{"id":8433,"date":"2018-06-22T07:35:00","date_gmt":"2018-06-22T07:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8433"},"modified":"2018-06-26T07:35:40","modified_gmt":"2018-06-26T07:35:40","slug":"wer-heute-von-besatzung-spricht-wird-sofort-als-naiver-linker-beschimpft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8433","title":{"rendered":"&#8222;Wer heute von Besatzung spricht, wird sofort als naiver Linker beschimpft&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8435\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Grossman-David-_em_evento_especial_Fronteiras_do_Pensamento_10_anos_30714479186_ji.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8435\" class=\"wp-image-8435 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Grossman-David-_em_evento_especial_Fronteiras_do_Pensamento_10_anos_30714479186_ji-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Grossman-David-_em_evento_especial_Fronteiras_do_Pensamento_10_anos_30714479186_ji-300x300.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Grossman-David-_em_evento_especial_Fronteiras_do_Pensamento_10_anos_30714479186_ji.jpg 661w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8435\" class=\"wp-caption-text\">David Grossman. Foto: Fronteiras do Pensmente. Creative Commons<\/p><\/div>\n<p>Der bekannte israelische Schriftsteller David Grossmann hat dem Berliner <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/interview-mit-david-grossman-die-israelis-fuehlen-sich-wie-in-einer-falle\/22710450.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesspiegel am 20.06.2018<\/a> ein interessantes Interview &#8222;\u00fcber politisches Engagement, Hoffnung und Zorn in seinem Land&#8220; gegeben. Hier einige Zitate.<\/p>\n<p><strong>Zum Wort Besatzung<br \/>\n<\/strong>&#8222;Nehmen Sie nur das Wort \u201eBesatzung\u201c. Sehr viele Israelis wollen es nicht benutzen, sie machen einen gro\u00dfen Bogen um dieses Wort, obwohl es die Realit\u00e4t treffend beschreibt. Und das nun schon seit 51 Jahren. Sie sagen dann: Nein, das ist keine Besatzung. Wir haben uns nur das zur\u00fcckgeholt, was ohnehin uns geh\u00f6rt. Wer heute von Besatzung spricht, wird sofort als naiver Linker beschimpft.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8222;Muss Literatur in einer solchen Umgebung zwingend politisch sein?&#8220;<br \/>\n&#8222;<\/strong>Nein. Wir haben in Israel ganz wunderbare Autoren, die v\u00f6llig unpolitisch schreiben. Und es gibt einige, die einen politischen Ansatz haben. Jene, die sagen: Wir lassen uns von der Verzweiflung nicht niederdr\u00fccken. Wir wollen stattdessen fantasieren, uns etwas vorstellen. Der Ort daf\u00fcr kann die Literatur sein. Denn die Menschen in Israel f\u00fchlen, dass sie in einer Falle feststecken \u2013 sie k\u00f6nnen sich Frieden nicht vorstellen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;K\u00f6nnen Sie es?&#8220;<br \/>\n<\/strong>&#8222;Ja! Ich denke viel dar\u00fcber nach. Der Frieden, den ich mir vorstelle, hat jedoch nichts mit der Hollywood-\u00e4hnlichen Vorstellung gemeinsam, dass Israelis und Pal\u00e4stinenser Hand in Hand Richtung Sonnenuntergang spazieren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wie sieht Ihr Frieden denn aus?&#8220;<br \/>\n<\/strong>&#8222;Er basiert auf schmerzhaften Kompromissen und kleinen Schritten. Wie w\u00e4re es zum Beispiel mit einer Werkstatt, in der Pal\u00e4stinenser und Israelis gemeinsam Autos reparieren? Oder eine Fu\u00dfballliga mit pal\u00e4stinensischen und israelischen Teams. Oder ein gemeinsames Orchester. Oder eine Universit\u00e4t, in der \u00fcber die Ursachen des Konflikts geforscht wird. All das ist m\u00f6glich. Wir m\u00fcssen nur mutig genug sein, das anzugehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Klingt sch\u00f6n. Doch wer heute in Israel vom Frieden redet, hat einen schweren Stand, wird sogar massiv angefeindet. Erleben Sie das auch?&#8220;<br \/>\n<\/strong>&#8222;Ja, leider. Am 19. April war ich der Hauptredner einer alternativen Gedenkfeier f\u00fcr die gefallenen Soldaten und Terroropfer. Dort haben Israelis und Pal\u00e4stinenser gemeinsam ihrer Toten gedacht. Danach bekam ich Drohungen. Die Rechten, die Nationalisten, die Extremisten \u2013 sie werden immer aggressiv gegen uns Stimmung machen. Doch das ist f\u00fcr uns kein Grund zu schweigen. Wir machen weiter.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Es hei\u00dft, die ganze Gesellschaft sei nach rechts ger\u00fcckt? Ist das auch Ihr Eindruck?&#8220;<br \/>\n&#8222;<\/strong>Auf jeden Fall. Das zeigen schon die vergangenen Wahlen. Netanjahu wird immer st\u00e4rker. Je mehr die Menschen verzweifeln und frustriert sind, weil es keinen Frieden gibt, desto radikaler, fundamentalistischer und nationalistischer werden sie. Wo die Hoffnung verloren geht, w\u00e4chst die Aggressivit\u00e4t.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Kann ein Schriftsteller dem etwas entgegensetzen?&#8220;<br \/>\n&#8222;<\/strong>Die Realit\u00e4t wird das tun. Irgendwann muss sich Israel entscheiden, ob es weiter ein demokratischer j\u00fcdischer Staat bleibt oder ein Apartheidsregime wird. Das meine ich in Bezug auf die besetzten Gebiete. In Israel selbst funktioniert die Demokratie bisher. Es gibt unabh\u00e4ngige Gerichte, Presse- und Meinungsfreiheit. Selbst ein Pal\u00e4stinenser k\u00f6nnte Ministerpr\u00e4sident werden. In L\u00e4ndern, die uns umgeben, sieht das ganz anders aus.&#8220;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/interview-mit-david-grossman-die-israelis-fuehlen-sich-wie-in-einer-falle\/22710450.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das vollst\u00e4ndige Interview hier<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bekannte israelische Schriftsteller David Grossmann hat dem Berliner Tagesspiegel am 20.06.2018 ein interessantes Interview &#8222;\u00fcber politisches Engagement, Hoffnung und Zorn in seinem Land&#8220; gegeben. Hier einige Zitate. Zum Wort Besatzung &#8222;Nehmen Sie nur das Wort \u201eBesatzung\u201c. Sehr viele Israelis &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8433\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-8433","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8433","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8433"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8433\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8438,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8433\/revisions\/8438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}