{"id":8511,"date":"2018-07-05T06:19:18","date_gmt":"2018-07-05T06:19:18","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8511"},"modified":"2018-07-05T06:23:07","modified_gmt":"2018-07-05T06:23:07","slug":"ein-brief-von-abed-schokry-aus-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8511","title":{"rendered":"Neuer Brief von Abed Schokry aus Gaza"},"content":{"rendered":"<p><em>Der geb\u00fcrtige Pal\u00e4stinenser Dr. Abed Schokry lebte 17 Jahre in Deutschland und promovierte an der TU Berlin. 2007 erhielt er einen Ruf an die Universit\u00e4t Gaza\/Pal\u00e4stina und kehrte mit seiner Familie in seine Heimat zur\u00fcck. Seitdem lebt er dort und lehrt als Dozent Wirtschaftsingenieurwesen. &#8222;Seit Seit drei Jahren versucht er, von israelischen Beh\u00f6rden eine Genehmigung zu bekommen, um Gaza wieder einmal verlassen zu d\u00fcrfen. In Deutschland a\u00df er gerne Fisch; Gaza liegt zwar an der K\u00fcste, aber das Meer ist durch Abw\u00e4sser verunreinigt.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/profil-abed-schokry-1.3948953\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00fcddeutsche Zeitung v. 26.04.2018<\/a>) Schokry berichtet unregelm\u00e4\u00dfig aus Gaza.<br \/>\n<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Gaza am 16. Juni 2018<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sehr geehrte Damen und Herren, <\/strong><br \/>\n<strong>Liebe Freundinnen und liebe Freunde,<\/strong><br \/>\nIm Juni 2007 kehrten wir, meine Frau, unsere zwei T\u00f6chter und ich, nach Hause zur\u00fcck. Ich hatte 17 Jahre in Deutschland gelebt und meine Frau zusammen mit mir f\u00fcnf Jahre. So leben wir nun 11 ganze Jahre bereits wieder in Gaza-Stadt. Das erste Jahr (Juni 2007 \u2013 Juli 2008) war kein sch\u00f6nes Jahr, da weder meine Frau noch ich haben Arbeit finden k\u00f6nnen. Im August 2008 ist dann eine Stelle an der Universit\u00e4t frei geworden, die meiner Ausbildung als Ingenieur bzw. meinem Promotionsthema entsprach. Einige Monate sp\u00e4ter hatte auch meine Frau Gl\u00fcck, denn sie fand als Pharmazeutin beim Gesundheitsministerium in Gaza eine Anstellung. Uns ging es gut, wir waren zufrieden und schauten hoffnungsvoll in die Zukunft.<\/p>\n<p>Schon sehr bald, nach wenigen Monaten, \u00e4nderte sich alles. Es begann die erste milit\u00e4rische Operation im Dezember 2008, die bis Januar 2009 dauerte. (Ich habe fr\u00fcher das Wort \u201eKrieg\u201c verwendet, im nachhinein denke ich, dass es nicht richtig ist, weil die Kriterien wegen der Einseitigkeit nicht erf\u00fcllt sind. Die Pal\u00e4stinenser haben keine Armee.) Knapp vier Jahre blieb es ruhig, dann aber folgte die n\u00e4chste milit\u00e4rische Operation im November 2012. Im Sommer 2014 \u00fcbertrafen die Angriffe, die Bombardierungen die vorhergehenden bei weitem. Es war einfach nur schrecklich. Bekannte, Nachbarn und Verwandte wurden sofort bei den Angriffen t\u00f6dlich getroffen oder wurden unter ihren H\u00e4usern oder Wohnungen versch\u00fcttet und \u00fcberlebten nicht. Die, die aus den Tr\u00fcmmern lebend gerettet werden konnten, leben mit schweren Behinderungen.<\/p>\n<p>Alles was in diesen elf Jahren seit meiner R\u00fcckkehr geschehen ist, hat sich in mein Ged\u00e4chtnis eingebrannt, so als w\u00e4re es erst gestern passiert. Wenn die Situation wie gegenw\u00e4rtig so aussichtslos zu sein scheint, bereue ich es doch manchmal heimgekehrt zu sein. Meine Frau hat mir k\u00fcrzlich anvertraut, dass auch sie es schon in zwei unertr\u00e4glichen Situationen bereut hat, nach Gaza zur\u00fcckgekehrt zu sein. Ich habe selten dar\u00fcber gesprochen, aber ich habe es schon viele Male bereut und oft h\u00e4tte ich gern die Zeit zur\u00fcckgestellt. Diese Gedanken gehen mir zum Gl\u00fcck nicht dauernd im Kopf herum. Wenn wir uns im Kreis unserer Familien geborgen f\u00fchlen und die Lebensfreude unserer Kinder wahrnehmen, die gern ihre Gro\u00dfeltern besuchen, dann sind wir doch froh hier in Gaza zu sein, und zwar trotz der sehr widrigen und unmenschlichen Umst\u00e4nde, unter denen wir unser Leben zu meistern versuchen.<br \/>\nDer Fastenmonat Ramadan ist vor\u00fcber, das Sommersemester ist n\u00e4chste Woche zu Ende und die Sommerferien beginnen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte einige \u00dcberlegungen zur Situation in den vergangenen Monaten mit Ihnen und Euch teilen.<br \/>\n<strong>Razan Al-Najjar, der ermordete Rettungsengel<\/strong><br \/>\nAllen Protesten, scharfen Verurteilungen und internationalen dringlichen Appellen zum Trotz, die Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten, Journalisten und Rettungskr\u00e4fte einzustellen, t\u00f6tet Israel am Grenzzaun zum Gazastreifen weiter. Vor wenigen Tagen erschossen israelische Scharfsch\u00fctzen eine 21j\u00e4hrige Pal\u00e4stinenserin, die sich freiwillig zum Rettungssanit\u00e4tsdienst gemeldet hatte. Warum? Mit welchem Recht? Wie kann Israel das rechtfertigen? Kurz nachdem sie einem verletzten Mann geholfen hatte, fallen Sch\u00fcsse und die 21j\u00e4hrige Razan al-Najjar bricht t\u00f6dlich verletzt zusammen. Die Kugeln israelischer Scharfsch\u00fctzen hatten sie im Nacken getroffen. Mit der Erschie\u00dfung der 21J\u00e4hrigen t\u00f6tet Israel bereits zum zweiten Mal eine medizinische Rettungskraft. Am 14.05.2018 hatten israelische Scharfsch\u00fctzen den Sanit\u00e4ter Mousa Jabr Abu Hussein erschossen, w\u00e4hrend er Patienten versorgte. Beide F\u00e4lle, wie auch die zahlreichen Verwundungen von Rettungssanit\u00e4tern, stellen eine Verletzung der Genfer Konvention dar. Hat der oder haben die Scharfsch\u00fctzen es nicht gesehen, dass Razan Al-Najjar einen weissen Mantel trug, dass sie unbewaffnet und klar als Sanit\u00e4terin erkennbar war und sich etwa 100 Meter vom Zaun entfernt befand. Oder sie haben das doch gesehen und ihr Befehl lautete: T\u00f6tet sie ALLE!!!<\/p>\n<p>Im Zuge dessen, was da an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel geschieht, sollten Deutschland und die EU nachdenken, ob sie das Verbrechen der israelischen Regierung und der israelischen Politik weiterhin tolerieren wollen und damit in Kauf nehmen, dass unschuldige Menschen sterben. Es ist ein Kriegesverbrechen, Sanit\u00e4ter und medizinisches Personal gezielt zu t\u00f6ten. Diese Taten m\u00fcssen geahndet und bestraft werden. Wo bleibt der Aufschrei der Welt angesichts des Unrechts? Wie lange wollen die H\u00fcter der Menschenrechte zu den israelischen Verbrechen schweigen? Es wird ja in den israelischen Medien behauptet, dass die pal\u00e4stinensischen Demonstranten bewaffnet seien. Wenn dem so ist, warum gib es keine einzige Videoaufnahme, die das beweist, obwohl es viele Kameraleute, auch beim israelischen Milit\u00e4r an der Grenze gibt?<\/p>\n<p>Interessant ist doch auch, dass keinem einzigen israelischen Soldaten auch nur ein Haar gekr\u00fcmmt, geschweige dass einer verletzt wurde.<\/p>\n<p>Was geht in den Regierenden der Welt vor, wenn sie permanent Opfer und T\u00e4ter vertauschen? Wenn israelische Soldaten skrupellos auf unbewaffnete Pal\u00e4stinenser schie\u00dfen, 130 von ihnen t\u00f6ten und nahezu 13 000 zum Teil schwer und viele lebensgef\u00e4hrlich verletzen, wenn dann trotz dieser Tatsachen die Soldaten die Opfer und die pal\u00e4stinensischen Frauen, Kinder und M\u00e4nner als T\u00e4ter gesehen werden? Wie ist es m\u00f6glich, dass die Tatsachen einfach verdreht werden? Wieso machen da alle mit? Wie kommt es, dass wir Pal\u00e4stinenser ganz offenbar als minderwertig im Vergleich mit den Israelis gesehen werden. Was haben wir verbrochen? Waren wir nicht still genug, als man uns das Land wegnahm? H\u00e4tten wir dieses Unrecht etwa mit Freude begr\u00fc\u00dfen sollen und schweigen? H\u00e4tten wir dankbar sein sollen, dass man uns \u201enur\u201c von unserem Land vertrieben und nicht gleich umgebracht hat?<\/p>\n<p>Ich denke manchmal, dass Tieren mehr Sympathie entgegengebracht wird als uns Pal\u00e4stinensern. Diesen Gedanken hatte auch Gideon Levy, einer der renommiertesten israelischen Journalisten, als er am 17. Mai in der Zeitung Haaretz die rhetorische Frage aufwirft, wie die israelische Bev\u00f6lkerung wohl reagiert h\u00e4tte, wenn an einem Tag nicht 60 Pal\u00e4stinenser, sondern 60 streunende Hunde get\u00f6tet worden w\u00e4ren. Es h\u00e4tte einen Aufschrei gegeben, Tiersch\u00fctzer h\u00e4tten gegen dieses Unrecht demonstriert. Die oft nur wenige Kilometer entfernt lebenden Pal\u00e4stinenser sind den allermeisten Israelis aber egal. Nein, sie sind ihnen nicht nur egal, sie haben auch eine Schublade gefunden, die ganz offiziell von der israelischen Regierung erfunden und der Welt verkauft wurde. Diese Schublade hei\u00dft \u201eHamas\u201c. Und Hamas steht gleichbedeutend mit Terror. Yuvor war es die PLO. Selbstverst\u00e4ndlich sind wir alle gegen Terror, aber \u201eTerror\u201c ist zu einem Kampfbegriff geworden, mit dem jedes Unrecht gerechtfertigt werden kann. So einfach macht es sich die Welt mit den Pal\u00e4stinensern. Sie sind an allem Schuld, daran, dass sie ihrer Vertreibung nicht zugejubelt haben und leider den Israelis so viele Probleme machen. Sie sind selbst Schuld, weil sie nicht so gew\u00e4hlt haben (in freien Wahlen, wie von allen gefordert) wie man es gern gehabt h\u00e4tte. Und wenn sie nicht bis zu 100 Meter(!!!) an den Zaun gelaufen und brav in ihrem Gef\u00e4ngnis geblieben w\u00e4ren, h\u00e4tten sie auch die Soldaten nicht gezwungen auf sie zu schie\u00dfen. Die hochgepriesene \u201emoralischste Armee der Welt\u201c wurde einfach durch die b\u00f6sen Pal\u00e4stinenser, die keine Gewehre, keine Armee, keine Panzer, keine Bomben haben, so herausgefordert und in Gefahr gebracht, dass sie leider leider 130 Pal\u00e4stinenser erschie\u00dfen und 13 000 verletzen musste.<\/p>\n<p>Bringt das Verhalten der Israelis Frieden in unsere Region, wenn sie uns Pal\u00e4stinenser nicht wie Menschen behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen? Ist es wirklich klug, sich als moralischer als andere zu sehen, sich gar als auserw\u00e4hlt, als etwas Besseres als alle anderen zu betrachten? Stiftet das Frieden oder nicht doch eher Hass? Bringt das T\u00f6ten Frieden? Der UN Menschenrechtsrat hat beschlossen, dass eine unabh\u00e4ngige Untersuchungskommission die Geschehnisse im Gazastreifen seit Beginn der Proteste untersuchen soll. Die Entsendung einer solchen Kommission wurde im Mai durch eine Mehrheit von 29 zu 2 Stimmen bei 14 Enthaltungen im UN Menschenrechtsrat beschlossen, in dem kein Staat ein Vetorecht hat. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor ihr Veto genutzt, um eine entsprechende Resolution im UN-Sicherheitsrat zu blockieren. Die israelische Regierung hat allerdings bereits angek\u00fcndigt, nicht mit der Kommission kooperieren zu wollen. Wenn Israel aber nichts zu verheimlichen hat, und unschuldig ist, warum lehnt sie die Kooperation mit der Kommission von vornherein ab? Aber es ist leider nicht neu, dass Israel die Beschl\u00fcsse der UN ignoriert. Auch das l\u00e4sst man Israel jedes Mal durchgehen. Andere Staaten werden dagegen sanktioniert, wenn sie sich Beschl\u00fcssen widersetzen.<br \/>\nDrachen steigen Wochen nach dem Beginn der Proteste in der N\u00e4he des Zauns zu Israel, begannen die pal\u00e4stinensischen Jugendlichen Papier-Drachen vom Gazastreifen aus Richtung Israel zu schicken, die mit Diesel oder brennbarem \u00d6l getr\u00e4nkt worden waren. Hat man kein Milit\u00e4r, keine Armee, keine Kriegswaffen, kommt man auf alle m\u00f6glichen Ideen, die manchmal fast hilflos wirken aber manchmal auch wirken. Die Drachen sehen wie ein Spielzeug aus. Tats\u00e4chlich ist das Drachen-Steigen an der K\u00fcste des Gazastreifens ein beliebtes Spiel. Jetzt haben diese speziell pr\u00e4parierten Drachen aber eine Zeitlang der hochger\u00fcsteten Abwehr der israelischen Armee von Panzern \u00fcber Kampfflugzeugen bis zu Raketenabwehrsystemen getrotzt. Einem Reuter-Reporter erz\u00e4hlte ein junger Pal\u00e4stinenser, der mit anderen solche Drachen vorbereitete, dass das spontan begonnen habe.<\/p>\n<p>Um ehrlich zu sein bin ich in Bezug auf diese \u201eWaffen\u201c gespalten, denn einerseits bin ich gegen den Einsatz von Gewalt, aber gleichzeitig hoffe ich und hoffen wir in Gaza, dass durch spektakul\u00e4re Aktionen wie diese die Weltgemeinschaft unsere Probleme \u00fcberhaupt wahrnimmt. Aber ob das wirklich funktioniert, da bin ich mir nicht sicher. Denn die Drachen werden mit propagandistischem Erfolg gleich als \u201eDrachengewalt\u201c gegen die armen und schutzlosen Israelis gesehen. Tun wir nichts, geraten wir v\u00f6llig in Vergessenheit. Niemand interessiert sich f\u00fcr unser Elend seit fast 12 Jahren, wenn wir immer brav und ruhig bleiben. Aber wie ich bereits geschrieben habe, l\u00e4uft die Propagandamaschine immer gegen uns und wir stehen letztlich als die Schuldigen da, wenn wir versuchen uns zu wehren.<\/p>\n<p><strong>Leben im Gef\u00e4ngnis und leben in Gaza<\/strong><br \/>\nSehr oft habe ich (und auch andere) das Leben in Gaza mit dem in einem Freiluftgef\u00e4ngnis verglichen. Dieser Verglich ist falsch. Hier ist die Begr\u00fcundung aus meiner Perspektive:<\/p>\n<p><strong>Leben im Gef\u00e4ngnis in einem demokratischen Land mit funktionierendem Rechtsstaatssystem<\/strong><br \/>\n<strong>Leben in Gaza<\/strong><br \/>\n&#8211; Es gab eine Anklage, einen Anwalt.<br \/>\n&#8211; Man sitzt im Gef\u00e4ngnis, weil man eine Straftat beganngen hat.<br \/>\n&#8211; Man hat das Recht auf Besuch.<br \/>\n&#8211; Arbeit ist teilweise m\u00f6glich.<br \/>\n&#8211; Essen und Trinken ist gesichert.<br \/>\n&#8211; Man ist sicher, es besteht keine Gefahr erschossen zu werden.<br \/>\n&#8211; Recht auf medizinische Versorgung.<br \/>\n&#8211; Nach Ende der Strafzeit, wird man entlassen.<br \/>\n&#8211; Es gab weder eine Anklage noch gab es einen Anwalt.<br \/>\n&#8211; Besuch nicht erlaubt.<br \/>\n&#8211; Arbeiten ist kaum m\u00f6glich.<br \/>\n&#8211; Man muss zusehen, wie man das Essen bekommt.<br \/>\n&#8211; Es besteht die Gefahr, dass man erschossen wird.<br \/>\n&#8211; Es gibt kein Recht auf medizinische Versorgung.<br \/>\n&#8211; Ein Ende ist NICHT in Sicht.<\/p>\n<p><strong>Meine verletzten Verwandten und Nachbarn<\/strong><br \/>\nIch habe Ihnen und Euch davon berichtet, dass Verwandte und Nachbarn von mir bei den Protesten erschossen und manche verletzt wurden. Einer der Verletzten konnte zwar aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber er ben\u00f6tigt noch weitere medizinische Behandlung. Der Andere hingegen liegt immer noch im Krankenhaus und es besteht die Gefahr, dass er querschnittsgel\u00e4hmt bleiben wird, falls er seine Verletzung \u00fcberlebt. Der Nachbarjunge ist zwar aus dem Krankenhaus entlassen, aber ihm wird sehr wahrscheinlich sein Unterschenkel amputiert. Das ist schrecklich f\u00fcr einen jungen Mann der noch nicht einmal 20 Jahre alt ist. Alle drei sind zwischen 17 und 20 Jahren alt. Die Zukunft dieser drei Jugendlichen ist so hoffnungslos, dass man schreien m\u00f6chte. Es sind so viele verletzt, so vielen geht es ganz \u00e4hnlich.<br \/>\nWas es auch noch gibt Es ist kaum zu glauben, aber doch wahr, am 12. Juni hat es am Vormittag stark geregnet. Das ist in Deutschland nat\u00fcrlich nichts Ungew\u00f6hnliches. In Gaza aber hat es im Jahr 1992 das letzte Mal im Juni geregnet. Bei all der dauernden Anspannung und bei all der n\u00f6tigen Bew\u00e4ltigung des schwierigen Alltags in Gaza, vergisst man manchmal, dass es noch die Natur gibt. Allerdings ist die Natur auch gef\u00e4hrdet. Sie wissen es. Die Klimaver\u00e4nderung mag in Zukunft noch zu weiteren Fluchtbewegungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Lassen Sie, lasst mich zum Schluss noch einen Gedanken formulieren. Ich glaube, dass viele Menschen vergessen, dass sie sich den Ort, die Region, das Land ihrer Geburt nicht ausgesucht haben. Es ist nicht das Verdienst der Menschen, die in einem sicheren und wohlhabenden Land auf die Welt gekommen sind. Und es ist nicht die Schuld derer, die in einer Region auf die Welt gekommen sind, in der Krieg und Armut herrschen. Vielleicht sollte man dar\u00fcber manchmal nachdenken, wenn man Grenzen schlie\u00dfen und Z\u00e4une bauen will und schon gebaut hat.<\/p>\n<p>Die Grenze zwischen dem Gazastreifen und \u00c4gypten ist seit Mitte Mai dauerhaft ge\u00f6ffnet (t\u00e4glich) und sie soll nach Medienberichten noch weitere zwei- drei Monate ge\u00f6ffnet gehalten werden. So hoffe ich, doch eventuell f\u00fcr mindestens einen Monat nach Deutschland zu kommen zu k\u00f6nnen. Das ist aber nicht sicher, denn bis heute konnte ich keinen Antrag zur Erteilung des Visums stellen. Die deutsche Vertretung nimmt keine Antr\u00e4ge von uns als Pal\u00e4stinenser entgegen. Das ist neu. Ich wei\u00df nicht, was dahintersteckt. Sie wissen vielleicht mehr.<\/p>\n<p>In der Hoffnung, Ihnen und Euch doch bald erfreulichere Meldung mitteilen zu k\u00f6nnen verbleibe ich f\u00fcr heute<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nIhr<br \/>\nAbed Schokry<\/p>\n<p><strong>Das Nahost-Forum Bremen berichtete:<\/strong><\/p>\n<p>10.04.2018<br \/>\n&#8222;Mit welchem Recht geschieht mir und uns das alles?&#8220;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=7597\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=7597<\/a><\/p>\n<p>19.07.2017<br \/>\nHilferuf aus Gaza<br \/>\n<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5288\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=5288<\/a><\/p>\n<p>09.03.2017<br \/>\nGaza &#8211; von der Welt vergessen, aber nicht von uns<br \/>\n<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=4514\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=4514<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der geb\u00fcrtige Pal\u00e4stinenser Dr. Abed Schokry lebte 17 Jahre in Deutschland und promovierte an der TU Berlin. 2007 erhielt er einen Ruf an die Universit\u00e4t Gaza\/Pal\u00e4stina und kehrte mit seiner Familie in seine Heimat zur\u00fcck. 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