{"id":8570,"date":"2018-07-18T17:55:29","date_gmt":"2018-07-18T17:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8570"},"modified":"2018-07-19T05:41:36","modified_gmt":"2018-07-19T05:41:36","slug":"nelson-mandela-apartheid-palaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8570","title":{"rendered":"Nelson Mandela, Apartheid, Pal\u00e4stina"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8572\" style=\"width: 308px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-mandelapalestine.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8572\" class=\"wp-image-8572 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-mandelapalestine-298x300.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-mandelapalestine-298x300.jpg 298w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-mandelapalestine-300x302.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/18-07-17-mandelapalestine.jpg 665w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8572\" class=\"wp-caption-text\">Bild: never before campaign<\/p><\/div>\n<p><strong>&#8222;Die Apartheid hat keine Zukunft&#8220; &#8211; Nelson Mandela und die israelische Politik. <\/strong><strong>Ein fingierter Brief an Thomas L. Friedman (Kolumnist der New York Times)<\/strong><\/p>\n<p>Den folgenden fingierten Brief schrieb nicht Nelson Mandela Anfang April 2001, sondern ein Student in S\u00fcdafrika. Er ist f\u00fcr uns von der Homepage der Universit\u00e4t von Johannesburg heruntergeladen worden. Der anonyme Autor verwendet Originalzitate und Standpunkte des &#8222;wise old man&#8220; und \u00fcbertr\u00e4gt diese Sichtweise auf die Verh\u00e4ltnisse in Israel\/Pal\u00e4stina.<!--more--><\/p>\n<p>Lieber Thomas,<br \/>\nIch wei\u00df, dass du und ich den Frieden im Nahen Osten w\u00fcnschen, aber bevor du fortf\u00e4hrst, \u00fcber die notwendigen Bedingungen aus einer israelischen Perspektive zu sprechen, solltest du wissen, was ich dar\u00fcber denke. Wo soll ich beginnen? Wie w\u00e4re es mit 1964?<\/p>\n<p>Lass mich zitieren, was ich w\u00e4hrend meines Prozesses gesagt habe. Es ist heute genauso wahr wie damals: &#8222;Ich habe gegen eine wei\u00dfe Vorherrschaft gek\u00e4mpft und ich habe gegen eine schwarze Vorherrschaft gek\u00e4mpft. Ich habe nach dem Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft gestrebt, in der alle Menschen in Eintracht und mit gleichen Chancen leben. Es ist ein Ideal, f\u00fcr das ich zu leben und das ich zu erreichen hoffe. Und wenn es sein muss, ist es auch ein Ideal, f\u00fcr das ich zu sterben bereit bin.&#8220;<\/p>\n<p>Heute erkennt die Welt, erkennen Schwarze und Wei\u00dfe, dass die Apartheid keine Zukunft hat. In S\u00fcdafrika wurde sie beendet durch unsere eigenen entschlossenen Massenaktionen, damit Frieden und Sicherheit entstehen konnten. Diese Massenbewegung des zivilen Ungehorsams und andere Aktionen konnten nur in die Errichtung der Demokratie m\u00fcnden. Vielleicht ist es ungewohnt f\u00fcr dich, die Situation in Pal\u00e4stina oder genauer: die Struktur der politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis als ein Apartheid-System zu betrachten. Das kommt daher, dass du f\u00e4lschlicherweise davon ausgehst, das Problem Pal\u00e4stinas h\u00e4tte 1967 begonnen. So war es deiner j\u00fcngsten Kolumne &#8222;Bush`s First Memo&#8220; in der New York Times vom 27. M\u00e4rz 2001 zu entnehmen. Du schienst \u00fcberrascht dar\u00fcber zu sein, dass auch noch Probleme von 1948 auf eine L\u00f6sung warten, wovon das wichtigste das R\u00fcckkehrrecht der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge ist.<\/p>\n<p>Der pal\u00e4stinensisch-israelische Konflikt ist eben nicht nur eine Frage der milit\u00e4rischen Besetzung und Israel ist kein Land, das &#8222;normal&#8220; gegr\u00fcndet wurde und nur zuf\u00e4llig 1967 ein anderes Land besetzt hat. Die Pal\u00e4stinenser k\u00e4mpfen nicht f\u00fcr einen &#8222;Staat&#8220;, sondern f\u00fcr Freiheit, Befreiung und Gleichheit, so wie wir f\u00fcr Freiheit in S\u00fcdafrika gek\u00e4mpft haben. In den vergangenen Jahren, insbesondere w\u00e4hrend der Regierungszeit der Arbeitspartei, lie\u00df Israel erkennen, dass es nicht gewillt war zur\u00fcckzugeben, was es 1976 besetzt hatte: Die Siedlungen sollten bleiben, Jerusalem sollte unter israelischer Oberhoheit bleiben und die Pal\u00e4stinenser sollten keinen unabh\u00e4ngigen Staat haben, sondern weiter unter israelischer wirtschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit stehen, die in der Kontrolle Israels \u00fcber Grenzen, Land, Luft, Wasser und Meer besteht. Israel dachte nicht an einen &#8222;Staat&#8220;, sondern an &#8222;Abtrennung&#8220; (&#8222;separation&#8220;). Der Nutzen einer Abtrennung liegt f\u00fcr Israel in der M\u00f6glichkeit, den j\u00fcdischen Staat j\u00fcdisch zu halten und keine pal\u00e4stinensische Minderheit zu haben, die irgendwann in der Zukunft zu einer Mehrheit werden k\u00f6nnte. Sollte dies geschehen, w\u00e4re Israel gezwungen, entweder ein weltlicher oder binationaler Staat zu werden, oder sich nicht nur de facto, sondern auch de jure in einen Apartheid-Staat zu verwandeln.<\/p>\n<p>Thomas, wenn du die Umfragen der letzten 30 oder 40 Jahre verfolgst, st\u00f6\u00dft du auf einen ausgepr\u00e4gten Rassismus: Ein Drittel der israelischen Bev\u00f6lkerung bekennen sich offen dazu Rassisten zu sein. Dieser Rassismus ist von der Art: &#8222;Ich hasse Araber&#8220; und &#8222;Ich w\u00fcnschte, dass die Araber tot sind.&#8220; Auch wenn du dir das Rechtssystem in Israel ansiehst, wirst du finden, dass es die Pal\u00e4stinenser diskriminiert, und wenn du dar\u00fcber hinaus die 1967 okkupierten Gebiete betrachtest, siehst du, dass hier sogar zwei Rechtssysteme zur Anwendung kommen, die zwei unterschiedliche Herangehensweisen an Menschenleben repr\u00e4sentieren: eine f\u00fcr pal\u00e4stinensisches Leben und die andere f\u00fcr israelisches Leben. Hinzu kommen zwei unterschiedliche Ansichten \u00fcber Besitz und Land. Pal\u00e4stinensisches Eigentum wird nicht als Privateigentum angesehen, weil es beschlagnahmt werden kann. Bez\u00fcglich der israelischen Besetzung der Westbank und des Gazastreifens kommt noch ein Moment hinzu. Die so genannten &#8222;Autonomen pal\u00e4stinensischen Gebiete&#8220; sind Bantustans. Dies sind begrenzte Einheiten innerhalb der Machtstruktur des israelischen Apartheid-Systems. Der pal\u00e4stinensische Staat kann nicht ein Nebenprodukt des j\u00fcdischen Staates sein, nur um die j\u00fcdische Reinheit Israels aufrecht zu erhalten. Israels Rassendiskriminierung geh\u00f6rt zum Alltag der meisten Pal\u00e4stinenser. Seitdem Israel ein j\u00fcdischer Staat ist, genie\u00dfen Israels Juden Sonderrechte, die Nicht-Juden nicht haben. Pal\u00e4stinensische Araber haben in einem &#8222;j\u00fcdischen&#8220; Staat keinen Platz. Apartheid ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Israel hat Millionen von Pal\u00e4stinensern ihrer Freiheit und ihres Eigentums beraubt. Es hat ein System kolossaler Rassendiskriminierung und Ungleichheit aufrecht erhalten. Es hat &#8211; unter Missachtung der Regeln des internationalen Rechts &#8211; systematisch Tausende von Pal\u00e4stinensern eingekerkert und gefoltert. Es hat einen Krieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung, insbesondere gegen Kinder gef\u00fchrt. Die Antworten, die S\u00fcdafrika auf die Missachtung der Menschenrechte gab, begannen mit der Abschaffung der Praktiken bzw. der Apartheid-Politik &#8211; sie werfen ein Licht darauf, was auch die israelische Gesellschaft unbedingt tun muss, bevor man von einem gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten und vom Ende der Apartheid-Politik sprechen kann.<\/p>\n<p>Thomas, ich lehne Nahost-Diplomatie nicht ab. Aber ich mit dir nicht so nachsichtig sein wie deine Anh\u00e4nger. Wenn du Frieden und Demokratie willst, werde ich dich unterst\u00fctzen. Wenn du eine offizielle Apartheid willst, werden wir dich nicht unterst\u00fctzen. Wenn du rassistische Diskriminierung und ethnische S\u00e4uberung willst, werden wir uns dagegen weden. Wenn du dir klar dar\u00fcber bist, was du willst, sag es mir.<\/p>\n<p>Aus dem Englischen: Pst<br \/>\nQuelle: ag-friedensforschung 2001<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Israel\/mandela.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/Israel\/mandela.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Apartheid hat keine Zukunft&#8220; &#8211; Nelson Mandela und die israelische Politik. Ein fingierter Brief an Thomas L. 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