{"id":8745,"date":"2018-09-29T04:44:39","date_gmt":"2018-09-29T04:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=8745"},"modified":"2018-09-29T04:44:48","modified_gmt":"2018-09-29T04:44:48","slug":"trumps-nahost-politik-grotesk-absurd-irrational-irrsinn-armageddon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=8745","title":{"rendered":"Trumps Nahost-Politik: grotesk \u2013 absurd \u2013 irrational \u2013 Irrsinn &#8211; Armageddon"},"content":{"rendered":"<p>Michaels L\u00fcders neues Buch enth\u00fcllt haarstr\u00e4ubende Zusammenh\u00e4nge, wie die USA, Israel und Saudi-Arabien die Region destabilisieren und den Krieg gegen den Iran vorbereiten.<br \/>\n<em>Arn Strohmeyer<\/em><\/p>\n<p>Der Nahostexperte Michael L\u00fcders warnt in seinem neuen Buch \u201eArmageddon im Orient. <!--more-->Wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt\u201c seine Leser: \u201eBei der Lekt\u00fcre werden vermutlich nicht wenige denken: Das kann doch alles gar nicht sein. Der Autor \u00fcbertreibt, das ist unm\u00f6glich. Leider nein, hier geht es darum, was die Welt tats\u00e4chlich in ihrem Innersten zusammenh\u00e4lt, jenseits der Sprechblasen von Demokratie und Menschenrechten. Um das, was in den Hinterzimmern der Macht ausgehandelt wird. Um die Hardware.\u201c Was dieser Autor schreibt, hat Hand und Fu\u00df, seine Recherchen sind bestens abgesichert. Das Ergebnis seiner Arbeit ist mehr als erschreckend: Da spielen einige amerikanische Superreiche, die sich den Staat untertan gemacht haben, selbst die Regeln bestimmen und die staatliche Politik mit ihren Privatgesch\u00e4ften permanent vermischen, nicht nur mit dem Schicksal einer Region (des Nahen und Mittleren Ostens), sondern mit dem Schicksal der ganzen Welt. V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte interessieren sie nicht im geringsten.<\/p>\n<p>Das heutige Machtsystem in den USA beschreibt L\u00fcders so: \u201eMit F\u00f6rmlichkeiten halten sich Pr\u00e4sident Trump und Jared Kushner [der Schwiegersohn Trumps] nicht weiter auf. Sie symbolisieren den vulg\u00e4r-clownesken H\u00f6hepunkt eines entfesselten Finanzmarktkapitalismus, in dem die Vetternwirtschaft keiner Maske mehr bedarf. Sie ist sich selbst gen\u00fcge; the winner takes it all. Es w\u00e4re ein Irrtum, Trump f\u00fcr einen Betriebsunfall der Demokratie zu halten. Vielmehr verk\u00f6rpert er den Sieg der Kasino\u00f6konomie \u00fcber die Politik, verwandelt er den Staat in eine Aktion\u00e4rsversammlung, in der Geld gleichbedeutend ist mit Macht. Ein oder mehrere Gro\u00dfspender wollen Jerusalem als Hautstadt Israels? Kein Problem sofern der Preis stimmt.\u201c<\/p>\n<p>Die Hauptakteure in diesem brandgef\u00e4hrlichen Spiel im Nahen und Mittleren Osten sind neben dem irrlichternden US-Pr\u00e4sidenten Israel und Saudi-Arabien. Der zionistische Staat und die erzkonservative wahhabitische Monarchie haben seit 2015 ihre fr\u00fchere Feindschaft beigelegt, weil ihnen ein gemeinsamer Gegner erwachsen ist: der Iran, der inzwischen zum Inbegriff alles B\u00f6sen auf dieser Welt hochd\u00e4monisiert wird. L\u00fcders warnt vor solchen emotional aufputschenden Verteufelungen und fordert sachliche Analysen der wirklichen Interessenlagen der Beteiligten.<\/p>\n<p>Der Autor sieht keine milit\u00e4rische oder \u201eterroristische\u201c Bedrohung durch den Iran, sodass auch die Sicherheitsbed\u00fcrfnisse anderer Staaten \u2013 etwa Israels \u2013 nicht der Kern des Konflikts sind, sondern das Streben nach der regionalen Vorherrschaft: \u201eEs geht weniger um den rationalen Umgang mit einer vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen iranischen Bedrohung, sondern um die Machtverteilung in der Region und die Eind\u00e4mmung des \u201aSchurkenstaates\u2018 [Iran].\u201c Die USA verfolgen vor allem auch das Ziel, die milit\u00e4rische Vorherrschaft des zionistischen Staates in der Region zu zementieren. Und diese Position ist nach der Zerst\u00f6rung des Iraks und Syriens nur noch durch den Iran gef\u00e4hrdet, denn dieser Staat funktioniert und ist die bei weitem st\u00e4rkste Milit\u00e4rmacht, die in der Lage ist, die Bewegungsfreiheit des atomar bewaffneten Israel einzuschr\u00e4nken. Dabei geht es Teheran keineswegs um die \u201eVernichtung\u201c Israels (wie immer wieder behauptet wird), dazu ist der Iran milit\u00e4risch gar nicht in der Lage. Aber ein Krieg gegen den Iran ist mit einem sehr hohen Risiko verbunden, weil die Folgen v\u00f6llig unkalkulierbar sind.<\/p>\n<p>Ironie der Geschichte ist: Der Iran verdankt seine heutige starke Position in der Region nicht seiner \u201eaggressiven Expansionspolitik\u201c (wie im Westen behauptet wird), sondern ausschlie\u00dflich den Fehlern einer blinden und kopflosen westlichen Politik. Denn erst durch die amerikanische Zerst\u00f6rung des Irak im Krieg gegen Saddam Hussein 2003 und die als Folge dieses Krieges massive Verheerung Syriens sind das Chaos und das machtpolitische Vakuum angerichtet worden, das der Iran strategisch f\u00fcr sich nutzte. Wer kann es ihm verdenken? Er konnte ernten, was andere vor ihm ges\u00e4t hatten.<\/p>\n<p>L\u00fcders bringt diesen Fehler des Westens auf die Formel: \u201eTeheran hat das getan, was Geopolitik, also eine an gr\u00f6\u00dferen geographischen Zusammenh\u00e4ngen orientierte Machtpolitik, grunds\u00e4tzlich auszeichnet: Jeder Fehler der Gegenseite wird sofort f\u00fcr eigene Interessen genutzt, kein Machtvakuum geduldet. Um es klar und deutlich zu benennen: der im Westen und Israel wahrgenommene geopolitische Machtzuwachs Irans verdankt sich in erster Linie den Fehlern amerikanischer und israelischer Politik.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man meint, dass eine Weltmacht aus eigenen Fehlern lernen kann, dann ist das weit gefehlt. L\u00fcders nennt weitere Beispiele westlicher Politik im Orient, bei denen die Moral \u2013 vom V\u00f6lkerrecht ganz zu schweigen \u2013 v\u00f6llig auf der Strecke bleibt. So hat die amerikanische Politik zusammen mit Saudi-Arabien noch ein \u201eReich des B\u00f6sen\u201c ausgemacht: das Emirat Katar. Ihm wird angelastet, enge Beziehungen zum Iran zu unterhalten und damit den \u201eTerrorismus\u201c zu unterst\u00fctzen. Nun muss Katar allein aus geographischen Gr\u00fcnden gute Kontakte zu Teheran pflegen, denn beide Staaten sind Nachbarn und beuten gemeinsam das weltweit gr\u00f6\u00dfte Erdgasfeld im Persischen Golf aus, das die Seegrenzen beider Staaten \u00fcberschneidet. Saudi-Arabien sprach wegen dieser politischen N\u00e4he Katars zum Iran zusammen mit den Emiraten einen Boykott gegen den kleinen Staat aus.<\/p>\n<p>Irgendwie vermischt sich das Komplott der Saudis gegen Katar, das sicher nicht ohne Druck der USA zustande kam, mit einer famili\u00e4ren Angelegenheit der Trumps. Denn Trumps Schwiegersohn Jared Kushner hat milliardenschwere Verbindlichkeiten wegen einer Immobilie in New York und hatte bei reichen Vertretern Katars um einen Kredit nachgesucht, war mit seinem Anliegen aber gescheitert. L\u00fcders merkt dazu an: \u201eKatarischer Darstellung zufolge war der begeisterte Tweet Trumps beim Boykott Katars (\u201e\u2026Vielleicht der Anfang vom Ende des terroristischen Horrors!\u201c) eine unmittelbare Reaktion auf weitere gescheiterte Verhandlungen Kushners mit katarischen Investoren im Zusammenhang mit seiner Luxusimmobilie 666 Fifth Avenue. Wenn es Dohar [Hauptstadt und Regierungssitz Katars] gelingt, daf\u00fcr den Beweis zu erbringen, etwa auf der Grundlage gehackter Informationen, ist Kushner geliefert und Trump als Pr\u00e4sident angez\u00e4hlt. Das w\u00fcrde an Landesverrat grenzen \u2013 ein Showdown am Golf, weil der Pleitier Kushner dringend Geld ben\u00f6tigt, es aber nicht bekommt, und sein Schwiegervater zu ihm h\u00e4lt?\u201c<\/p>\n<p>Auch bei dem Krieg in Syrien ging es den USA und auch Israel nie \u2013 wie behauptet \u2013 um Demokratie und Menschenrechte, sondern um den Sturz des Assad-Regimes und den Gewinn der strategischen Tiefe in der Auseinandersetzung mit den Schiiten im Irak und Iran. Wenn der Westen (in diesem Fall die USA und die EU) im B\u00fcndnis mit der T\u00fcrkei und den Golfstaaten seinen Einsatz in Syrien mit den Gr\u00e4ueltaten des Assad-Regimes begr\u00fcndet (weil es dadurch jede Legitimit\u00e4t verloren habe), ist das, ohne das brutale Vorgehen des syrischen Diktators leugnen zu wollen, pure Heuchelei, denn die amerikanische Politik hat nie Skrupel gehabt, blutr\u00fcnstige Diktatoren zu unterst\u00fctzen, wenn sie ihren Interessen dienten. So ist der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident as-Sisi trotz gravierender Menschenrechtsverbrechen ein treuer Verb\u00fcndeter der USA. Der fr\u00fchere US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan pflegte \u00fcber solche Diktatoren zu sagen: \u201eNat\u00fcrlich sich das Verbrecher, aber es sind \u201aunsere\u2018 Verbrecher!\u201c<\/p>\n<p>L\u00fcders weist auch darauf hin, dass nicht nur die R\u00fcckeroberung Aleppos und Ost-Ghoutas durch die syrische Armee viele Opfer gekostet und furchtbare Zerst\u00f6rungen angerichtet hat, sondern genauso auch die R\u00fcckeroberung Mossuls und Raqqas durch die US-Armee und ihre Verb\u00fcndeten. L\u00fcders Schlussfolgerung: \u201eDie Kritik wird heuchlerisch, wenn sie sich ausschlie\u00dflich gegen eine Kriegspartei richtet, denn alle Kriegsparteien haben sich in Syrien wie auch im Irak dieser Methoden bedient: Einkreisen, Aushungern und Dauerbeschuss des Gegners.\u201c<\/p>\n<p>Zu hinterfragen sind auch die Vorw\u00fcrfe gegen das Assad-Regime, Giftgas eingesetzt zu haben. Besonders im Fall Ost-Ghouta. Die Truppen Assads hatten diese Stadt bereits vollst\u00e4ndig erobert \u2013 warum sollten sie dann noch Giftgas einsetzen? Das gibt keinen Sinn. Hatte der Westen nur einen Vorwand f\u00fcr seine Vergeltungsangriffe gesucht, die auch unmittelbar darauf erfolgten, und die ein klarer Bruch des V\u00f6lkerrechts waren. So wie auch das Verbleiben der amerikanischen Truppen und ihrer verb\u00fcndeten Milizen im Osten Syriens (unter dem Vorwand, die letzten K\u00e4mpfer des IS auszuschalten), ein klarer Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht ist. L\u00fcders kommentiert diesen Vorgang so: \u201eDie \u201aGuten\u2018 sind offenbar der Meinung, internationale Rechtsnormen h\u00e4tten nur dann eine Bedeutung, wenn die \u201aB\u00f6sen\u2018 sie missachten.\u201c<\/p>\n<p>Eine weitere absurde und menschenverachtende Gro\u00dftat der amerikanischen Politik (diesmal im Bunde mit Gro\u00dfbritannien und den Saudis) ist der Konflikt im Jemen. Dort k\u00e4mpfen die Huthi-Rebellen gegen die Zentralregierung in der Hauptstadt Sanaa als Reaktion auf ihre politische und wirtschaftliche Benachteiligung. Die saudische F\u00fchrung unterstellt nun den Huthis, dass sie vom Iran gesteuert seien, um Saudi-Arabien zu destabilisieren, sie verfolgten also eine Strategie der aggressiven Expansion. L\u00fcders spricht in diesem Zusammenhang von \u201eIdeologie und Paranoia\u201c und nennt folgende Gr\u00fcnde: Geostrategisch sei das Land f\u00fcr Teheran anders als der Irak, Syrien und der Libanon nur von untergeordneter Bedeutung. Die Huthis orientierten sich auch politisch gar nicht am Iran. Vor Ort sei der Iran auch nur mit Milit\u00e4rberatern pr\u00e4sent, nicht mit k\u00e4mpfenden Milizen.<\/p>\n<p>Die USA sind aber schon seit Jahren tief in diesen Krieg verwickelt. Das Huthi-Problem wird auf \u201eTerrorismus\u201c reduziert. US-Pr\u00e4sident Obama glaubte, es mit Drohnenangriffen l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, was aber die Solidarit\u00e4t unter den Huthis und ihren Widerstand nur verst\u00e4rkte. Saudi-Arabien und Abu Dhabi gehen mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gegen die Huthis vor: mit Luftangriffen und einer Totalblockade, um das Land auszuhungern und zur Kapitulation zu zwingen. Dieses Vorgehen hat dort inzwischen zu einer unvorstellbaren Not gef\u00fchrt. Die UNO spricht von der \u201eschlimmsten humanit\u00e4ren Katastrophe weltweit\u201c.<\/p>\n<p>Die Hauptverantwortung des Krieges tragen im Hintergrund aber die USA und Gro\u00dfbritannien, die den Saudis und Abu Dhabi die Waffen f\u00fcr diesen Krieg und das Kerosin f\u00fcr ihre Bombenflugzeuge liefern. L\u00fcders sieht den Jemen-Konflikt als typisches Beispiel f\u00fcr die Doppelmoral westlicher Politik: \u201eEs stellt sich die Frage, warum diese Trag\u00f6die im Gegensatz zu der syrischen zu keiner oder nur geringer Emp\u00f6rung auf Seiten westlicher Politiker und Meinungsmacher bis hinauf zum UN-Generalsekret\u00e4r f\u00fchrt. Die Antwort ist offenkundig. Nach westlicher Lesart ist Russland hauptverantwortlich f\u00fcr das Leid in Syrien, gleichrangig mit oder noch vor dem Iran und dem Assad-Regime. Die moralische Anklage ist folglich \u201apolitisch korrekt\u2018. F\u00fcr das Desaster im Jemen sind neben den beiden Kronprinzen in Riad und Abu Dhabi vor allem die USA und Gro\u00dfbritannien mit verantwortlich \u2013 und die z\u00e4hlen bekanntlich zu den \u201aGuten\u2018. Entsprechend zur\u00fcckhaltend f\u00e4llt die Kritik aus, zumal Kriegsfl\u00fcchtlinge aus dem Jemen Europa nicht erreichen, somit die hiesige Innenpolitik nicht ber\u00fchrt ist.\u201c Auch hier deutet sich ein Fehlschlag westlicher Politik an, dessen Ergebnis unter anderem ist, dass die Beziehungen der Huthis zum Iran so eng geworden sind, wie sie ohne den Konflikt niemals geworden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel f\u00fcr die Arroganz und Hybris der US-Politik ist die angestrebte \u201eL\u00f6sung\u201c des Pal\u00e4stina-Konflikts. Pr\u00e4sident Trump hat seinen Schweigersohn Jared Kushner mit der Ausarbeitung eines \u201eFriedensplans\u201c beauftragt, eine so wichtige Frage muss nat\u00fcrlich innerhalb der Familie gel\u00f6st werden! Man muss dazu anmerken, dass Kushner orthodoxer Jude ist und sich sehr f\u00fcr Israel und seine Siedlungspolitik engagiert. Gute Voraussetzungen also f\u00fcr diese schwierige Aufgabe. Da ahnt man dann schon im Voraus, wie dieser Plan aussehen soll, der noch streng geheim ist, aber so viel ist durchgesickert: Die Pal\u00e4stinenser sollen ein paar nicht zusammenh\u00e4ngende kleine Flecken im Westjordanland bekommen, der kleine Jerusalemer Vorort Abu Dis soll ihre \u201eHauptstadt\u201c werden.<\/p>\n<p>Der Rest der Pal\u00e4stinenser soll im Nord-Sinai angesiedelt werden. \u00c4gyptens Pr\u00e4sident as-Sisi ist auch mit von der Partie, er soll dort Land (vermutlich ein St\u00fcck W\u00fcste) zur Verf\u00fcgung stellen und wird daf\u00fcr sicher gut bezahlt. Der saudische Kronprinz Salman hat schon den Pr\u00e4sidenten der pal\u00e4stinensischen Autonomie-Beh\u00f6rde Mahmud Abbas zu sich bestellt und ihn unter Druck gesetzt, dem Plan zuzustimmen, der nichts weiter ist als die Fortsetzung der Nakba, der endg\u00fcltigen Vertreibung dieses Volkes aus seiner Heimat in Reservate oder Bantustans. Da die Hauptbetroffenen \u2013 eben die Pal\u00e4stinenser \u2013 gar nicht gefragt werden, nicht einmal in einem Referendum dar\u00fcber abstimmen k\u00f6nnen, sondern schlicht ohne ihre Mitwirkung eine neue politische Realit\u00e4t f\u00fcr sie geschaffen werden soll, ist das Scheitern durch den Widerstand dieses Volkes vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Trump hat ein sehr \u00e4u\u00dferst schlichtes Weltbild. Er teilt den Globus politisch in die \u201egood guys\u201c und die \u201ebad guys\u201c ein. Daraus ergibt sich seine Au\u00dfenpolitik ganz automatisch. Wer will da noch das Wort V\u00f6lkerrecht in den Mund nehmen? Es ist unter ihm und seinen Verb\u00fcndeten v\u00f6llig au\u00dfer Kraft gesetzt. Saudi-Arabien, ein Staat in dem Menschenrechte nicht viel gelten, ist ein \u201egood guy\u201c, weil Amerika ihm f\u00fcr Hunderte von Milliarden Dollar Waffen verkaufen kann, Trump dort auch pers\u00f6nlich gute Gesch\u00e4fte macht und schlie\u00dflich beide Seiten der Hass auf den Iran eint.<\/p>\n<p>Die Nahost-Politik Trumps und Israels sind inzwischen vollst\u00e4ndig gleichgeschaltet. Die Grundz\u00fcge der israelischen Politik beschreibt L\u00fcders so: \u201eDie Regierung Netanjahu sucht nicht etwa den Kompromiss oder den Ausgleich, weder mit dem Iran noch mit den Pal\u00e4stinensern. Vielmehr soll der als Feind empfundene Gegner, der als bedrohlich wahrgenommene \u201aAndere\u2018, in die Niederlage gezwungen werden. Erst die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde garantiert nach dieser Logik Frieden und Sicherheit. Eine Politik der St\u00e4rke aber, die allein die eigenen (Sicherheits-) Interessen gelten l\u00e4sst, nicht aber auch die der Gegenseite, ist eine Garantie f\u00fcr Unfrieden, Terror und Krieg.\u201c Es gilt in diesem Sinne nur das Recht des St\u00e4rkeren und so gesehen darf der Iran gar keine eigenen Sicherheitsinteressen haben. L\u00fcders: \u201eTrumps Regierung ist die multipolare Welt ebenso egal wie eine Politik des Ausgleichs. Die Agenda der Weltmacht ist unmissverst\u00e4ndlich: Wer nicht f\u00fcr uns ist, ist gegen uns. Und wer sich unseren Vorstellungen nicht unterwirft, wird bestraft. Das Faustrecht ersetzt das V\u00f6lkerrecht.\u201c<\/p>\n<p>Ein trauriges Kapitel im diesem gar nicht lustigen Possenspiel sind die Medien, genau gesagt die westlichen Mainstreammedien. Sie h\u00e4tten eigentlich die Pflicht, die gef\u00e4hrlichen Absurdit\u00e4ten und Widerspr\u00fcche der westlichen Politik im Nahen und Mittleren Osten zu hinterfragen und zu entlarven. Aber sie tun das in der Regel nicht, machen die Einteilung der Welt in \u201eGut\u201c und \u201eB\u00f6se\u201c mit. Und so findet der skrupellose saudische Herrscher Salman, den L\u00fcders einen \u201eMachiavelli\u201c oder \u201eMephisto\u201c nennt, eher eine freundliche Presse, weil er sich prowestlich gibt und die westlichen Staaten mit ihm wirtschaftlich eng verbunden sind \u2013 nicht zuletzt durch Waffenverk\u00e4ufe.<\/p>\n<p>Negative Medienbeispiele in diesem Sinne sind die D\u00e4monisierung des Iran wegen seiner Rolle, die er in Syrien und dem Irak spielt, oder die Ausblendung der mitverantwortlichen Rolle, die die USA und Gro\u00dfbritannien bei der Zerst\u00f6rung des Jemen spielen. Auch die Rolle Russlands in Syrien wird ausgesprochen kritisch gesehen. L\u00fcders folgert aus einer solchen Berichterstattung: \u201eDa geht es nicht um Ausgewogenheit und Vollst\u00e4ndigkeit (\u2026), sondern um die Beibehaltung einer Schwarz-Wei\u00df-Perspektive, die den l\u00e4ngst ausgemachten Feind unterschwellig, gleichwohl unmissverst\u00e4ndlich benennt. Ein solches Narrativ ist von (Kriegs-) Propaganda kaum noch zu unterscheiden.\u201c L\u00fcders Ausf\u00fchrungen in diesem Buch sind ein Beleg daf\u00fcr, wie sehr in den westlichen Staaten (gerade auch in Deutschland) eine \u201eL\u00fcckenpresse\u201c dominiert, die sich ganz eindeutig den Interessen westlicher Machtpolitik unterordnet. (Die zumeist v\u00f6llig unkritische Haltung der deutschen Medien gegen\u00fcber der v\u00f6lker- und menschenrechtswidrigen Politik Israels gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern w\u00e4re ein eigenes Kapitel wert.)<\/p>\n<p>So m\u00fcssen Einzelne wie L\u00fcders oder alternative Medien allein hinter die Kulissen dieser Machtpolitik schauen und ihre eklatanten Widerspr\u00fcche, ihre Verletzungen des V\u00f6lkerrechts und ihre unmoralischen Abgr\u00fcnde aufdecken: Dass die Politiker des Westens st\u00e4ndig gro\u00dfe Ideale und humanistische Motive wie Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte anf\u00fchren, erweist sich bei n\u00e4herem Hinsehen als leere Rhetorik. Das Vorgehen gegen den Iran ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Dieser Staat gilt als das absolut B\u00f6se (obwohl er, was L\u00fcders ausf\u00fchrlich belegt, gegen die erzreaktion\u00e4re, zum Teil noch im Mittelalter verharrende saudische Monarchie fast ein liberaler Rechtsstaat ist), aber er ist der letzte Widersacher westlicher Hegemonie in dieser Region und muss deshalb ausgeschaltet werden \u2013 wie auch immer und in einem solchen Ausma\u00df, dass er f\u00fcr die Machtinteressen des Dreiecks USA. Israel und Saudi-Arabien keine Gefahr mehr darstellt.<\/p>\n<p>Trump hat dem Iran den Krieg erkl\u00e4rt und wird ihn durchf\u00fchren: mit einem direkten Angriff zusammen mit Israel oder mit der Salami-Taktik von versch\u00e4rften Wirtschaftssanktionen und der Inszenierung von inneren Aufst\u00e4nden, um den Regime-Wechsel herbeizuf\u00fchren. L\u00fcders fragt mit Recht: Wo und wann hat ein von den USA herbeigef\u00fchrter Regime-Wechsel schon einmal wirklich Demokratie, Frieden und Fortschritt gebracht? Aber eins ist absolut sicher, da ist dem Autor r\u00fcckhaltlos zuzustimmen: Sollte es zum \u00c4u\u00dfersten kommen, wird das Ergebnis nicht ein westlich orientierter Iran sein, sondern Armageddon im Orient. Und die Folgen werden nicht nur der Nahe und Mittlere Osten tragen, sondern auch Europa: durch eine globale Wirtschaftskrise und neue Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me. Europa und auch Deutschland k\u00f6nnen dann nicht sagen, sie h\u00e4tten es nicht gewusst. Der alte Kontinent samt der NATO hat zu lange vor einer hybriden amerikanischen und israelischen Politik der Dummheit und Verblendung die Augen verschlossen und wird den Preis daf\u00fcr zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders sei Dank f\u00fcr dieses aufkl\u00e4rende Buch!<\/p>\n<p>Michael L\u00fcders: Armageddon im Orient. Wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt, M\u00fcnchen 2018, ISBN 978-3-406-72791-7, 14,95 Euro<\/p>\n<p>26.09.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michaels L\u00fcders neues Buch enth\u00fcllt haarstr\u00e4ubende Zusammenh\u00e4nge, wie die USA, Israel und Saudi-Arabien die Region destabilisieren und den Krieg gegen den Iran vorbereiten. Arn Strohmeyer Der Nahostexperte Michael L\u00fcders warnt in seinem neuen Buch \u201eArmageddon im Orient.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3,7],"tags":[],"class_list":["post-8745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-buchtipps"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8745"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8747,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8745\/revisions\/8747"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}