{"id":9311,"date":"2019-04-26T08:14:22","date_gmt":"2019-04-26T08:14:22","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9311"},"modified":"2019-04-26T08:18:40","modified_gmt":"2019-04-26T08:18:40","slug":"beginnt-so-der-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9311","title":{"rendered":"Beginnt so der Dialog?"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 3. April 2019 fand in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Bremen-Blumenthal eine Podiums-Veranstaltung zum Thema &#8222;Ist Kritik an den V\u00f6lkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen des Staates antisemitisch oder vielmehr notwendig?&#8220; statt. Teilnehmer waren Prof. Dr. Ulrich Duchrow (Theologe und Mitverfasser der &#8222;Wittenberger Erkl\u00e4rung 2017&#8220;), Dr. Bernd Moldenhauer und Dr. Widu Wittekindt (Deutsch-Israelische Gesellschaft Bremen). Ein kurzer Bericht \u00fcber die Veranstaltung von Hildegard Lenz erschien dazu am 8. April auf dieser Webseite (<a href=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9293#more-9293\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9293#more-9293<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><em>Als Erwiderung zu dem Bericht schickten uns Bernd Moldenhauer und Widu Wittekindt den folgenden Text mit der Bitte um Ver\u00f6ffentlichung. &#8222;Wir denken&#8220;, schrieben sie, &#8222;dass es im Sinne einer fairen Auseinandersetzung ist, wenn wir in Ihrer Webseite ver\u00f6ffentlicht werden. Es hilft immer, Dialoge statt aneinander vorbei redender Monologe zu haben. F\u00fcr diese Gelegenheit danken wir Ihnen und w\u00fcnschen Frohe Ostern und Chag Pessach Sameach!&#8220; <\/em><em>Der Bitte kommt die Redaktion gerne nach und ver\u00f6ffentlicht hier den Text ohne Kommentar.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nach der Einf\u00fchrung, in der er auf seine Lebenserfahrungen einging (1970 Apartheid S\u00fcdafrika, 1982 imperialer Kapitalismus) stellte Duchrow Positionen des von ihm herausgegebenen Aufsatzbandes vor. Sein eigener Beitrag in diesem Band geht von der 500 &#8211; j\u00e4hrigen Geschichte des protestantischen Antisemitismus aus. Sie ist l\u00e4ngst nicht aufgearbeitet und verstanden, wird aber sofort \u00fcberlagert vom Konflikt zwischen dem Staat Israel und den Pal\u00e4stinensern.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr Duchrow ist eine Diskussion \u00fcber das Problem Israel\/Pal\u00e4stina nur auf der Basis der Annahme der einseitigen und illegitimen Aus\u00fcbung israelischer Gewalt vorstellbar. Schon hier verschweigt er arabisch-pal\u00e4stinensische Gewalt seit der Mandatszeit in der Gr\u00fcndungsphase zweier m\u00f6glicher Staaten (UNO Res 181). Wir erinnern an den Generalsekret\u00e4r der Arabischen Liga nach dem Teilungsbeschluss: \u201eDie Araber wollen einen Vernichtungskrieg. Es wird ein gigantisches Massaker geben, das sp\u00e4ter einmal im gleichen Atemzug mit den Massakern der Mongolen und der Kreuzfahrer genannt werden wird.\u201c<\/p>\n<p>Duchrow verschweigt die Geschichte der arabischen Aggression gegen die j\u00fcdische Gemeinschaft &#8211; in Gewaltrunden 1920, 1921, 1929, 1936-39 und 1947-48. Die Angreifer sind f\u00fcr Duchrow immer die Israelis, das Opfer sind immer Araber. Araber sind immer das Objekt, nicht das Subjekt.<\/p>\n<p>Auch die vielfache Gewalt gegen Juden \u00fcberall in der Welt (Beispiel M\u00fcnchen 1972) unterdr\u00fcckt Duchrow und nennt sie bei Nachfrage \u201elegitime Gegengewalt\u201c. Als Beispiel gibt er einen sogenannten Vertreibungsplan \u201eDalet\u201c im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg Israels an und beruft sich auf \u201esogar j\u00fcdische\u201c Autoren &#8211; als ob das den Wahrheitsgehalt erh\u00f6hen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zitat des j\u00fcdischen Historiker Jaacov Lozowick: \u201eNiemand hat je ein Dokument gefunden, das bezeugt, dass es eine Politik der Vertreibung der arabischen Bev\u00f6lkerung gegeben h\u00e4tte, denn die gab es nicht. Der Krieg begann im November 1947, und bis Juni 1948 bestand das Ziel der Juden darin, die Entschlossenheit der Araber zu \u00fcberleben, sie zu vernichten. Offene Vertreibungen ereigneten sich vor allem ab Juni, und selbst da war es offenbar eine Atmosph\u00e4re, sie zum Gehen zu ermuntern, und es gab auch F\u00e4lle von Mord, aber keine klare Politik der Vertreibung.\u201c<\/p>\n<p>Geschichtsbilder kann man durch schlichtes Auslassungen und Nichterw\u00e4hnung verzerren. Die kriegerischen Konflikte zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten haben etwa 100 000 Opfer auf beiden Seiten gefordert. Jedes einzelne ist zu beklagen. Gleichzeitig sind in den B\u00fcrgerkriegen und Kriegen zwischen nah\u00f6stlichen Staaten weit \u00fcber zwei Millionen Menschen get\u00f6tet worden. Allein in Syrien sind 11 Millionen Menschen immer noch auf der Flucht oder im Exil. Wenn es um Humanit\u00e4t und Gerechtigkeit geht \u2013 und darin sind wir mit Duchrow jederzeit einig &#8211; , darf man \u00fcber diese ungeheuerlichen Zahlen und die Gewaltgeschichte der Region nicht schweigen. Sie hat lange vor der Bildung europ\u00e4ischer Nationalstaaten und lange vor dem europ\u00e4ischen Imperialismus begonnen.<\/p>\n<p>Die Quellen Duchrows sind erschreckend einseitig. Er beruft sich nur auf die Quellen, die in sein Bild passen. Das ist u. E. unwissenschaftlich. Summa summarum bewerten wir seinen Vortrag als extrem einseitig, geschichtsverdrehend und wegen der v\u00f6llig irrigen Behauptung, Israel sein ein Apartheids- und Unrechtsstaat als nicht hinnehmbar.<br \/>\n20.4.2019<br \/>\nDr. Bernd Moldenhauer<br \/>\nDr. Widu Wittekindt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. April 2019 fand in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Bremen-Blumenthal eine Podiums-Veranstaltung zum Thema &#8222;Ist Kritik an den V\u00f6lkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen des Staates antisemitisch oder vielmehr notwendig?&#8220; statt. 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