{"id":880,"date":"2014-07-20T09:38:33","date_gmt":"2014-07-20T09:38:33","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=880"},"modified":"2014-07-20T09:43:57","modified_gmt":"2014-07-20T09:43:57","slug":"offener-brief-gegen-eine-politik-der-aequidistanz-im-nahost-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=880","title":{"rendered":"Offener Brief: Gegen eine Politik der \u00c4quidistanz im Nahost-Konflikt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Offener Brief der AKL Bremen an Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi. <\/strong>Die AKL Bremen hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 16. Juli 2014 die Erkl\u00e4rung &#8222;Spirale der Eskalation muss durchbrochen werden&#8220;, beschlossen von den beiden Sprechern der Bundespartei, Katja Kipping und Bernd Riexinger, sowie dem Sprecher der Bundestagsfraktion, Greogor Gysy, am 11. Juli 2014, intensiv diskutiert. Die Mitgliederversammlung beschloss daraufhin, den Parteispitzen die folgende kritische Stellungnahme als einen offenen Brief zu \u00fcbermitteln. Die Antikapitalistische Linke (AKL) ist eine Str\u00f6mung innerhalb der Partei DIE LINKE. <!--more--> &#8222;Wir hoffen&#8220;, hei\u00dft es in der Stellungnahme, &#8222;dass Ihr den Brief zu Kenntnis nehmt und bei Eurer weiteren Meinungsbildung ber\u00fccksichtigt. \u00dcber eine Stellungnahme w\u00fcrden wir uns freuen.&#8220; Unterzeichnet wurde der Brief von den Sprechern der AKL Bremen Bettina Fenzel, Anke Jungclaus und Peter Erlanson.<\/p>\n<div>\n<p><b>Offener Brief: Gegen eine Politik der \u00c4quidistanz im Nahost-Konflikt<\/b><\/p>\n<\/div>\n<p>Die Sprecher von Bundesvostand und der Bundestagsfraktion der LINKEN, Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi, haben am 11. Juli 2014 einen sehr unbefriedigenden Beschluss zum Nahost-Konflikt gefasst und den Medien \u00fcbergeben. &#8222;Die Hardliner auf beiden Seiten&#8220;, so hei\u00dft es, &#8222;drehen unbeirrt an der Spirale der Eskalation.&#8220; Oder: &#8222;Im Unwillen zum Frieden sind sich Hamas-F\u00fchrung und Netanjahus Regierungskoalition einig&#8230; Wir d\u00fcrfen uns weder mit den v\u00f6lkerrechtswidrigen Operationen der israelischen Armee gegen die Bev\u00f6lkerung im Gaza-Streifen noch mit der Gewalt gegen die israelische Bev\u00f6lkerung abfinden.&#8220;<\/p>\n<p>Die Spitzen der Partei DIE LINKE \u00fcben sich in dieser Erkl\u00e4rung in einer Politik der \u00c4quidistanz; d.h. sie fordern beide Konfliktparteien in gleicher Weise zur M\u00e4\u00dfigung auf. Die LINKE unterscheidet sich mit dieser Erkl\u00e4rung nicht von den zahlreichen und wohlfeilen Stellungnahmen der anderen Parteien. Der LINKEN st\u00fcnde es besser zu Gesicht, wenn sie sich in ihren Stellungnahmen an den Friedens- und Menschenrechtsorganisationen in Israel orientierte.<\/p>\n<p>Es stehen sich in diesem Krieg nicht zwei Kriegsparteien gegen\u00fcber, die beide gleicherma\u00dfen Unrecht tun! Dieser Krieg, so der bekannte Kommentator Gideon Levy in der gro\u00dfen linksliberalen Tageszeitung &#8222;Ha&#8217;aretz&#8220; v. 14.07.14, ist ein Krieg zwischen &#8222;einem Elefanten und einer Fliege&#8220;, wobei die Fliege noch dazu in einem K\u00e4fig sitzt und nicht wegfliegen kann. Die bekannte israelische Friedensorganisation Gush Shalom formuliert in ihrem neuen Aufruf f\u00fcr die Protestdemonstration in Tel Aviv (am 19. Juli 2014): &#8222;Der Staat Israel ist milit\u00e4risch und \u00f6konomisch sehr stark. Mit massiver finanzieller Unterst\u00fctzung der USA hat Israel das Raketenabwehrsystem &#8218;Iron Dome&#8216; aufgebaut, das die israelische Bev\u00f6lkerung besch\u00fctzt. Darum sind die Raketenangriffe gegen Israel schlimmstenfalls eine Bel\u00e4stigung (nuisance). Der h\u00e4ufige Bombenalarm ist sicher ein \u00c4rgernis, eine Unterbrechung unseres t\u00e4glichen Lebens, manchmal erschreckend &#8211; aber nicht viel mehr. (The air raid alarms are irritating, a bit disruptive to the routine of life, sometimes frightening &#8211; but not much more.) Die Menschen aus Gaza aber haben keinen &#8222;Iron Dome&#8220;, sie haben keinerlei Schutz gegen den Tod, der aus der Luft, von See her oder vom Land kommt. Der Staat Israel pr\u00fcgelt auf die Menschen ein und t\u00f6tet, t\u00f6tet, t\u00f6tet. Es ist wahr, der Staat Israel plant nicht mit Vorsatz den Tod von unschuldigen Zivilisten, von Frauen und M\u00e4nnern, von Alten und von Kindern, die am Strand Fu\u00dfball spielen. Es ist kein vors\u00e4tzlicher Plan &#8211; aber es ist die Wirklichkeit. Die T\u00f6tung von unbewaffneten Zivilisten in Gaza geht weiter, Tag f\u00fcr Tag und Stunde um Stunde. Mehr als 200 Pal\u00e4stinenser sind get\u00f6tet worden.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist besonders entt\u00e4uschend an der Presseerkl\u00e4rung von Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi, dass sie mit keinem Wort auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr die neuerliche Eskalation eingehen, n\u00e4mlich einen wahren Ausbruch von Rassismus in der israelischen Gesellschaft anl\u00e4sslich der Entf\u00fchrung und anschlie\u00dfenden Ermordung von drei israelischen Jugendlichen. Uri Avnery, der gro\u00dfe alte Mann der israelischen Friedensbewegung, beschrieb die Stimmung in Israel in seiner Kolumne &#8222;The Atrocity&#8220; als &#8222;eine rassistische Hetzorgie&#8220;. Avnery: &#8222;Als die drei Leichen der jungen Israelis gefunden wurden, erreichten die Hassausbr\u00fcche einen H\u00f6hepunkt. Soldaten der IDF setzten zehntausende von Botschaften mit Aufrufen nach Rache ins Internet, Politiker stachelten sie dabei an und die Medien gossen \u00d6l ins Feuer. In Jerusalem rotteten sich auf vielen Pl\u00e4tzen richtige Lynchmobs zusammen mit dem Ziel, arabische Arbeiter zu jagen und zusammenzuschlagen.&#8220; Avnery weiter: &#8222;Kann sich irgendjemand vorstellen, dass es heutzutage eine Menge in Europa oder in Amerika geben k\u00f6nnte, die &#8222;Tod den Juden&#8220; br\u00fcllt?&#8220; Radikalisierte Israelis kidnappten schlie\u00dflich einen 16-j\u00e4hrigen Pal\u00e4stinenser aus einem arabischen Viertel in Jerusalem und verbrannten ihn bei lebendigem Leibe.<\/p>\n<p><b>Quellen<\/b>: Die Kolumne von Uri Avnery \u201cThe Atrocity\u201d (<a href=\"http:\/\/zope.gush-shalom.org\/home\/en\/channels\/avnery\/1405008861\/\" target=\"_blank\">http:\/\/zope.gush-shalom.org\/home\/en\/channels\/avnery\/1405008861\/<\/a>), in der \u00dcbersetzung von Ellen Rolfs (\u00fcberarbeitet) hier: <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=828\" target=\"_blank\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=828<\/a><\/p>\n<p>Gideon Levy in der &#8222;Ha&#8217;aretz&#8220; v. 14.07.14 hier: <a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=848#more-848\" target=\"_blank\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=848#more-848<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AKL Bremen, 16.07.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief der AKL Bremen an Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi. 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