{"id":9374,"date":"2019-05-12T14:07:48","date_gmt":"2019-05-12T14:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9374"},"modified":"2019-05-12T14:07:48","modified_gmt":"2019-05-12T14:07:48","slug":"jeff-halpers-bitteres-resumee-wer-haeuser-zerstoert-will-kein-zusammenleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9374","title":{"rendered":"Jeff Halpers bitteres Resum\u00e9e: &#8222;Wer H\u00e4user zerst\u00f6rt, will kein Zusammenleben&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-201\" src=\"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03-300x200.jpg 300w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/14-03-03-03.jpg 1279w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Jeff Halper, geboren 1946 in Minnesota (USA), wanderte 1973 nach Israel aus. 1998 gr\u00fcndete er dort ICAHD, das Israelische Komitee gegen Hausabrisse (Israeli Committee Against House Demolitions). Er ist eine der profiliertesten, scharfsinnigsten j\u00fcdischen Stimmen aus Israel gegen den j\u00fcdischen Nationalismus. (Siehe Kurzbiografie in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jeff_Halper\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">deutschen<\/a> Wikipedia, ausf\u00fchrlicher in der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jeff_Halper\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">englischen<\/a>.)<br \/>\n<em>Foto: <a href=\"http:\/\/www.indymedia.ie\/article\/105670\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.indymedia.ie\/article\/105670<\/a><\/em>Nun hat er am 29. April ein bitteres <a href=\"https:\/\/icahd.org\/2019\/04\/29\/comments-by-jeff-halper-on-israels-increasing-house-demolitions\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Res\u00fcmee<\/a> der T\u00e4tigkeit von ICAHD gezogen, hier in unserer deutschen \u00dcbersetzung.<!--more--><strong>Jeff Halper zu den zunehmenden Hauszerst\u00f6rungen durch Israel<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Ich bin Vorsitzender des Israelischen Komitees gegen Hausabrisse (ICAHD); nach mehr als 20 Jahren Kampf gegen Israels Politik der Hausabrisse bin ich ganz aktuell Zeuge einer der gr\u00f6\u00dften Abrisskampagnen seit Beginn unserer Arbeit. In Ostjerusalem, im Jordantal, in der gesamtem Westbank (wo nicht nur Wohnh\u00e4user abgerissen werden: der ganze Bauernhof meines Freundes Ata Jaber wurde k\u00fcrzlich von den israelischen Beh\u00f6rden zerst\u00f6rt) \u2013 und nicht nur in den besetzten Gebieten: Innerhalb der Gr\u00fcnen Linie demoliert Israel ganze Beduinend\u00f6rfer, um das Land f\u00fcr j\u00fcdische Siedlungen freizumachen, und in Galil\u00e4a und dem Dreieck im Norden [pal\u00e4stinensisch bewohntes Gebiet in Israel ca. 50 km nord\u00f6stlich von Tel-Aviv] werden H\u00e4user pal\u00e4stinensischer B\u00fcrger Israels angegriffen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfenordnung der Zerst\u00f6rung macht Protest und Widerstand unm\u00f6glich. ICAHD f\u00fchrte lange den Widerstand an. Wir stellten uns vor Bulldozer, die zum Abrei\u00dfen pal\u00e4stinensischer Wohnh\u00e4user kamen, und mit den Familien, ihren Nachbarn und Hunderten von israelischen und internationalen Aktivisten bauten wir an die 200 von Israel abgerissene H\u00e4user wieder auf. Wir machten Berichte \u00fcber Hauszerst\u00f6rungen \u00f6ffentlich, nahmen an UN-Konferenzen zum Thema teil, machten Filme und sind mit Familien durch die ganze Welt getourt, die so ihre Geschichte erz\u00e4hlen konnten. Aber all unsere Arbeit ist ein Nichts gegen die Wiederaufnahme der heutigen Hausabrisse, und ich muss ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit eingestehen. Nach Z\u00e4hlung von uns und der UN hat Israel seit 1967 55.000 pal\u00e4stinensische H\u00e4user in den besetzten Gebieten abgerissen. Z\u00e4hlen Sie dazu die 60.000 H\u00e4user, die in der Nakba von 1948 und deren Nachwehen zerst\u00f6rt wurden, und Tausende mehr im israelischen Kernland bis zum heutigen Tag, und das Bild, das dann auftaucht, ist ethnische S\u00e4uberung.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie man darauf noch reagieren kann. Weil die Hausabrisse seit so langer Zeit immer weitergehen und so zahlreich sind, kann man damit nicht mehr mobilisieren. Wir k\u00f6nnen Aktivisten nicht auf die Stra\u00dfe zum Widerstand bringen (wer kann schon mit diesem Tempo und Ausma\u00df mithalten?) und nach all den Jahren k\u00f6nnen wir auch nicht mehr die Medien dazu bringen, \u00fcber die Abrisse zu berichten \u2013 das sind keine Neuigkeiten von Nachrichtenwert. H\u00e4userabrisse sind auch f\u00fcr Unterst\u00fctzergruppen Pal\u00e4stinas im Ausland kein Thema (US Campaign for Palestinian Rights, Palestine Solidarity Campaign und die anderen) und es wird dar\u00fcber auch kaum in den linken Medien wie Democracy Now, the Real News und anderen Plattformen berichtet.<\/p>\n<p>ICAHD konnte damit auch nicht mehr mithalten. Unsere Aktivisten haben sich zu anderen, dr\u00e4ngenderen Dingen wegbewegt: Khan al-Ahmar, Gaza, andere wichtige Dinge, auf die man jedoch immer nur reagiert. Wir bekommen kein Spendengeld mehr, da Spender nicht ihr Geld an politische Organisationen geben, wenn da nichts mehr politisch passiert (noch ein Erfolg f\u00fcr Israel beim Abw\u00fcrgen aller sinnvollen politischen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Sache). Und unsere Message wird immer d\u00fcnner: Wie oft kann man auf eine Leserschaft zur\u00fcckkommen und ihr einen Artikel \u00fcber dieselbe Sache vorsetzen?<\/p>\n<p>Unsere Reaktion, wie ich vielfach schrieb, ist der R\u00fcckzug von Aktivismus vor Ort. ICAHD baut weiter wieder auf, wir besuchen weiter Familien, wir leisten Widerstand so oft wir k\u00f6nnen, und wir \u00e4u\u00dfern uns weiterhin, aber wir sind zu der Folgerung gekommen, dass Protest keinen Sinn hat, wenn er sich nicht mit einem politischen Programm verbindet. Wir wollen diese Familien und die Tausende mehr, deren Wohnh\u00e4user k\u00fcnftig von Israel abgerissen werden, nicht im Stich lassen, aber wir haben eine grunds\u00e4tzliche Tatsache eingesehen: Wenn wir uns nicht mit anderen zusammentun und ein politisches Programm f\u00fcr das Ende der israelischen Herrschaft und Unterdr\u00fcckung formulieren und uns dann daf\u00fcr engagieren (und ich meine nicht irgendeinen vagen &#8222;Rechte-basierten Ansatz&#8220;, sondern ein wirkliches politisches Programm \u2013 die Errichtung <em>eines<\/em> demokratischen Staats zwischen dem Fluss [Jordan] und dem Meer), dann bleibt unsere Entr\u00fcstung, unser Aktivismus und Protest bedeutungslos. Kein politisches Programm zu verfolgen \u2013 DAS hei\u00dft dann wirklich, diese Familien ihrem Schicksal zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Derweil machen wir, so gut wir k\u00f6nnen, bei ICAHD weiter damit, Aufmerksamkeit zu wecken und Widerstand zu leisten gegen diese tragische, grausame israelische Politik (gerichtlich abgesichert) der Hausabrisse. Jede Hilfe von Ihnen, uns Zugang zu Medien verschaffen, ist willkommen. Mittlerweile hat sich ICAHD mit der One Democratic State Campaign (<a href=\"https:\/\/odscampaign.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ODSC<\/a>) zusammengetan, bei ihrem Engagement f\u00fcr eine Ein-Staaten-L\u00f6sung dieser kolonialen Farce.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/bibjetzt.wordpress.com\/2019\/05\/12\/bib-aktuell-66-jeff-halpers-bitteres-resuemee\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>BIB Aktuell #66: Jeff Halpers bitteres\u00a0Res\u00fcmee<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeff Halper, geboren 1946 in Minnesota (USA), wanderte 1973 nach Israel aus. 1998 gr\u00fcndete er dort ICAHD, das Israelische Komitee gegen Hausabrisse (Israeli Committee Against House Demolitions). 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