{"id":8381,"date":"2018-06-10T06:38:33","date_gmt":"2018-06-10T06:38:33","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8381"},"modified":"2018-06-26T07:35:41","modified_gmt":"2018-06-26T07:35:41","slug":"israel-palaestina-und-die-deutsche-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8381","title":{"rendered":"Israel, Pal\u00e4stina und die deutsche Linke"},"content":{"rendered":"<h2>Die progressiven Kr\u00e4fte im Nahen Osten brauchen Solidarit\u00e4t \u2013 vor allem aus der Bundesrepublik. Gastkommentar<\/h2>\n<div class=\"Author\"><em>Tsafrir Cohen<\/em><\/div>\n<div class=\"Content\">\n<p>Diese Woche j\u00e4hrte sich die Besatzung der Pal\u00e4stinensergebiete durch die israelische Armee zum 51. Mal. Dessen wird nirgends gro\u00df gedacht, und die Welt scheint sich damit arrangiert zu haben, dass ein Ende der langanhaltenden Besatzung, etwa in der Form einer von Israelis und Pal\u00e4stinensern vereinbarten Zweistaatenl\u00f6sung, nicht absehbar ist.<!--more-->Vor Ort bleiben die Dinge allerdings nicht gleich. F\u00fcr jedermann sichtbar, etabliert sich eine permanente israelische Herrschaft. In der Westbank und im von Israel annektierten Ostjerusalem wurden \u00fcber eine halbe Million israelische Staatsb\u00fcrger v\u00f6lkerrechtswidrig angesiedelt, w\u00e4hrend die eigentlich dort lebenden Pal\u00e4stinenser in dichtbev\u00f6lkerte Enklaven verdr\u00e4ngt werden, die in allen wesentlichen Aspekten von Israel abh\u00e4ngen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"Content\">\n<p>Wie menschenunw\u00fcrdig, aber auch explosiv die Situation in solchen Enklaven ist, zeigt ein Blick auf den kleineren Teil der besetzten Gebiete, den Gazastreifen, in dem die Bev\u00f6lkerung im Zustand permanenten Kriegs und der Belagerung lebt, mit schwerwiegenden Folgen auch f\u00fcr die israelische Bev\u00f6lkerung in den angrenzenden Gebieten. Man sollte sich weder vom Eigenst\u00e4ndigkeit simulierenden Gebaren der im bitterarmen Gazastreifen herrschenden Hamas t\u00e4uschen lassen noch von den Behauptungen der israelischen Regierung, Israel habe sich aus dem Gazastreifen zur\u00fcckgezogen. Dies reiche den Pal\u00e4stinenser jedoch nicht, die weiterhin \u2013 aus purem Hass \u2013 Israel angriffen. Der Gazastreifen ist tats\u00e4chlich ein v\u00f6llig von Israel abh\u00e4ngiges Freiluftgef\u00e4ngnis, in dem zwei Millionen Menschen auf einem Gebiet der Gr\u00f6\u00dfe Westberlins leben \u2013 ohne Aussicht auf Besserung.<\/p>\n<p>In der Folge wird der pal\u00e4stinensischen Gesellschaft jede Chance auf Emanzipation genommen, w\u00e4hrend Israels Demokratie immer weiter ausgeh\u00f6hlt wird. Der so entfachte Nationalismus f\u00fchrt auch dazu, dass bei gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung Hetzkampagnen gegen Gefl\u00fcchtete und Migranten, aber auch gegen den Obersten Gerichtshof als Symbol der Rechtsstaatlichkeit und des Schutzes von Minderheiten z\u00fcnden.<\/p>\n<p>Scheinbar unumkehrbar sind diese Entwicklungen aufgrund des globalen Aufstiegs der Rechtspopulisten und -nationalen. F\u00fcr Donald Trump oder Viktor Orban treten V\u00f6lkerrecht und B\u00fcrgerrechte zugunsten der Macht des St\u00e4rkeren zur\u00fcck, und zu bestehenden antisemitischen Ressentiments kommt eine imaginierte Front zur Verteidigung eines j\u00fcdisch-christlichen Abendlands gegen den Islam hinzu. Israels hegemoniale Rechte gilt dabei als Verb\u00fcndete ersten Ranges.<\/p>\n<p>Gegen diese Kr\u00e4fte w\u00e4chst weltweit der Widerstand, etwa in den (links-)liberalen j\u00fcdischen Gemeinden der USA, die im Zuge dessen auch ihre Positionen im israelisch-pal\u00e4stinensischen Kontext revidieren. Die schwache israelische und die ebenso schwache pal\u00e4stinensische Linke hoffen auf Solidarit\u00e4t aus Europa \u2013 und hier ist auch die Linke im wichtigsten EU-Staat, Deutschland, aufgrund ihrer historischen Verantwortung und der weitverzweigten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel besonders gemeint. Das solle sich in konkreten Forderungen an Berlin und Br\u00fcssel \u00e4u\u00dfern: den Staat Pal\u00e4stina und Ostjerusalem als pal\u00e4stinensische Hauptstadt anerkennen; sicherstellen, dass die Vorteile bi- und multilateraler Abkommen mit Israel weder f\u00fcr die v\u00f6lkerrechtswidrigen Siedlungen noch f\u00fcr ihre Einwohner gelten d\u00fcrfen; auf die Einhaltung der Menschenrechtsklausel in den EU-Vertr\u00e4gen mit beiden Parteien achten. Dazu kommt eine klarere Positionierung und schlie\u00dflich die f\u00e4llige Vertiefung der Beziehungen zwischen Linken h\u00fcben wie dr\u00fcben.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Infobox\" class=\"Infobox\">\n<p>Empfohlene Lekt\u00fcre: Dossier des Israel-B\u00fcros der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Besatzung: <a href=\"http:\/\/www.rosalux.org.il\/\">www.rosalux.org.il<\/a><\/p>\n<p>Tsafrir Cohen leitet das Israel-B\u00fcro der Rosa-Luxemburg-Stiftung.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/333856.israel-pal%C3%A4stina-und-die-deutsche-linke.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">junge Welt v. 9.\/10.06.2018<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die progressiven Kr\u00e4fte im Nahen Osten brauchen Solidarit\u00e4t \u2013 vor allem aus der Bundesrepublik. Gastkommentar Tsafrir Cohen Diese Woche j\u00e4hrte sich die Besatzung der Pal\u00e4stinensergebiete durch die israelische Armee zum 51. Mal. 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