{"id":8552,"date":"2018-07-17T07:18:39","date_gmt":"2018-07-17T07:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8552"},"modified":"2018-07-18T13:05:59","modified_gmt":"2018-07-18T13:05:59","slug":"das-juedische-museum-in-berlin-der-israelische-botschafter-und-die-meinungsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8552","title":{"rendered":"Das J\u00fcdische Museum in Berlin, der israelische Botschafter und die Meinungsfreiheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8555\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8555\" class=\"wp-image-8555 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a-300x225.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a-768x576.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a-400x300.jpg 400w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-JuedischesMuseum_4a.jpg 1183w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8555\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Manfred Br\u00fcckels, Wikimedia Commons<\/p><\/div>\n<p>Das J\u00fcdische Museum in Berlin, bekannt durch seine spektakul\u00e4re Libeskind-Architektur, legt gro\u00dfen Wert darauf, eine moderne, weltoffene und der pluralistisch-wissenschaftlichen Diskussion verpflichtete Institution zu sein. Das Museum wird zu 75 Prozent vom deutschen Staat finanziert und ist organisiert als eine &#8222;bundesunmittelbare Stiftung&#8220;, die wiederum &#8222;eine eigenst\u00e4ndige juristische Person des \u00f6ffentlichen Rechts und Bestandteil der mittelbaren Staatsverwaltung des Bundes&#8220; ist.<!--more--><\/p>\n<p>Nach Meinung des israelischen Botschafters Jeremy Issacharoff m\u00fcssen die Grenzen f\u00fcr Wissenschaftlichkeit und Meinungsfreiheit in allen F\u00e4llen, die Israel betreffen, erheblich enger als sonst \u00fcblich gezogen werden. Wie eng &#8211; das musste jetzt die Museumleitung erfahren, die einen Vortrag des pal\u00e4stinensischen Friedensforschers und Nahost-Experten Sa&#8217;ed Atshan per e-mail (&#8222;Wegen technischer Probleme im Rahmen der Umbauma\u00dfnahmen&#8220;) absagte und alle Ank\u00fcndigungen dazu im Web- und Facebook-Auftritt des Museums l\u00f6schte.<\/p>\n<p>Der Vortrag sollte am 4. Juli 2018 um 19 Uhr im Gro\u00dfen Saal des J\u00fcdischen Museums stattfinden und war folgenderma\u00dfen angek\u00fcndigt (jetzt noch nachzulesen u.a. bei <a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/termine-37137\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.sozkult.de<\/a>):<\/p>\n<blockquote><p><strong>Being Queer and Palestinian in East-Jerusalem. Vortrag von Sa\u2019ed Atshan im Begleitprogramm zur Ausstellung &#8222;Welcome to Jerusalem&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nach internationalem Recht ist Jerusalem in West- und Ost-Jerusalem geteilt. Die Mehrheit der pal\u00e4stinensischen Einwohnerinnen, etwa 314.000 Menschen, lebt im Ostteil der Stadt, unter israelischer Kontrolle, ohne Zugang zu der Pal\u00e4stinensischen Beh\u00f6rde in der Westbank. Der Friedensforscher Sa\u2019ed Atshan beschreibt den Sonderstatus Ost-Jerusalems, der seine Bewohnerinnen eigene Wege des sozialen und kulturellen Lebens entwickeln l\u00e4sst. Gleichzeitig gibt er ethnografische Einblicke in das Leben queerer Pal\u00e4stinenser*innen und betont die Heterogenit\u00e4t ihrer Stimmen und Erfahrungen in dieser Region.<\/p>\n<p>Sa\u2018ed Atshan ist Friedensforscher, pal\u00e4stinensischer Christ und LGBT-Aktivist. Geboren 1984, wuchs er in der Westbank auf und besuchte die Ramallah Friends School, eine christliche Qu\u00e4ker-Schule. Heute ist er Professor of Peace and Conflict Studies am Swarthmore College (USA).<\/p><\/blockquote>\n<p>Professor Atshan hielt w\u00e4hrend seines Berlin-Besuchs &#8211; ohne weitere Beanstandungen &#8211; Vortr\u00e4ge an der Humboldt- und an der Freien Universit\u00e4t. Sein Vortrag konnte schlie\u00dflich in den R\u00e4umen des ICI Institute for Cultural Inquiry stattfinden.<\/p>\n<p>Atshan ist ein offen schwul lebender christlicher Pal\u00e4stinenser, der als bekennender Qu\u00e4ker &#8222;nicht zu Gewalt aufruft gegen Israel, sondern die Notwendigkeit gewaltlosen Protestes betont. Atshan spricht sich explizit f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Antisemitismus aus, fordert absolute Gewaltfreiheit und pl\u00e4diert f\u00fcr Dialog. (so die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kulturpolitik-geschlossene-gesellschaft-1.4055253\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a>). Die deutsch-israelische Arch\u00e4ologin Katharina Galor, die seinen Vortrag im ICI-Institute moderierte, arbeitet mit Atshan zur Zeit an einem Buch \u00fcber den Alltag j\u00fcdischer Israelis und Pal\u00e4stinenser in Berlin. Atshan sei einer der erfahrendsten Wissenschaftler in den USA. (&#8230;) F\u00fcnf renommierte Universit\u00e4ten h\u00e4tten sich um ihn bem\u00fcht, darunter auch Harvard.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Absage (&#8222;technische Probleme&#8220;) war, wie die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kulturpolitik-geschlossene-gesellschaft-1.4055253\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00fcddeutsche Zeitung (v. 15.07.2018)<\/a> schnell herausfand, eine L\u00fcge. Ihre Recherchen haben folgendes ergeben: <em>&#8222;Der Botschafter Israels, Jeremy Issacharoff, hatte dem Direktor des J\u00fcdischen Museums schriftlich mitgeteilt, dass er einen Auftritt Atshans im von \u00f6ffentlichen Steuergeldern gef\u00f6rderten Museum f\u00fcr untragbar halte. Der SZ best\u00e4tigte der Botschafter, dass er wegen Atshan das Museum kontaktiert hat. Er begr\u00fc\u00dfe die Entscheidung des Museums, Atshans Veranstaltung abgesagt zu haben. Dieser sei, so Issacharoff, &#8217;sehr eng verquickt mit der BDS-Bewegung&#8216;. Er kenne Atshan zwar nicht pers\u00f6nlich, &#8218;aber er ist kein Mensch, der Br\u00fccken der Verst\u00e4ndigung mit Israel bauen m\u00f6chte&#8216;. Atshan habe Israel in der Vergangenheit als Apartheid-Staat bezeichnet und behauptet, Israel habe eine pal\u00e4stinensische Gesellschaft kreiert, in der &#8218;Ehrenmorde&#8216; an der Tagesordnung seien und Homosexuelle get\u00f6tet w\u00fcrden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&#8222;H\u00e4tte die Botschaft sich ein bisschen mehr M\u00fche gegeben,&#8220; so die S\u00fcddeutsche Zeitung weiter, &#8222;h\u00e4tte sie in zahlreichen Vortr\u00e4gen Atshans, die frei zug\u00e4nglich im Internet zu finden sind, einen sehr ausgewogen argumentierenden pal\u00e4stinensischen Qu\u00e4ker kennenlernen k\u00f6nnen, der nicht zu Gewalt aufruft gegen Israel, sondern die Notwendigkeit gewaltlosen Protestes betont.&#8220;<\/p>\n<p>Entsprechend habe er in seinem Vortrag am ICI-Institute weder BDS erw\u00e4hnt, noch zur Gewalt gegen\u00fcber Israel auf gerufen. Er habe lediglich \u00fcber schwules Leben in einer patriarchalish gepr\u00e4gten pal\u00e4stinensischen Gesellschaft geredet, die unter Besatzung lebt. Zudem spreche doch, so die S\u00fcddeutsche Zeitung weiter, allein die Tatsache, dass Atshan in einem J\u00fcdischen Museum sprechen wollte, f\u00fcr seine Dialogbereitschaft.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das J\u00fcdische Museum in Berlin, bekannt durch seine spektakul\u00e4re Libeskind-Architektur, legt gro\u00dfen Wert darauf, eine moderne, weltoffene und der pluralistisch-wissenschaftlichen Diskussion verpflichtete Institution zu sein. 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