{"id":9196,"date":"2019-03-01T18:39:22","date_gmt":"2019-03-01T18:39:22","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9196"},"modified":"2019-03-01T18:44:51","modified_gmt":"2019-03-01T18:44:51","slug":"so-traurig-es-ist-mittel-bis-langfristig-wird-der-missbrauch-des-antisemitismus-vorwurfs-den-antisemitismus-sogar-foerdern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9196","title":{"rendered":"&#8222;So traurig es ist \u2013 mittel- bis langfristig wird der Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs den Antisemitismus sogar f\u00f6rdern&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"articleTitleImage desktop\">\n<div class=\"title\">\n<div class=\"articleContent\"><strong>Kampagne gegen Antisemitismus wird vermutlich Antisemitismus st\u00e4rken.<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"articleContent\">Zurzeit l\u00e4uft einmal wieder eine wilde Kampagne gegen angebliche Antisemiten. Dazu z\u00e4hlen Menschen, die nie im Leben irgendetwas Schlechtes \u00fcber Juden gedacht oder gesagt oder gar getan haben. Sie werden heute attackiert und ihre politische Aktivit\u00e4t wird eingeengt, weil sie sich f\u00fcr noch Schw\u00e4chere, im konkreten Fall f\u00fcr Pal\u00e4stinenser engagieren. Sie werden auch dann attackiert und ihre M\u00f6glichkeit, \u00f6ffentlich auf das Schicksal der Pal\u00e4stinenser aufmerksam zu machen, wird mit Verboten und Urteilen eingeschr\u00e4nkt, wenn sie selbst Israelis oder Juden sind. So traurig es ist \u2013 mittel- bis langfristig wird der Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs den Antisemitismus sogar f\u00f6rdern. Von <strong>Albrecht M\u00fcller<\/strong> und <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div><\/div>\n<div id=\"main\">\n<div class=\"single titleImage\"><\/div>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Zwischen 2005 und 2018 wurden 90 Veranstaltungen, die sich kritisch mit der Politik Israels auseinandersetzen wollten, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47351\">von der Israel-Lobby entweder massiv gest\u00f6rt oder verhindert<\/a>.<\/li>\n<li>In M\u00fcnchen werden Versammlungsr\u00e4ume f\u00fcr Veranstaltungen gesperrt, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49560\">die sich kritisch mit der israelischen Besatzungspolitik in den Pal\u00e4stinensergebieten auseinandersetzen<\/a>.<\/li>\n<li>In G\u00f6ttingen versucht man mit massivem Einsatz die Verleihung des G\u00f6ttinger Friedenspreises an die Gruppe \u201eJ\u00fcdische Stimme f\u00fcr einen gerechten Frieden in Nahost\u201c zu verhindern und damit <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49550\">das Votum der Jury au\u00dfer Kraft zu setzen<\/a>. In einem <a href=\"https:\/\/www.juedische-stimme.de\/2019\/01\/18\/offener-brief-der-einsatz-fuer-menschenrechte-ist-nicht-antisemitisch\/\">offenen Brief verurteilten mehr als 90 namhafte j\u00fcdische Wissenschaftler und Intellektuelle<\/a>, darunter Noam Chomsky, Moshe Zimmermann und Micha Brumlik, die Anfeindungen und riefen auf, die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung jener zu gew\u00e4hrleisten, die sich gegen die Unterdr\u00fcckung der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung wenden.<\/li>\n<li>In M\u00fcnchen darf ein Nahostfachmann, Andreas Zumach, in der Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.lebenshaus-alb.de\/magazin\/011855.html\">nicht frei und ungehindert sprechen<\/a>.<\/li>\n<li>In Freiburg werden Veranstaltungen zugunsten friedlichen Zusammenlebens von Pal\u00e4stinensern und Israelis seit Jahren verfolgt und behindert.<\/li>\n<li>Die Amadeu Antonio Stiftung ver\u00f6ffentlicht b\u00f6sartige Texte und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47801\">unterstellt sogar den Autoren der NachDenkSeiten Antisemitismus<\/a>.<\/li>\n<li>Die deutsche Bundeskanzlerin macht die Sicherheit Israels zur Staatsr\u00e4son und akzeptiert dabei alles, wahllos alles, was die israelische Regierung tut und sagt.<\/li>\n<li>Berichte der UN, die Israel im Gaza-Streifen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49673#h02\">Kriegsverbrechen vorwerfen<\/a>, werden seitens der Bundesregierung nicht kommentiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der alte und schlimme Antisemitismus nutzte geschickt die Unterstellung, Juden w\u00fcrden sich Vorteile dadurch verschaffen, dass sie abgesprochen und gemeinsam handeln. Die neue Kampagne der \u201eGuten\u201c, die die Kampagne gegen angebliche Antisemiten betreiben, bef\u00f6rdert genau dieses Vorurteil. Man steht staunend am Wegesrand und stellt fest, was an absurder Behinderung offener Diskussion und demokratischer Willensbildung heute m\u00f6glich ist.<\/strong><\/p>\n<p>Wer es schafft, dass bereits zugesagte Veranstaltungsorte wieder zur\u00fcckgezogen werden oder Veranstaltungen gar verbieten zu lassen, erweckt den Eindruck, \u00fcber ein besonderes Netzwerk und besondere Macht zu verf\u00fcgen. Dies gilt insbesondere dann, wenn damit die Redefreiheit und jegliche Unterst\u00fctzung des pal\u00e4stinensischen Volkes behindert wird. Das ist genau das, was fr\u00fchere Antisemiten beklagt haben. Jetzt hat die Erfahrung eine reale Basis. Und jene, die diese Erfahrung erm\u00f6glichen, f\u00f6rdern den Antisemitismus. Nolens volens. Und die wirklichen Antisemiten k\u00f6nnen diesen Eindruck nutzen, um ihre antisemitischen Gesch\u00e4fte zu betreiben.<\/p>\n<p>Das ist schlimm. Deshalb weisen wir darauf hin.<\/p>\n<p><strong>In der jetzt laufenden Kampagne gegen angebliche Antisemiten gibt es eine bedr\u00fcckende Parallele zum wirklichen Antisemitismus: Antisemiten pr\u00fcgelten auf die Schw\u00e4cheren ein.<\/strong><\/p>\n<p>Die Menschen in Pal\u00e4stina geh\u00f6ren eindeutig zu den Schw\u00e4chsten im ganzen Nahen Osten. Sie sind die Gepr\u00fcgelten der Region. Ihrem Schicksal gilt die ohnehin schwache Unterst\u00fctzung jener Menschen und Gruppen, sich f\u00fcr eine gute Zusammenarbeit im Nahen Osten und f\u00fcr mehr Rechte und vor allem mehr Chancen der Pal\u00e4stinenser einsetzen und die deshalb heute von den angeblich Guten bek\u00e4mpft, behindert und beschimpft werden. Dieser Kampf gegen die angeblichen Antisemiten, die sich um das pal\u00e4stinensische Volk k\u00fcmmern, ist ein Kampf der Starken gegen die Schw\u00e4cheren. So wie die Nazis mit den Juden umgegangen sind.<\/p>\n<p>Wer nur einen Hammer besitzt, sieht in jedem Problem einen Nagel. Und wer selbst nur \u00fcber die \u201eWaffe\u201c des Antisemitismusvorwurfs verf\u00fcgt, der sieht nun einmal \u00fcberall Antisemiten. Auffallend ist, dass l\u00e4ngst vergessen geglaubte antisemitische Stereotype durch den angeblichen Kampf gegen den Antisemitismus heute ihre Wiedergeburt feiern. Wer k\u00e4me denn sonst heutzutage ernsthaft auf die Idee, Angeh\u00f6rigen einer Religionsgemeinschaft eine wie auch immer geartete Kontrolle \u00fcber das Finanzsystem zuzuschreiben? Derlei Unsinn sollte doch eigentlich seit mehr als zwei Generationen im Papierkorb der Geschichte verrotten. Wenn heute Kritik am Finanzkapitalismus und seinen Akteuren ohne Not und au\u00dferhalb des Kontextes unter R\u00fcckgriff <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47830\">auf l\u00e4ngst verdr\u00e4ngte antisemitische Stereotype<\/a> in eine antisemitische Ecke gedr\u00e4ngt werden soll, ist dies an Absurdit\u00e4t kaum zu \u00fcbertreffen. Die Israel-Lobby h\u00e4lt jene antisemitischen Stereotype am Leben und nutzt sie selbst aktiv, um anderen Menschen Antisemitismus zu unterstellen. Damit erf\u00fcllt sie freilich ihrem angeblichen Ziel, den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, einen B\u00e4rendienst.<\/p>\n<p>Es besteht sogar die Gefahr, dass die permanente Antisemitismus-Zuweisung sich irgendwann abnutzt und die Menschen den Vorwurf generell nicht mehr ernst nehmen. In \u00c4sops Fabel \u201eDer Hirtenjunge und der Wolf\u201c ruft ein Hirtenjunge so lange aus Langeweile \u201eWolf!\u201c, bis die Dorfbewohner den Warnruf nicht mehr ernst nehmen und als der Wolf wirklich kommt, glaubt niemand mehr dem Hirtenjungen und der Wolf frisst die ganze Herde. Dies ist die wohl passende Metapher f\u00fcr die st\u00e4ndigen und immer absurder werdenden instrumentalisierten Antisemitismusvorw\u00fcrfe. Wenn dieser Vorwurf aus Kalk\u00fcl und Boshaftigkeit inflation\u00e4r in immer groteskeren Attacken missbraucht wird, wird er irgendwann ignoriert und dies freut nat\u00fcrlich vor allem die echten Antisemiten, die dann mit ihrem sch\u00e4ndlichen Treiben auf keinen Widerstand mehr sto\u00dfen. Der Missbrauch des Antisemitismusvorwurfs nutzt vor allem den Antisemiten.<\/p>\n<p>Noch schlimmer w\u00e4re es, wenn engagierte Menschen irgendwann aus purer Verzweiflung den Kampf gegen die fehlgeleiteten Beschuldigungen aufgeben und die Etikettierung \u201eAntisemit\u201c am Ende des Tages akzeptieren. Gerade nach dem Motto: Wenn Menschen, die sich gegen die Unterdr\u00fcckung einsetzen und f\u00fcr die Schw\u00e4cheren einstehen, Antisemiten sind, dann kann der Antisemitismus ja nichts Schlechtes sein. Auch dies w\u00e4re selbstverst\u00e4ndlich ein verheerender Fehlschluss, der letztlich den Antisemitismus sogar hoff\u00e4hig machen k\u00f6nnte und daran kann \u2013 au\u00dfer den Antisemiten \u2013 ja wirklich niemandem gelegen sein.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Gebehmigun):<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49684\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> NachDenkSeiten v. 01.03.2019<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kampagne gegen Antisemitismus wird vermutlich Antisemitismus st\u00e4rken. Zurzeit l\u00e4uft einmal wieder eine wilde Kampagne gegen angebliche Antisemiten. Dazu z\u00e4hlen Menschen, die nie im Leben irgendetwas Schlechtes \u00fcber Juden gedacht oder gesagt oder gar getan haben. 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