{"id":9111,"date":"2019-02-12T13:37:11","date_gmt":"2019-02-12T13:37:11","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9111"},"modified":"2019-02-12T13:41:16","modified_gmt":"2019-02-12T13:41:16","slug":"fakten-zum-antisemitismus-hype-neue-erkenntnisse-aus-der-cnn-umfrage-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9111","title":{"rendered":"Fakten zum Antisemitismus-Hype &#8211; Neue Erkenntnisse aus der CNN-Umfrage in Europa"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">\n<p>Opposition gegen Israels Besatzungspolitik ist nicht gut \u2013 findet Israels Regierung.<br \/>\nEntsprechend erkl\u00e4ren Freunde der israelischen Regierung: Hinter solcher Opposition verbirgt sich ein tiefsitzender Antisemitismus. Solche Warnungen vor Antisemitismus sollen diejenigen beeindrucken, die aus Deutschlands Verbrechen in der Nazi-Zeit Konsequenzen<!--more-->f\u00fcr die Gegenwart ziehen m\u00f6chten, und sollen sie davon abhalten, f\u00fcr die Menschenrechte der Pal\u00e4stinenser einzutreten. Und so geistert mindestens einmal pro Woche irgendetwas zum Thema Antisemitismus durch die Medien. Vor rund zwei Monaten war dies eine von CNN in Auftrag gegebene Umfrage in sieben EU-L\u00e4ndern. Einige Einzelergebnisse ohne Gesamtzusammenhang wurden medial verbreitet (z. B. auf <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-11\/cnn-studie-holocaust-antisemitismus-deutsche-geschichte-wissen-bildung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ZEIT-online<\/a>). Nat\u00fcrlich fand der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung die Ergebnisse \u201eerschreckend\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"post-content\">\n<p>Wir haben uns diese CNN-Studie n\u00e4her angesehen. Ihre Ergebnisse belegen:<\/p>\n<ol>\n<li value=\"NaN\">Negative Meinungen \u00fcber Juden sind heutzutage nicht das wesentliche Problem gesellschaftlicher Stereotype \u00fcber Minderheiten<\/li>\n<li value=\"NaN\">Negative Meinungen von Muslimen \u00fcber Juden finden ihr Spiegelbild in negativen Meinungen von Juden \u00fcber Muslime: Mangelnder Respekt ist eine Sache von Gegenseitigkeit<\/li>\n<li value=\"NaN\">Unterst\u00fctzung von Israels Politik bedeutet nicht, dass Juden positiv gesehen werden. Im Gegenteil: In L\u00e4ndern mit engen Beziehungen zu Israels Rechtsregierung sind Juden am wenigsten gut angesehen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dazu im Folgenden Einzelheiten.<br \/>\nDiese vom Nachrichtenportal CNN beauftragte Studie wurde im September 2018 durchgef\u00fchrt und im November 2018 auf der web site der britischen Umfragefirma <a href=\"https:\/\/www.comresglobal.com\/polls\/cnn-anti-semitism-in-europe-poll-2018\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Die grafische Darstellung der Daten haben wir vorgenommen.<\/p>\n<p>Dies war eine online-Umfrage an 7000 Menschen: je 1000 aus sieben europ\u00e4ischen L\u00e4ndern (Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Schweden, Polen, Ungarn). Gefragt wurde nach den Meinungen zu Christen, Nichtreligi\u00f6sen, Muslimen, Juden, Roma, Immigranten, LGBT auf einer f\u00fcnfstufigen Skala: sehr negativ, etwas negativ, weder noch, etwas positiv, sehr positiv.<br \/>\nDaher hat diese Studie zwei Vorz\u00fcge: 1) Es wurde nicht nur das Urteil \u00fcber Juden erfragt, sondern auch \u00fcber andere gesellschaftliche Gruppen. Daher hat man hier einen vern\u00fcnftigen Vergleichsrahmen.\u00a0 2) Es wurde nicht um den hei\u00dfen Brei herumgeredet, sondern ganz direkt gefragt: &#8222;Wie ist Ihre Meinung zu&#8220; (z.B.) &#8222;Juden&#8220;?<br \/>\nHier nun die Ergebnisse zu den obigen drei Thesen.<\/p>\n<p><strong>1. Negative Meinungen \u00fcber Juden sind heutzutage nicht das wesentliche Problem<\/strong> <strong>gesellschaftlicher Stereotype \u00fcber Minderheiten<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Grafik (aus Tabelle 18 der Gesamtstichprobe) zeigt links den %-Satz der Befragten, die \u00fcber die jeweilige Gruppe eine schlechte Meinung hatten (&#8222;sehr negativ&#8220; und &#8222;etwas negativ&#8220;), rechts den %-Satz derjenigen mit guter Meinung (&#8222;sehr positiv&#8220; und &#8222;etwas positiv&#8220;).\u00a0 (Die Daten der guten und schlechten Meinung erg\u00e4nzen sich nicht zu 100% &#8211; z. B. zu Christen nur zu ca. 60% &#8211; , weil hier der %-Satz derjenigen fehlt, die &#8222;weder noch&#8220; w\u00e4hlten.)<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gallery.mailchimp.com\/d2d027ff28580d7b9d45684bc\/images\/8f5e414e-5857-4031-ad3b-4fa0ed698aa7.png\" width=\"555\" height=\"153\" border=\"0\" \/><br \/>\nMan sieht in der linken Grafik u.a.: Das schlechteste Image in den sieben EU-L\u00e4ndern haben die Muslime, die Roma und die Immigranten: Sie werden von 35%-40% der Befragten abgelehnt. Weit dahinter LGBT (16%), Juden (10%), und dann Christen (5%), Nicht-Religi\u00f6se (3%). F\u00fcr Deutschland alleine (s. Grafik weiter unten): 7% der Befragten hatten eine negative Meinung \u00fcber Juden, also gerade mal 4% mehr als \u00fcber Christen (3,5%), weniger als \u00fcber LGBT (9%) und weit, weit weniger als \u00fcber Muslime (32%), Immigranten (34%) und Roma (37%).<br \/>\nWie in vielen anderen Umfragen (Zusammenfassung s. z. B. <a href=\"http:\/\/https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/der-blick-in-den-spiegel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) zeigten sich negative Meinungen \u00fcber Muslime viel h\u00e4ufiger als \u00fcber Juden und bilden daher offensichtlich das weitaus gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Problem.<\/p>\n<p><strong>2. Negative Meinungen von Muslimen \u00fcber Juden finden ihr Spiegelbild in negativen Meinungen von Juden \u00fcber Muslime: Respekt ist eine Sache von Gegenseitigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Von den 7000 Befragten stuften sich ca. 4400 als christlich ein, 165 als muslimisch und 34 als j\u00fcdisch. Die folgende Grafik (aus Tabellen 19-25 der Gesamtstichprobe) zeigt die Aufteilung der Meinungen nach Religion der Befragten.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gallery.mailchimp.com\/d2d027ff28580d7b9d45684bc\/images\/2e51af6f-2b87-4368-bcef-088a71641914.png\" width=\"550\" height=\"159\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Die rechte Grafik zeigt: Jede Gruppe findet sich selber gut, Christen die Christen, Muslime die Muslime (und die Immigranten), Juden die Juden.<br \/>\nDie linke Grafik zeigt: Christen finden vor allem Muslime, Roma und Immigranten schlecht. Sowohl Muslime als auch Juden haben nicht so starke negative Meinungen wie die christliche Mehrheitsbev\u00f6lkerung, aber relativ schlecht finden Muslime LGBT und Roma und danach Juden und Nichtreligi\u00f6se. Juden dagegen finden Roma und Muslime schlecht und danach Immigranten und LGBT.<br \/>\nKurz gesagt: Negative Meinungen von Muslimen \u00fcber Juden (22%) sind genauso h\u00e4ufig wie negative Meinungen von Juden \u00fcber Muslime (24%).<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist aber die Stichprobe von 34 Juden zu klein, um endg\u00fcltige Aussagen zu treffen. Weitere Daten w\u00e4ren n\u00f6tig.<br \/>\nDie jetzigen Daten besagen: Ein negatives Urteil \u00fcber die andere Gruppe ist keine Besonderheit der Muslime. Bei dieser Sachlage ist fraglich, ob negative Einstellungen der muslimischen Bev\u00f6lkerung \u00fcber Juden durch spezielle p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen behoben werden k\u00f6nnen. Wenn sie ein Spiegelbild der islamophoben Einstellung der \u00fcbrigen Gesellschaft inklusive der Juden sind, dann werden sich beide Einstellungen vielleicht nur gemeinsam und symmetrisch reduzieren lassen: Respekt ist keine Einbahnstra\u00dfe.<br \/>\nDie nachhaltigste Methode, den inneren Frieden zwischen Muslimen, Juden und Mehrheitsbev\u00f6lkerung in den westlichen Gesellschaften zu wahren, w\u00e4re in diesem Sinne wahrscheinlich, eine gerechte L\u00f6sung des Israel-Pal\u00e4stina-Konflikts anzustreben.<\/p>\n<p><strong>3. Unterst\u00fctzung von Israels Politik bedeutet nicht, dass Juden positiv gesehen werden.<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Grafik (aus Tabellen 18 der Daten f\u00fcr die einzelnen L\u00e4nder) teilt die Antworten nach den sieben beteiligten L\u00e4ndern auf: Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Schweden, Polen, Ungarn (D, \u00d6, F, GB, S, PL, U).<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gallery.mailchimp.com\/d2d027ff28580d7b9d45684bc\/images\/72c7b836-f17f-43f7-87d3-a3c3b5c42b8e.png\" width=\"550\" height=\"140\" border=\"0\" \/><br \/>\nMan sieht: In allen sieben L\u00e4ndern gibt es kaum schlechte Meinungen \u00fcber Christen und Nichtreligi\u00f6se. Abgesehen davon zeigen sich \u00e4hnliche Profile in den Urteilen \u00fcber die Gruppen, aber doch auch betr\u00e4chtliche Schwankungen im absoluten Wert der Urteile. Ungarn zeigt sich als das Land mit den meisten negativen und wenigsten positiven Urteilen \u00fcber Minderheiten. Dies ist am deutlichsten bei Urteilen \u00fcber LGBT, aber auch bei Urteilen \u00fcber Juden: Das Urteil \u00fcber Juden ist in Ungarn am wenigsten positiv und in Schweden am positivsten.<br \/>\nDieses Ergebnis ist interessant, denn Israels Ministerpr\u00e4sident hat ein freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zu Ungarns Regierung und ein sehr angespanntes Verh\u00e4ltnis zu Schwedens Regierung. Begr\u00fcndet wird das von Israels Regierung nat\u00fcrlich mit dem \u00fcblichen Vorwurf des Antisemitismus, aber die Umfragedaten belegen den Verdacht, dass es genau andersherum ist: Netanjahu und Orban sind sich einig im Ressentiment gegen Muslime und Fl\u00fcchtlinge und im antisemitisch unterlegten Ressentiment gegen George Soros, und so findet auch Orbans rassistische Propaganda ihren Widerhall in der ungarischen Bev\u00f6lkerung. Dagegen hat Schweden aus menschenrechtlichen Motiven heraus Pal\u00e4stina als Staat anerkannt, und genau diese menschenrechtliche Einstellung erregt den Zorn von Israels Regierung auf Schweden.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/bibjetzt.wordpress.com\/author\/bibjetzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BIB Jetzt Blog v. 10.02.2019<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opposition gegen Israels Besatzungspolitik ist nicht gut \u2013 findet Israels Regierung. Entsprechend erkl\u00e4ren Freunde der israelischen Regierung: Hinter solcher Opposition verbirgt sich ein tiefsitzender Antisemitismus. 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