{"id":9168,"date":"2019-02-28T08:10:07","date_gmt":"2019-02-28T08:10:07","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9168"},"modified":"2019-02-28T08:54:14","modified_gmt":"2019-02-28T08:54:14","slug":"inge-guenther-ein-rueckblick-auf-20-jahre-als-korrespondentin-in-jerusalem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9168","title":{"rendered":"Inge G\u00fcnther: ein R\u00fcckblick auf 20 Jahre als Korrespondentin in Jerusalem"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/kcxvFmhEQ_E\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-9182 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/inge-g\u00fcnther-3-von-5_ji_ji-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/inge-g\u00fcnther-3-von-5_ji_ji-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/inge-g\u00fcnther-3-von-5_ji_ji-768x432.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/inge-g\u00fcnther-3-von-5_ji_ji-500x281.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/inge-g\u00fcnther-3-von-5_ji_ji.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Inge G\u00fcnther hat \u00fcber zwanzig Jahre als Jerusalem-Korrespondentin f\u00fcr verschiedene deutsche Tageszeitungen gearbeitet, darunter vor allem f\u00fcr die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau. F\u00fcr ihre Berichte aus Israel und Pal\u00e4stina wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den Journalistenpreis der Deutschen Initiative f\u00fcr den Nahen Osten (DINO).<!--more--> Seit 2018 arbeitet sie als \u201efreie\u201c Journalistin in Berlin mit einem zweiten Standbein in Jerusalem. Inge G\u00fcnther kam noch zu den Zeiten der Oslo-Vertr\u00e4ge nach Jerusalem, in der es zwar bereits Desillusionen gab, der Friedensprozess dennoch als unumkehrbar galt. Ein Irrtum. Inzwischen herrscht auf politischer Ebene eisiges Schweigen vor. Intifada, Westbank-Sperrwall und Checkpoints haben auch die unsichtbaren Mauern aus Angst und Vorurteilen verst\u00e4rkt. Die israelische Siedlungspolitik hat eine Zwei-Staaten-L\u00f6sung verbaut, die pal\u00e4stinensische F\u00fchrung gespalten in zwei Lager.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-9177 size-medium\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji-300x169.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji-768x432.jpg 768w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji-500x282.jpg 500w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/P1110439_ji.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Die Deutsch-Pal\u00e4stinensische Gesellschaft Bremen e.V., das Israelisches Komitee gegen Hauszerst\u00f6rung (ICAHD), der AK Nahost Bremen, das Bremer Friedensforum, das Bremer Informationszentrum f\u00fcr Menschenrechte und Entwicklung (biz) und das Kairos Pal\u00e4stina Solidarit\u00e4tsnetz Gruppe Bremen hattenFrau G\u00fcnther am 25. Februar 2019 nach Bremen eingeladen, um \u00fcber ihre Erlebnisse und Erfahrungen und vor allem ihre Einsch\u00e4tzungen aus dem Herzen des Nahost-Konflikts, aus Jerusalem, zu berichten. Die wieder sehr gut besuchte Veranstaltung fand wieder einmal in der gastlichen Villa Sponte zeitkultur e.V. statt.<\/p>\n<p>Frau G\u00fcnther erz\u00e4hlte anschaulich und mit gro\u00dfer W\u00e4rme von den Alltagsproblemen in dieser faktisch geteilten Stadt. Z.B. von dem Streit bei der Zulassungsstelle zwischen zwei j\u00fcdischen Autoh\u00e4ndlern, der von dem dritten H\u00e4ndler, einem Pal\u00e4stinenser, geschlichtet wurde. Oder von den Fahrten in dem neuen umstrittenen Light-Rail, einer klimatisierten Stra\u00dfenbahn, die auch durch Ost-Jerusalem f\u00e4hrt, wo sich &#8222;schl\u00e4fengelockte Juden und pal\u00e4stinensische Kopftuchfrauen dr\u00e4ngen, die sich mit verstohlenen Blicken gegenseitig taxieren.&#8220; Auf der menschlichen Ebene h\u00e4tte es am besten mit dem Frieden zwischen den verfeindeten Gruppen klappen k\u00f6nnen. Fr\u00fcher h\u00e4tte es viele Kontakte zwischen Juden und Pal\u00e4stinensern gegeben. In Intellektuellenkreisen sei man sogar erpicht gewesen auf einen Austausch. Nicht wenige in ihrer Jerusalemer Bekanntschaften h\u00e4tten es schick gefunden, das aufkeimende Nachtleben im nahe gelegenen Ramallah zu erkunden, mit dem besonders angesagten verrauchten Jazz-Club, wo zu sp\u00e4ter Stunde j\u00fcdisch-arabische Jam-Sessions das ebenfalls gemischte Publikum hinrissen.<\/p>\n<p>Es waren diese Alltagsgeschichten, die den Vortrag von Inge G\u00fcnther so interessant werden lie\u00dfen, weil sie mit gro\u00dfer Sympathie und Vorurteilslosigkeit erz\u00e4hlt wurden. Die Dramatik der politischen Entwicklung, eine wahre Achterbahn-Fahrt w\u00e4hrend ihrer Jerusalemer Jahre, kam nat\u00fcrlich auch nicht zu kurz. 1996, als sie ihre Korrespondentinnent\u00e4tigkeit in Jerusalem begann, habe der durch die Oslo-Vertr\u00e4ge eingeleitete Friedensprozess noch f\u00fcr unumkehrbar gegolten. Auch auf privaten Partys in Westjerusalem seien pal\u00e4stinensische G\u00e4ste noch willkommen gewesen. Auf ihrem Anrufbeantworter habe sie die Anrufer mit &#8222;Schalom &#8211; Salam&#8220;, also auf hebr\u00e4isch und arabisch begr\u00fc\u00dft. Heute klinge das nur noch vorgestrig.<\/p>\n<p>Leider h\u00e4tten viele die Friedensgegner in Israel untersch\u00e4tzt. Leider sei Schimon Peres, alias Mr. Peace, schlie\u00dflich von Netanyahu abgel\u00f6st worden. Der dann folgende Wahnsinn mit den zwei Intifadas sei schwer auszuhalten gewesen. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft h\u00e4tten sich zwei pal\u00e4stinensische Attent\u00e4ter in die Luft gesprengt. &#8222;Die Schreie der Verletzten, die Sekunden sp\u00e4ter einsetzenden Polizeisirenen klingen mir noch im Ohr. Ebenso die Rufe &#8218;Tod den Arabern&#8216;, die bald darauf aufgebrachte Schaulustige skandierten.&#8220;<\/p>\n<p>In ihrer langen Zeit habe sich immer mehr ein unguter Wandel vollzogen, hin zur Frontstadt, weg von der Vision einer friedlichen Zwei-V\u00f6lker-Stadt. Nationalreligi\u00f6se Siedler und islamistische Eiferer w\u00fcrden Zulauf verzeichnen. Umso st\u00e4rker geworden sei das Gef\u00fchl der S\u00e4kularen, einer dahinschwindenden Minderheit anzugeh\u00f6ren. Viele israelische Bekannte, die einen liberalen Lebensstil bevorzugen w\u00fcrden statt vom Bau eines neuen j\u00fcdischen Tempels zu tr\u00e4umen und die die Besiedlung des Westjordanlandes nicht als quasi g\u00f6ttliches Gebot rechtfertigten, sondern die Besatzungspolitik zumindest als Problem wahrnehmen w\u00fcrden \u2013 sie h\u00e4tten Jerusalem den R\u00fccken gekehrt und seien nach Tel Aviv gezogen.<\/p>\n<p>Viele Pal\u00e4stinenser w\u00fcrden zwar noch zum Arbeiten oder Einkaufen in die Weststadt gehen, aber Treffen mit Israelis seien inzwischen verp\u00f6nt. Dialog werde schnell als Normalisierung mit den Besatzern abgestempelt. Dabei verberge sich hinter den radikalen Slogan der Pal\u00e4stinenser eigentlich nur die Ohnmacht der arabischen Bewohner angesichts der rapide gewachsenen j\u00fcdischen Siedlungen, die Ost-Jerusalem immer mehr einschn\u00fcren w\u00fcrden. Entgegenzusetzen h\u00e4tten sie dem nur ihre trotzige Abwehrhaltung \u2013 Sumud, (Standhaftigkeit), was ausdr\u00fccken solle, &#8222;uns kriegt ihr hier nicht weg\u201c.<\/p>\n<p>Frau G\u00fcnther bekundete in ihrem Vortrag ihre Bewunderung f\u00fcr die israelische Friedensbewegung, namentlich &#8222;Breaking-the-Silence&#8220; und &#8222;B&#8217;Tselem&#8220;, die zwar zur Zeit keine gro\u00dfe politische Bedeutung h\u00e4tten, aber weiterhin sehr aktiv seien.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Inge G\u00fcnther kann vollst\u00e4ndig in dem Video angesehen werden. Die sehr ausf\u00fchrliche und nat\u00fcrlich sehr interessante Diskussion im Anschluss, bei der viele weitere Aspekte zur Sprache gebracht wurden, kann leider nicht gezeigt werden.<br \/>\n<em>S\u00f6nke Hundt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inge G\u00fcnther hat \u00fcber zwanzig Jahre als Jerusalem-Korrespondentin f\u00fcr verschiedene deutsche Tageszeitungen gearbeitet, darunter vor allem f\u00fcr die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau. 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