{"id":914,"date":"2014-07-23T07:37:13","date_gmt":"2014-07-23T07:37:13","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=914"},"modified":"2014-08-10T16:10:15","modified_gmt":"2014-08-10T16:10:15","slug":"schade-nur-konformismus-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=914","title":{"rendered":"Schade: nur Konformismus"},"content":{"rendered":"<p>ngg_shortcode_0_placeholderEinen Tag vor der gro\u00dfen Pal\u00e4stina-Demonstration hatte am 22. Juli 2014 ein &#8222;B\u00fcndnis linker Gruppen&#8220;, au\u00dferdem die j\u00fcdische Gemeinde und die Deutsch-Israelischen Gesellschaft zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz aufgerufen. Etwa 200 Menschen waren dem Aufruf gefolgt, h\u00f6rten sich die Reden an und konnten die Transparente (&#8222;Gegen jeden Antisemitismus!&#8220;) lesen. Gegen diese Losung ist \u00fcberhaupt nichts einzuwenden, und sie ist auch v\u00f6llig unumstritten. In den Reden wurde aber deutlich, was eigentlich damit gemeint war, und das war <strong>&#8222;gegen jede Kritik an Israel&#8220;<\/strong>. Die Bildzeitung hatte mit zwei rei\u00dferischen Artikeln vom gleichen Tag die Linie vorgegeben. &#8222;Jetzt kommt der geballte Israel-Hass auch nach Bremen&#8220;, &#8222;J\u00fcdische B\u00fcrger in Angst&#8220;, und &#8222;Hass-Demo gegen Israel in der City&#8220;. <!--more--><\/p>\n<p>Die drei Sprecherinnen auf der Kundgebung, die anonym bleiben wollten und ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe mit &#8222;c3&#8220; und &#8222;iwg&#8220; angaben, kamen un\u00fcberh\u00f6rbar aus der antideutschen Ecke. Es geh\u00f6rt zu ihrer &#8222;Staatsraison&#8220;, alles, was die israelische Regierung macht, bedingungslos zu unterst\u00fctzen. Differenziert wird nicht. Kritik an der Siedlungspolitik, an der Besatzung, an den zivilen Opfern, und das Einfordern des V\u00f6lkerrechts und der Menschenrechte \u00fcberhaupt ist ohne Umst\u00e4nde und sofort &#8222;antisemitisch&#8220;.<\/p>\n<p>Was man auf der Kundgebung h\u00f6ren konnte, war schwer nachvollziehbar. In Bezug auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr die jetzige Demonstrationen in vielen deutschen wurde die Gegenfrage gestellt: &#8222;Was haben die Auseinandersetzungen in Gaza damit zu tun, dass hier in Deutschland Juden beschimpft und bedroht werden? Zugegeben: erst einmal nichts.&#8220; Au\u00dferdem h\u00e4tten die Menschen, die &#8222;jetzt jeden Tag in Massen durch St\u00e4dte wie Bremen, Essen, G\u00f6ttingen, Hannover und Berlin ziehen, nicht den blassesten Schimmer, was in Israel und den pal\u00e4stinensischen Gebieten wirklich passiert. Es ist ihnen auch vollkommen egal. Es geht ihnen letzten Endes nur darum, unter dem Deckmantel der sogenannten Israel-Kritik ihre antisemitische Hetze auf der Stra\u00dfe auszu leben.&#8220;<\/p>\n<p>Wirklich interessant waren ja eigentlich nicht die hetzerischen Schlagzeilen der Bildzeitung und ihr Echo bei den Antideutschen &#8211; weil man sie so erwartet. Interessant und erschreckend war vielmehr, dass s\u00e4mtliche Differenzierungen fehlten. Dabei hatte die Linksjugend\u00a0 [solid&#8216;] Bremen noch zu dieser Kundgebung aufgerufen, und gefordert: &#8222;Gegen Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und Antizionismus&#8220; aufzutreten. Immerhin hatte sie, wenn auch sehr verschwurbelt, in ihrem Aufruf so formuliert: &#8222;Die Aufarbeitung des Konfliktes in seiner Komplexit\u00e4t darf nicht durch vereinfachende Darstellungen und Positionierungen f\u00fcr Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und Antizionismus anschlussf\u00e4hig gemacht werden.\u201d Zu sehen und zu h\u00f6ren war davon allerdings auf der Kundgebung nichts.<\/p>\n<p>Auch die Vertreterin der j\u00fcdischen Gemeinde in Bremen differenzierte nicht, auch von ihr waren keine Zwischent\u00f6ne zu vernehmen. Im Gegenteil, explizit dankte sie &#8222;f\u00fcr die Aktion der jungen Leute&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt aber Stimmen jenseits des antideutschen Bildzeitungs-Konformismus. Nicht nur in Kreisen der pal\u00e4stinensischen Organisationen und der Friedensbewegung. In der <a href=\"http:\/\/endofroad.blogsport.de\/2014\/07\/21\/nicht-bereitschaft-eine-emanzipatorische-position-zur-situation-in-israelpalaestina-zu-beziehen\/#more-2691\" target=\"_blank\">&#8222;End-of-road&#8220;<\/a>, einer viel gelesenen und informativen Internetplattform des Spektrums einer &#8222;emanzipatorischen Linken&#8220;, schreibt der Sprecher von &#8222;no lager&#8220; (22.07.14) in Bezug auf diese Kundgebung: &#8222;Nicht nach\u00advoll\u00adzieh\u00adbar ist &#8230;die Selbst-Be\u00adschr\u00e4n\u00adkung auf &#8218;An\u00adti\u00adse\u00admi\u00adtis\u00admus&#8216;, d.h. die Nicht-Be\u00adreit\u00adschaft, eine linke, mit\u00adhin eman\u00adzi\u00adpa\u00adto\u00adri\u00adsche Po\u00adsi\u00adti\u00adon zur Si\u00adtua\u00adti\u00adon in Is\u00adra\u00adel\/Pa\u00adl\u00e4s\u00adti\u00adna zu be\u00adzie\u00adhen (nicht zu\u00adletzt in An\u00adleh\u00adnung an un\u00addog\u00adma\u00adtisch-lin\u00adke Po\u00adsi\u00adtio\u00adnen, wie sie von ent\u00adspre\u00adchen\u00adden Grup\u00adpen und Netz\u00adwer\u00adken in Is\u00adra\u00adel\/Pa\u00adl\u00e4s\u00adti\u00adna of\u00adfen\u00adsiv ver\u00adtre\u00adten wer\u00adden): Ers\u00adtens, weil die ak\u00adtu\u00adel\u00adlen Demos ohne das Ge\u00adsche\u00adhen im Nahen Osten nicht zu ver\u00adste\u00adhen sind, wie ja aus dem Auf\u00adruf zur Kund\u00adge\u00adbung in Bre\u00admen (un\u00adge\u00adwoll\u00adter\u00adwei\u00adse?) deut\u00adlich wird. Zwei\u00adtens, weil An\u00adti\u00adse\u00admi\u00adtis\u00admus nur eine von vie\u00adlen Fa\u00adcet\u00adten der Kon\u00adflikt\u00addy\u00adna\u00admik dar\u00adstellt und drit\u00adtens, weil in Pa\u00adro\u00adlen, oder auf Trans\u00adpa\u00adren\u00adten ar\u00adti\u00adku\u00adlier\u00adter Hass auf Is\u00adra\u00adel nur bei be\u00adstimm\u00adten Grup\u00adpen bzw. Per\u00adso\u00adnen Aus\u00addruck von An\u00adti\u00adse\u00admi\u00adtis\u00admus ist.&#8220; In dem lesenswerten Artikel wird verwiesen und verlinkt auf den ersch\u00fctternden Bericht von <a href=\"http:\/\/www.medico.de\/blogs\/medico-hausblog\/2014\/07\/20\/457\/\" target=\"_blank\">&#8222;medico international&#8220; <\/a>\u00fcber eine Demonstration in Tel-Aviv, die unter dem Motto stand: &#8222;Jews and Arabs Refuse to Be Enemies!&#8220;<\/p>\n<p>In den letzten beiden Wochen ist die rechtsextreme Politik der Regierung Netanjahu von vielen Juden und Israelis scharf und umfassend kritisiert worden. Es hat in Jerusalem und Tel-Aviv gro\u00dfe Friedensdemonstrationen gegeben. Die Opposition in Israel ist zwar zur Zeit klein, aber es gibt sie und sie sollte auch bei uns nicht \u00fcberh\u00f6rt werden. Alles antisemitisch?<\/p>\n<p>Die deutschen Medien folgen nicht alle der Linie der Bildzeitung. Gestern abend in den Tagesthemen (vom 22.07.14; <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendung-verpasst\/22529406_tagesthemen?datum=20140722\" target=\"_blank\">nachzuh\u00f6ren hier<\/a>) kam Ralf Verleger, das bekannte ehemalige Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden und der Verfechter eines aufgekl\u00e4rten Judentums hierzulande, zu Wort. Seine Kritik an der deutschen Politik gegen\u00fcber Israel war deutlich verbunden mit der Aufforderung, &#8222;dass die arabische Seite in diesem Konflikt endlich mehr geh\u00f6rt wird.&#8220; In der gleichen Sendung kommentierte Sabine Rau (WDR): &#8222;Es sind Pal\u00e4stinenser, die die Verzweiflung auf die Stra\u00dfe treibt. Es sind Deutsche, die sich emp\u00f6ren \u00fcber die brachiale Unerbittlichkeit dieses Feldzuges. Es sind Menschen, die nach der Verantwortung der Politik fragen.(&#8230;) Dass die Hamas so stark wurde, ist auch das Ergebnis der unerbittlichen Siedlungspolitik Israels. Unter Premier Netanjahu, der getrieben wird von Populisten und Scharfmachern, ist die Situation Gaza jetzt eskaliert. Au\u00dfenminister Avigdor Liebermann spricht davon, &#8218;den Stall auszumisten&#8216; und ein anderes Regierungsmitglied verspricht &#8218;ein Ticket in die H\u00f6lle&#8216;.&#8220; Ist auch dieser Kommentar antisemitisch?<\/p>\n<p>Zum Schluss sei aus dem Aufruf der israelischen Friedensbewegung von gestern (22.07.14) zur Kundgebung auf dem Rabin-Platz in Tel-Aviv zitiiert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Krieg ist b\u00f6se. Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um uns gegenseitig umzubringen. Wir glauben an die Gleichheit der Menschen, die f\u00fcr alle, vom Mittelmeer bis zum Jordan, gelten muss. Wir glauben, dass alle, Juden und Araber, Israelis und Pal\u00e4stinenser, das Recht auf ein erf\u00fclltes Leben haben. Wir glauben, dass es in diesem Krieg eine L\u00f6sung geben wird, die den Frieden bringt. Und wir beklagen die militaristische Propaganda an, die zur Zeit in der israelischen \u00d6ffentlichkeit so laut zu vernehmen ist. Wir sind gegen Raketen, Panzer, Kampfjets und Kanonen aus Israel und Gaza. Wir sind gegen jegliche Gewalt, die sich gegen Menschen richtet, egal welcher Religion, Rasse, Hautfarbe oder welchen Geschlechts sie angeh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Es gibt eine Opposition in Israel!<\/strong> Die Unterdr\u00fcckung des pal\u00e4stinensischen Volkes muss beendet werden! Friedensgespr\u00e4che m\u00fcssen endlich begonnen werden! Der israelische Staat muss unverz\u00fcglich seine Politik \u00e4ndern!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Demonstration und der Kundgebung heute auf dem Marktplatz ist zu w\u00fcnschen, dass viele Menschen kommen, die ihrer Trauer und ihrer Wut Ausdruck verleihen wollen. Es ist zu w\u00fcnschen, dass sie wie geplant diszipliniert verl\u00e4uft,\u00a0 und &#8211; nicht zuletzt &#8211; dass Provokationen fr\u00fchzeitig erkannt und verhindert werden.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Tag vor der gro\u00dfen Pal\u00e4stina-Demonstration hatte am 22. Juli 2014 ein &#8222;B\u00fcndnis linker Gruppen&#8220;, au\u00dferdem die j\u00fcdische Gemeinde und die Deutsch-Israelischen Gesellschaft zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz aufgerufen. 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