, mit Tricks und Intrigen, Diffamierungen und Verleumdungen um Posten, Macht und Einfluss gek\u00e4mpft, dass die Fetzen nur so flogen. Aber auch im internationalen Judentum ging es hoch her. So kam es 1942, um nur ein Beispiel zu nennen, zum Zerw\u00fcrfnis zwischen den beiden wichtigsten zionistischen F\u00fchrern Ben Gurion und Chaim Weizmann, der erste war damals Chef der Jewish Agency (der vorstaatlichen Regierung) und der zweite Pr\u00e4sident der Zionistischen Weltorganisation. Es ging in dem Streit um die Aufstellung einer j\u00fcdischen Armee mit britischer Hilfe. Ben Gurion bef\u00fcrwortete das Projekt, Weizmann war zur\u00fcckhaltender. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Bei einem Treffen am 27. Juni 1942, an dem auch andere hochrangige Zionistenf\u00fchrer teilnahmen, beschuldigte Weizmann Ben Gurion, \u201epolitischen Mord an ihm begehen zu wollen\u201c und nannte ihn einen \u201eFaschisten\u201c. Au\u00dferdem warf er ihm vor, \u201emoralisch verk\u00fcmmert zu sein\u201c. Dann spielte sich folgender \u201eDialog\u201c ab: \u201eBen Gurion: \u201aH\u00e4tten wir einen Staat, m\u00fcssten wir Sie erschie\u00dfen. Sie sind ein Verr\u00e4ter!\u2018 Weizmann antwortete: \u201aUnd h\u00e4tten wir eine Polizei im Staat, m\u00fcssten wir Sie ins Irrenhaus schicken!\u2018\u201c Tom Segev kommentiert diese Szene: \u201eBeide meinten das w\u00f6rtlich, und es war nicht Weizmanns schlimmste Aussage. Er verglich Ben Gurions Vorw\u00fcrfe mit den falschen Anschuldigungen, die Hitler und Mussolini benutzten, ehe sie ihre Feinde bei einer \u201aS\u00e4uberung\u2018 liquidierten.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Da \u00e4hnliche Konflikte und Streitereien zwischen zionistischen F\u00fchrern an der Tagesordnung waren, kann man daraus ersehen, wie schwer und steinig Ben Gurions Weg an die Spitze war. Er marschierte keineswegs charismatisch in die h\u00f6chsten Positionen durch, sondern musste immer wieder schwere Niederlagen hinnehmen, die ihn zu permanenten R\u00fccktritten veranlassten. Das letzte personelle Drama spielte sich zwischen ihm und Levi Eschkol [seinem Nachfolger im Ministerpr\u00e4sidentenamt] ab. \u00dcber ihn schrieb er: \u201eSolange Eschkol Regierungschef ist, werden wir in den Abgrund schlittern.\u201c Er \u00fcbersch\u00fcttete ihn mit Schimpf und Schande, warf ihm L\u00fcgen, Korruption und Dummheit vor. Als Eschkol starb, weigerte er sich, an dem Staatsbegr\u00e4bnis f\u00fcr ihn teilzunehmen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Einig war man sich aber in dem Hauptziel des Zionismus, das man auf die Formel bringen kann: ein Maximum an Land ohne Pal\u00e4stinenser. Geographisch formulierte Ben Gurion Segev zufolge die Grenzen dieses Zieles so: \u201eIm Norden schlossen sie das Hermon-Gebirge, den Fluss Litani, die Quellen des Jarmuk und die Stadt Sidon ein. Die Ostgrenze reichte weit \u00fcber den Jordan hinaus, schloss den Hauran [eine Landschaft im S\u00fcdwesten Syriens, die sich nach S\u00fcden bis an die jordanische Grenze erstreckt], war aber in der \u00f6stlichen W\u00fcste nicht pr\u00e4zise eingezeichnet in der Annahme, dieses Gebiet werde in dem Ma\u00dfe wachsen oder schrumpfen, in dem \u201adie nationale Heimst\u00e4tte\u2018 die W\u00fcste w\u00fcrde erobern k\u00f6nnen. Im S\u00fcden verlief die Grenze zwischen El Arisch und Eilat. Das war die Landkarte des zionistischen Traums, ein Kompromiss zwischen Gro\u00df- und Klein-Pal\u00e4stina\u2018, wie Ben Gurion sagte.\u201c Immer wieder schwebte ihm auch die Aufteilung Jordaniens zwischen Israel und dem Irak vor. Die Zionisten ma\u00dften sich also sehr fr\u00fch an, den Nahen Osten nach ihren Vorstellungen \u201eneu zu ordnen\u201c \u2013 ein Thema. Das bis heute allerh\u00f6chste Aktualit\u00e4t hat. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Da es klar war, dass die Araber ihr Land und ihre Heimat nicht freiwillig aufgeben w\u00fcrden, war der Zionismus von Anfang an auf gewaltsame Eroberung f\u00fcr sein siedlerkolonialistisches Projekt ausgerichtet. Dazu kam eine tiefe Verachtung der Araber, die man nur rassistisch nennen kann. Araber waren f\u00fcr Ben Gurion Menschen einer \u201eminderen Stufe\u201c, weshalb er auch Mischehen zwischen Juden und Araber vehement ablehnte. Immer wieder verglichen die Zionisten die Araber mit \u201eNegern\u201c, ja die Araber seien den \u201eNegern\u201c kulturell noch weit unterlegen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Es verwundert deshalb nicht, dass man diese Menschen loswerden wollte. Ben Gurion war denn auch der ma\u00dfgebliche Initiator der ethnischen S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas, die die Araber die Nakba (die Katastrophe) nennen. Tom Segev schildert Ben Gurions Position zu dieser Vertreibungsaktion so: \u201eEr war v\u00f6llig einverstanden mit der Vertreibung der Araber \u2013 zwischen 500 000 und 600 000 seiner Sch\u00e4tzung zufolge, an die 700 000 nach anderer Berechnung. Das war der Preis der j\u00fcdischen Unabh\u00e4ngigkeit in \u201aErez Israel, einem \u201azuvor besetzten Land\u2018, wie er sagte. \u201aKrieg ist Krieg\u2018, meinte er. Seine Kollegen unterst\u00fctzen ihn darin. Einer bezeichnete den Abzug der Araber als ein himmlisches Wunder, ein anderer schw\u00e4rmte sogar, die Landschaft ringsum sei viel sch\u00f6ner ohne sie, und Lavi [ein f\u00fchrender zionistischer Politiker] sagte: \u201aDer Transfer von Arabern aus dem Land ist meines Erachtens eines der gerechten, moralischen und richtigen Dinge, die zu tun sind.\u2018 (\u2026) Ben Gurion stimmte mit seinem Freund Ben Zwi \u00fcberein, der \u00fcber die Zahl der in Israel verbliebenen Araber, an die 100 000, besorgt war und erkl\u00e4rte: \u201aEs gibt zu viele Araber im Land.\u2018\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Plan Dalet (D), der mit der Strategie der \u201eaggressiven Verteidigung\u201c umgesetzt wurde, hatte man die Ziele und Mittel u.a. so formuliert: \u201eZerst\u00f6rung von D\u00f6rfern (Feuerlegung, Sprengung und Verminung der Ruinen). Bei Widerstand sind die bewaffneten Kr\u00e4fte zu vernichten und die Bewohner \u00fcber die Staatsgrenze zu vertreiben.\u201c Das Ergebnis dieser ethnischen S\u00e4uberung ist bekannt: Elf Stadtviertel und 531 pal\u00e4stinensische D\u00f6rfer wurden zwangsger\u00e4umt, viele dem Erdboden gleichgemacht; 800 000 Menschen mussten fliehen. Es kam zu Massakern, Pl\u00fcnderungen und Vergewaltigungen. Um die Fl\u00fcchtlinge an der R\u00fcckkehr zu ihrem Besitz zu hindern, wurde die Einheit 101 unter der F\u00fchrung von Ariel Sharon gegr\u00fcndet, die mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gegen die \u201eInfiltranten\u201c vorging.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr all diese Verbrechen trug Ben Gurion erst als Zionistenf\u00fchrer, sp\u00e4ter als israelischer Ministerpr\u00e4sident die volle Verantwortung \u2013 \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Anschl\u00e4ge der j\u00fcdischen Terrorgruppen gegen die britische Mandatsmacht und die Pal\u00e4stinenser, von denen er wusste und die er billigte, von denen er sich sp\u00e4ter aber distanzierte. Er bestritt aber stets, dass Araber zur Flucht gezwungen worden seien, obwohl er es nat\u00fcrlich besser wusste. Aber der Verantwortung f\u00fcr seine Taten wollte er sich nicht stellen, er f\u00fcrchtete wohl, dass sie seine Stellung in der Geschichte gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">So machte er andere \u2013 die pal\u00e4stinensischen Opfer selbst \u2013f\u00fcr die Nakba verantwortlich. Tom Segev schreibt: \u201eEr lieferte auch selbst eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr: Die Flucht der Araber r\u00fchre daher, dass die arabische Nationalbewegung auf keinem positiven Inhalt aufbaue \u2013 weder kultureller noch \u00f6konomischer noch sozialer Art. Nichts als religi\u00f6ser Fanatismus, Fremdenhass und Herrschsucht. Mit einem solchen Inhalt k\u00f6nne ein Volk nicht k\u00e4mpfen und f\u00fcr ein solche Ziel wolle der Fellache sich nicht t\u00f6ten lassen. \u201aDamit hat die Geschichte jetzt bewiesen, wer diesem Land wirklich verbunden ist und f\u00fcr wen es nichts als ein Luxus ist, auf den man leicht verzichten kann\u2018 meinte Ben Gurion.\u201c Zynischer geht es wohl kaum.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">So ergibt sich in Tom Segevs Biographie ein sehr widerspruchsvolles Bild dieses zionistischen Politikers und \u201eVaters der Nation\u201c. Segev pendelt zwischen der Schwierigkeit hin und her, ihm einerseits historische Gr\u00f6\u00dfe nicht absprechen zu k\u00f6nnen, ihn aber wegen seiner verbrecherischen Politik auch einer scharfen Kritik unterziehen zu m\u00fcssen. Es ist interessant, dass die Begriffe Menschenrechte und V\u00f6lkerrecht in seinem Text nicht vorkommen. Er konfrontiert seinen Hauptdarsteller nicht mit dieser zivilisatorischen Errungenschaft, deren Ausarbeitung vor allem eine Folge der NS-Barbarei war und der richtige Ma\u00dfstab w\u00e4re, um Ben Gurions Wirken zu beurteilen. Dann w\u00e4re das Bild, das Segev von Ben Gurion gezeichnet hat noch viel peinlicher geworden als es ohnehin schon ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Judentum der Gegenwart ist zutiefst in die beiden Richtungen des partikularistischen Nationalismus (Zionismus) und des Universalismus (Vertreter von V\u00f6lkerrecht und Menschenrechten) gespalten. Ben Gurion war ein radikaler zionistischer Partikularist und Nationalist, universalistische Kategorien \u2013 also Empathie f\u00fcr \u201eandere\u201c Menschen au\u00dferhalb der eigenen Ethnie \u2013 waren ihm v\u00f6llig wesensfremd, er kannte nur den zionistischen Kosmos und nichts anderes. Die \u201eAnderen\u201c \u2013 das sind die \u201eFeinde\u201c, gegen die man Krieg f\u00fchrt oder sie bestenfalls noch zum eigenen Vorteil benutzt. Die Rollen von Gut und B\u00f6se waren in Ben Gurions Weltbild also gut verteilt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine solche Haltung unterscheidet Ben Gurion von einem anderen Zeitgenossen, der auch einen Staat schuf, aber selbst zu einem universalistischen Symbol der Vers\u00f6hnung wurde: Nelson Mandela. Der Afrikaner setzte sich nicht ausschlie\u00dflich wie der Zionist Ben Gurion f\u00fcr die Vormachtstellung der eigenen Gruppe (der Schwarzen in S\u00fcdafrika) ein, sondern f\u00fcr die Entstehung einer demokratische Nation, in der alle Hautfarben und Religionen dieselben Rechte und Privilegien haben sollten. Damit verhinderte er permanente Gewalt und stellte die Weichen f\u00fcr einen funktionierenden Vielv\u00f6lkerstaat. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Genau dieses universalistische Erbe machte ihn zu einem Gro\u00dfen in der Geschichte, ein Urteil, das man Ben Gurion nicht zuteilen kann. Er ist eine historische Gr\u00f6\u00dfe nur f\u00fcr die eigene zionistisch-israelische Gemeinschaft, und seine Tragik ist es, dass er mit seinem Lebenswerk das Fundament zu einer Entwicklung gelegt hat, die zu einem siedlerkolonialistischen Besatzungsstaat mit der Unterdr\u00fcckung von Millionen Menschen gef\u00fchrt hat. Und dieser Besatzungsstaat wird mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit in einem j\u00fcdischen Apartheidstaat enden \u2013 also in einem Zustand, den Mandela mit seinem humanen Universalismus gerade zu \u00fcberwinden half. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">Tom Segevs Ben-Gurion-Biographie ist ein wichtiger Beitrag der \u201eneuen Historiker\u201c in Israel zu einer Aufarbeitung der Geschichte des Zionismus. Sie ist aber auch ein Beleg f\u00fcr die These des israelischen Philosophen Omri Boehm, dass Zionismus und Humanismus nicht miteinander vereinbar sind.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Tom Segev: David Ben Gurion. Ein Staat um jeden Preis, M\u00fcnchen 2018, ISBN 978-3-8275-0020-5, 35 Euro<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: medium;\">25.05.2018<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Umsetzung der Ziele des Zionismus ist jedes Mittel recht Tom Segevs eindrucksvolle Ben Gurion-Biographie schildert die Entstehung und fr\u00fchen Jahre des Staates Israel ohne Tabus. 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