{"id":8703,"date":"2018-09-12T12:28:09","date_gmt":"2018-09-12T12:28:09","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8703"},"modified":"2018-09-12T12:28:09","modified_gmt":"2018-09-12T12:28:09","slug":"keine-gerechtigkeit-ohne-rueckkehr-der-fluechtlinge-vor-70-jahren-ermordeten-zionisten-in-jerusalem-den-un-vermittler-graf-folke-bernadotte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8703","title":{"rendered":"\u201eKeine Gerechtigkeit ohne R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge\u201c: Vor 70 Jahren ermordeten Zionisten in Jerusalem den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8708\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Folke_Bernadotte_scoutchefen-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Folke_Bernadotte_scoutchefen-198x300.jpg 198w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Folke_Bernadotte_scoutchefen.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien f\u00fcr einen j\u00fcdischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf. Doch in kurzer Zeit wandelte sich der schwedische Diplomat zu einem Anwalt der arabischen Fl\u00fcchtlinge \u2013 eine Haltung, die zionistische Attent\u00e4ter nicht dulden wollten.<br \/>\n<em>Von Heiko Flottau.<\/em><\/p>\n<p>Israel war nach seiner offiziellen Staatsgr\u00fcndung am 14. Mai 1948 gerade einmal sechs Tage alt, als am 20. Mai der schwedische UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte den neuen Staat betrat. Er war von den Vereinten Nationen geschickt worden, um im Krieg, den arabische Staaten gegen Israel begonnen hatten, zu vermitteln. <!--more-->Schon seine Ankunft in Jerusalem stand unter keinem g\u00fcnstigen Vorzeichen. Mitglieder der terroristischen Stern-Bande kurvten in ihren Autos durch die Stadt und riefen \u201eStockholm geh\u00f6rt Ihnen, Jerusalem ist unser.\u201c Damit nicht genug: \u201eSie arbeiten vergeblich\u201c, riefen sie Bernadotte zu, \u201esolange es einen einzigen Feind unserer Sache gibt, haben wir eine Kugel f\u00fcr ihn in unserem Magazin.\u201c<\/p>\n<p>Es dauerte nur knapp vier Monate, bis eine Kugel den schwedischen UN-Vermittler traf. Am 17. September 1948, vor siebzig Jahren also, ermordeten Mitglieder der Stern-Bande Folke Bernadotte in Jerusalem. Die Stern-Bande war eine Abspaltung der Irgun-Bande. Diese hatte am 22. Juli 1946 einen Fl\u00fcgel des King David Hotel in Jerusalem in die Luft gesprengt, wo sich Teile der britischen Mandatsregierung und Abteilungen des britischen Generalstabes f\u00fcr Pal\u00e4stina befanden. Die Irgun unter Befehl des sp\u00e4teren israelischen Premierministers Menachem Begin t\u00f6tete 91 Soldaten und Zivilisten. Ein knappes Jahr sp\u00e4ter, am 9. April 1947, schlug ein Kommando der Irgun wieder zu. Bewaffnete Zionisten \u00fcberfielen das arabische Dorf Deir Yassin an den Au\u00dfenbezirken Jerusalems und ermordeten etwa 100 Zivilisten. Die Botschaft der Angreifer: Den Pal\u00e4stinensern sollte das Massaker Warnung sein, im Falle der Staatsgr\u00fcndung Israels von jedem Widerstand abzusehen.<\/p>\n<p>Die Drohung, welche die Zionisten gleich nach der Ankunft auch gegen\u00fcber Folke Bernadotte ausgesprochen hatten, zeigte in dieselbe Richtung: Auch der UN-Mann werde eine Kugel bekommen, sollte er sich den politischen Zielen und der Politik Israels entgegenstellen. Diese r\u00fcde Warnung traf einen Mann, der h\u00f6chste humanit\u00e4re Referenzen mit nach Pal\u00e4stina brachte. Von 1943 bis 1948 war er erst Vizepr\u00e4sident, dann Pr\u00e4sident des schwedischen Roten Kreuzes. In dieser Funktion verhandelte er mit keinem anderen als Heinrich Himmler. Bernadottes Ziel: die Freilassung skandinavischer KZ-H\u00e4ftlinge; etwa 8000 kamen frei, etwa 10.000 bis 12.000 H\u00e4ftlinge anderer Nationen wurden durch die Bem\u00fchungen von Bernadotte gerettet. Unter diesen befreiten H\u00e4ftlingen waren nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen auch etwa 5000 Juden.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlicherweise war Bernadotte auf Grund seiner beruflichen Biographie der Gr\u00fcndung eines j\u00fcdischen Staates in Pal\u00e4stina nicht abgeneigt. Er kannte die Gr\u00e4uel der Nationalsozialisten zu gut, um nicht der \u00dcberzeugung zu sein, dass den Juden nach dem Holocaust ein eigener, sicherer Staat zustehe. Den Arabern stand er zun\u00e4chst skeptisch gegen\u00fcber. Auch war er der Meinung, dass zum Zeitpunkt seiner Ankunft das pal\u00e4stinensische Nationalbewusstsein ebensowenig ausgepr\u00e4gt sei wie der Wunsch nach einem eigenen Staat.<\/p>\n<h2>Bernadottes Wandlung: Vom Zionisten zum Anwalt der Fl\u00fcchtlinge<\/h2>\n<p>Doch im Verlaufe seiner kurzen, nur vier Monate dauernden Vermittlert\u00e4tigkeit ver\u00e4nderte sich seine Meinung. Eine seiner Hauptsorgen galt den pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingen. Bernadotte forderte die R\u00fcckkehr der etwa 700.000 von Israel vertriebenen Pal\u00e4stinenser. Das Schicksal der Fl\u00fcchtlinge, schrieb Bernadotte in einem Bericht an die Vereinten Nationen, sei eines der Haupthindernisse f\u00fcr die Beilegung des israelisch-arabischen Konfliktes. Es sei nicht zu widerlegen, schrieb Bernadotte, dass eine L\u00f6sung \u201enicht gerecht und vollst\u00e4ndig\u201c sein k\u00f6nne, \u201ewelche die Rechte der arabischen Fl\u00fcchtlinge auf R\u00fcckkehr in ihre Heimat nicht anerkenne\u201c. Der folgende Satz, den Bernadotte an die UN in New York schrieb, k\u00f6nnte auch heute geschrieben sein:<\/p>\n<p>\u201eEs w\u00e4re ein Vergehen gegen die Prinzipien elementarer Gerechtigkeit , wenn den unschuldigen Opfern des Konfliktes das Recht der R\u00fcckkehr in ihre H\u00e4user verwehrt w\u00fcrde, w\u00e4hrend j\u00fcdische Einwanderer nach Pal\u00e4stina flie\u00dfen\u201c und dadurch, wie Bernadotte sich ausdr\u00fcckte, die andauernde Vertreibung der arabischen Fl\u00fcchtlinge verursachten, \u201edie f\u00fcr Jahrhunderte in diesem Land verwurzelt sind.\u201c<\/p>\n<p>Das Schicksal der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge wurde zum Hauptanliegen von Bernadotte. Nach einem Besuch in einem Fl\u00fcchtlingslager in Ramallah schrieb Bernadotte:<\/p>\n<p>\u201eIch habe sehr viele Fl\u00fcchtlingslager gesehen; aber niemals zuvor habe ich eine grauenhaftere Szene in meinen Augen gesehen als in Ramallah. Unser Auto wurde von aufgeregten Massen geradezu gest\u00fcrmt, die mit orientalischer Leidenschaft schrieen, dass sie Essen wollten und dass sie in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren wollten. Es gab eine Menge von erschrockenen Gesichtern in diesem Meer einer leidenden Menschheit. Ich erinnere mich nicht zuletzt an eine Gruppe abgerissener und hilfloser alter M\u00e4nner mit ungepflegten B\u00e4rten, die ihre eingefallenen Gesichter in das Auto dr\u00e4ngten und Fetzen von Brot zeigten, welche mit Sicherheit von normalen Leuten als nicht genie\u00dfbar angesehen w\u00fcrden; aber es war ihre einzige Nahrung.\u201c<\/p>\n<h2>Bernadotte: Israels Staatsfeind Nummer 1<\/h2>\n<p>Alle Bem\u00fchungen Bernadottes, bei den Israelis eine humane L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems zu erreichen, waren vergeblich. Bernadotte bekam den Eindruck, dass, wie er sagte, der erste Feind der Israelis die Araber seien und dass die Beobachter der Vereinten Nationen gleich an zweiter Stelle k\u00e4men. Bernadotte informierte den israelischen Au\u00dfenminister Moshe Sharett, dass die Beobachter der UN um 300 neue Offiziere verst\u00e4rkt werden w\u00fcrden, die, wie Bernadotte sagte, bei ihrer Ankunft der j\u00fcdischen Sache durchaus sympathisch gegen\u00fcberstehen w\u00fcrden. Doch er wusste, dass die schrecklichen Verh\u00e4ltnisse ihre Meinung bald ins Gegenteil verkehren w\u00fcrden. \u201eIch konnte nicht verstehen (\u2026), warum die j\u00fcdische Regierung gegen\u00fcber dem Vertreter der UN eine solche Haltung von Arroganz und Feindschaft annahm.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem die arabische Seite zu verstehen gegeben hatte, dass sie jede Verhandlung mit Israel ablehnen w\u00fcrde, wenn nicht die Fl\u00fcchtlinge in ihre angestammte Heimat zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten, und nachdem Bernadotte diese Haltung auch zu seiner eigenen gemacht hatte, hatte er, wie er schrieb, die Araber als Feind Nummer Eins der Israelis abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Dann kam der verh\u00e4ngnisvolle 17. September 1948. Bernadotte reiste nach Jerusalem, um ein Geb\u00e4ude zu besichtigen, in welchem er sein neues Hauptquartier einrichten wollte. Sein pers\u00f6nlicher Berater, General Aage Landstr\u00f6m, warnte Bernadotte, angesichts der K\u00e4mpfe an der Front rund um Jerusalem ein Risiko f\u00fcr sein Leben zu vermeiden und eine Umgehungsstra\u00dfe nach Jerusalem zu nehmen. Bernadotte aber antwortete, er habe dieselben Risiken einzugehen wie alle anderen UN-Beobachter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Passage durch die j\u00fcdischen Linien wurde Bernadottes Konvoi aufgehalten. Ein Mann, berichtete Aage Landstr\u00f6m sp\u00e4ter, habe sein Gewehr direkt durch das Fenster geschoben und auf Graf Bernadotte gezielt und den ebenfalls im Auto sitzenden Colonel Serot getroffen. Serot sei sofort tot gewesen, Bernadotte sei schwer verwundet worden. Bernadotte starb kurz darauf.<\/p>\n<h2>Stand Jitzhak Shamir hinter dem Mord?<\/h2>\n<p>Sp\u00e4ter berichtete Landstr\u00f6m, dass der Ort des Anschlages sorgf\u00e4ltig ausgesucht worden sei und dass die Attent\u00e4ter nicht nur genau gewusst h\u00e4tten, in welchem Auto des Konvois Bernadotte gefahren sei, sondern auch, auf welchem Sitz er gesessen habe.<\/p>\n<p>Die Attent\u00e4ter identifizierten sich sp\u00e4ter als \u201eVaterl\u00e4ndische Front\u201c, eine Untergruppe der Stern-Bande, deren Kommandant Jitzhak Shamir war, der sp\u00e4tere Ministerpr\u00e4sident. Shamir verschwand zun\u00e4chst im Untergrund. Kurz bevor Shamir 1986 Premierminister Israels wurde, schrieb Benny Morris, einer der sogenannten \u201eNeuen Historiker\u201c und Autor mehrerer B\u00fccher, welche auch die Vertreibung der Pal\u00e4stinenser behandeln, in der \u201eJerusalem Post\u201c, man gehe davon aus, dass Shamir der Hauptorganisator des Mordes an Graf Bernadotte gewesen sei.<\/p>\n<p>Gleich nach dem Mord meldeten sich die Attent\u00e4ter in einem Brief an die Nachrichtenagentur Agence France Press und erkl\u00e4rten, dass ihrer Meinung nach \u201ealle UN-Beobachter in Pal\u00e4stina Mitglieder einer ausl\u00e4ndischen Besatzungsmacht sind, welche kein Recht haben, in unserem Land zu sein.\u201c Zwei der Attent\u00e4ter, unter ihnen Yalin-Mor, wurden vor Gericht gestellt. In der Verhandlung bezeichnete Yalin-Mor Bernadotte \u2013 man erinnere sich: Bernadotte hatte 5000 Juden das Leben gerettet \u2013 als Feind des j\u00fcdischen Volkes, der sowohl die \u00dcbernahme des K\u00f6nigreiches Transjordanien durch die Zionisten als auch die Besetzung ganz Pal\u00e4stinas durch die Zionisten verhindern wolle. Yalin-Mor wurde 1949 zu acht Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt, kam aber schnell wieder frei, weil er bei den Knesset-Wahlen im Januar 1949 einen Parlamentssitz gewonnen hatte. F\u00fcr die Attent\u00e4ter entspannte sich die Lage derart, dass Yitzhak Shamir aus dem Untergrund wieder auftauchen konnte.<\/p>\n<p>Die Ermordung Graf Bernadottes war keine bedauerliche Einzeltat, vielmehr zeigt sie ein Kontinuum der zionistischen Besetzung Pal\u00e4stinas. Ein Blick in die Geschichte und eine Analyse der j\u00fcngeren Vergangenheit beweisen diese traurige Tatsache. Im Jahre 1923 ver\u00f6ffentlichte Wladimir Jabotinsky, ein in Odessa geborener und nach Pal\u00e4stina eingewanderter Jude, einen Aufsatz unter dem Titel \u201eDie Eiserne Mauer\u201c. Seine These: Da sich die pal\u00e4stinensischen Araber verst\u00e4ndlicherweise gegen die j\u00fcdische Landnahme wehren w\u00fcrden, m\u00fcssten die Zionisten so stark sein, dass jeder einheimische Widerstand an ihnen wie an einer \u201eeisernen Mauer\u201c abpralle. Das eingangs erw\u00e4hnte Massaker von Deir Yassin, ver\u00fcbt durch die Irgun-Bande, und der Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem sind Indizien f\u00fcr diese zionistische Macht, an der jeder Widerstand abprallen solle wie an einer eisernen Mauer. Die Ermordung Graf Bernadottes reiht sich nahtlos in diese Kette der Gewalt ein.<\/p>\n<h2>Spirale der Gewalt<\/h2>\n<p>Um eine solche Entwicklung in Zukunft zu verhindern, warnte die j\u00fcdische Philosophin Hannah Arendt nach dem Zweiten Weltkrieg, der neue Staat Israel d\u00fcrfe sich von seiner arabischen Umgebung nicht abschotten, andernfalls er eine \u201eWagenburgmentalit\u00e4t\u201c entwickeln werde. Und ein anderer fr\u00fcher Zionist, Asher Ginsberg (1856-1927), schrieb unter seinem angenommenen j\u00fcdischen Namen Ahad Haam, die j\u00fcdischen Einwanderer m\u00fcssten den einheimischen Arabern mit Respekt begegnen. Aber, schrieb er: \u201eWas tun unsere Br\u00fcder in Pal\u00e4stina? Knechte waren sie in den L\u00e4ndern der Diaspora\u201c, in Pal\u00e4stina aber behandelten sie \u201edie Araber mit Feindschaft und Grausamkeit, berauben sie ihrer Rechte, beleidigen sie grundlos und prahlen obendrein mit ihren Taten.\u201c<\/p>\n<p>So war der Mord an Folke Bernadotte vom 17.September 1948 nicht das Ende der Gewalt in Pal\u00e4stina; die andauernde israelische Besatzung stie\u00df bald auch auf pal\u00e4stinensischen gewaltsamen Widerstand. Zun\u00e4chst einmal: Das von Bernadotte beklagte, erb\u00e4rmliche Los der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge und Vertriebenen f\u00fchrte 1949 zur Gr\u00fcndung der UNWRA, der \u201eUnited Nations Work and Reliief Agency\u201c, des bisher einzigen Fl\u00fcchtlingshilfswerkes, das auf eine spezielle Gruppe zielt \u2013 auf die von Israel vertriebenen Pal\u00e4stinenser. Bis heute leistet es wertvolle Hilfe f\u00fcr die 1948 und dann im Sechs-Tage-Krieg von 1967 vertriebenen Pal\u00e4stinenser. Israel war die UNWRA stets ein Dorn im Auge, erinnerte es doch t\u00e4glich an die Ereignisse von 1948\/49. Jetzt hat US-Pr\u00e4sident Donald Trump, sehr zur Erleichterung der israelischen Regierung, die US-Mittel f\u00fcr die UNWRA gestrichen. So wird die Not der Fl\u00fcchtlinge und ihrer Nachkommen noch gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Geblieben ist auch die Gewalt. Immer wieder brachen \u2013 zum Beispiel \u2013 pal\u00e4stinensische Freisch\u00e4rler nach Israel ein und t\u00f6teten manche der Zugewanderten. Als israelische Vergeltungsma\u00dfnahme ist das Massaker von Qibya in Erinnerung. Nach einem \u00dcberfall aus dem Dorf auf israelische B\u00fcrger sammelte Ariel Sharon eine Streitmacht, \u00fcberfiel das Dorf Mitte Oktober 1953 , t\u00f6tete 69 Pal\u00e4stinenser, zerst\u00f6rte eine Schule, eine Moschee und 45 H\u00e4user. Schon fr\u00fch hatte Jassir Arafats Fatah-Bewegung zum gewaltsamen Kampf gegen Israel aufgerufen \u2013 bis der Pal\u00e4stinensische Nationalkongress 1988 in Algier die Existenz Israels anerkannte.<\/p>\n<p>Die Gewalt ging bald auch von der internationalen Ebene aus. 1956 besetzte eine Allianz aus England, Frankreich und Israel die Suezkanalzone, nachdem Gamal Abdel Nasser, der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident, den bis dahin in vornehmlich britischen Besitz befindlichen Kanal verstaatlicht hatte. 1967 eroberte Israel in einem von ihm so genannten Pr\u00e4ventivschlag die Halbinsel Sinai, den Rest des Westjordanlandes, Ost-Jerusalem und die syrischen Golanh\u00f6hen. 1972 \u00fcberfielen bewaffnete Pal\u00e4stinenser die israelische Olympiamannschaft in M\u00fcnchen, elf israelische Geiseln fanden den Tod, f\u00fcnf Geiselnehmer wurden get\u00f6tet, ein Polizist starb. 1973 griffen \u00c4gypten und Syrien Israel an, sie verfolgten das Ziel, die 1967 verlorenen Gebiete wiederzugewinnen. 1982 lie\u00df Verteidigungsminister Ariel Sharon seine Truppen in den Libanon einr\u00fccken und Jassir Arafat aus Beirut nach Tunis vertreiben.<\/p>\n<h2>Aggressionen und Reaktionen<\/h2>\n<p>1994 erschoss Baruch Goldstein in Hebron 29 betende Muslime, 150 wurden verletzt. 1995 ermordete der aus einer j\u00fcdisch-orthodoxen Familie stammende Yigal Amir den israelischen Premier Yitzhak Rabin. Sein Motiv: Amir sah die Friedensvertr\u00e4ge von Oslo als nationalen Verrat an. 1996 lie\u00df Israels Premier Shimon Peres im Kampf gegen die Hisbollah abermals Truppen in den Libanon einr\u00fccken, bei einem Angriff auf einen UN-Posten bei der Stadt Kanaa kamen 106 Menschen ums Leben, darunter viele Kinder. 2008\/2009, 2012 und 2014 f\u00fchrte Israel im Gazastreifen Krieg gegen die \u201eIslamische Widerstandsbewegung\u201c (Hamas). Und von 1997 bis 2003 sowie von 2000 bis etwa zum Tod von Jassir Arafat 2004 lehnten sich die Pal\u00e4stinenser in der ersten und zweiten Intifada gegen die israelische Besatzung auf.<\/p>\n<p>Zahlreiche pal\u00e4stinensische Attentate auf israelische Zivilisten veranlassten Israel Anfang der Zweitausender Jahre, zum Bau eines Trennzaunes und einer bis zu acht Meter hohen Trennmauer. 2002 ver\u00fcbte die Hamas in der israelischen Stadt Netanja ein Attentat, bei dem drei\u00dfig Israelis get\u00f6tet und 140 verletzt wurden. Premier Sharon lie\u00df daraufhin israelische Truppen in einer gro\u00df angelegten \u201eSicherheitsoperation\u201c ins Westjordanland einmarschieren, wobei auch Jassir Arafat in der Mukataa, seinem Amtssitz in Ramallah, belagert wurde. Dort hielten sich auch jene Attent\u00e4ter auf, die zuvor den israelischen Tourismusminister Rehavom Zeevi ermordet hatten.<\/p>\n<p>Die Spur der Gewalt hat alle Friedensbem\u00fchungen \u2013 etwa die Vertr\u00e4ge von Oslo 1993 und 1995 \u2013 zunichte gemacht. Vorl\u00e4ufiger Schlusspunkt dieser durch Jahrzehnte f\u00fchrenden \u2013 hier sicher nicht vollst\u00e4ndig verfolgten \u2013 Trasse der Gewalt ist ein nur scheinbar gewaltloser Akt: die Verabschiedung des israelischen Staatsb\u00fcrgerschaftsgesetzes im Sommer 2018, das den Pal\u00e4stinensern nun auch ganz offiziell den Status einer Minderheit mit minderen Rechten zuschreibt.<\/p>\n<p>Wie hatten doch die Mitglieder der Stern-Bande bei der Ankunft Graf Folke Bernadottes auf ihre Fahnen geschrieben ? \u201eSolange es einen einzigen Feind unserer Sache gibt, haben wir eine Kugel f\u00fcr ihn in unserem Magazin.\u201c Das Magazin, aus dem jetzt geschossen wurde, ist zwar das gew\u00e4hlte israelische Parlament. Aber f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser im Land, immerhin ein F\u00fcnftel der Einwohner Israels, bedeutet diese politische Salve den Sto\u00df in die politische Verbannung innerhalb ihrer angestammten Heimat, in der sie, wie Folke Bernadotte 1948 an die UN geschrieben hatte, \u201ef\u00fcr Jahrhunderte (\u2026) verwurzelt sind\u201c.<\/p>\n<h2>Quellen:<\/h2>\n<p>David Hirst: The Gun and the Olive Branch. The Origins of Violence in the Middle East. London 1977<br \/>\nLenni Brenner: The Iron Wall. Zionist Revisionism from Jabotoinsky to Shamir. London 1984.<br \/>\nIlan Pappe: The Ethnic Cleansing of Palestine. Oxford 2006.<br \/>\nRolf Verleger: Hundert Jahre Heimatland ? Judentum und Israel zwischen N\u00e4chstenliebe und Nationalismus. Frankfurt am Main 2017<br \/>\nIlan Pappe: The Biggest Prison on Earth: A History of the Occupied Territories. 2017<\/p>\n<p>12September . 2018 um 12:00 Uhr | Verantwortlich: Redaktion<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht in: Erosion der Demokratie, Gedenktage\/Jahrestage, Israel, Milit\u00e4reins\u00e4tze\/Kriege<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigun): <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NachDenkSeiten v. 12.09.2018 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien f\u00fcr einen j\u00fcdischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf. 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