{"id":9754,"date":"2019-12-15T15:32:04","date_gmt":"2019-12-15T15:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9754"},"modified":"2019-12-15T15:32:04","modified_gmt":"2019-12-15T15:32:04","slug":"dreissig-jahre-filmen-fuer-menschenrechte-btselem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9754","title":{"rendered":"Drei\u00dfig Jahre Filmen f\u00fcr Menschenrechte: B\u2019Tselem"},"content":{"rendered":"<p><em>Zusammenfassung: Die israelische Menschenrechtsorganisation B\u2019Tselem ist 30 Jahre alt geworden \u2013 ein trauriges Jubil\u00e4um, denn Dokumentation von drei\u00dfig Jahren Besatzung hat die internationale Gemeinschaft nicht dazu gebracht, die Besatzung zu stoppen.<\/em><\/p>\n<p>Vor drei\u00dfig Jahren gr\u00fcndeten Menschenrechtsaktivisten in Israel B\u2019Tselem. Der Name dieser Organisation ist sowohl ihr Leitbild als auch ihr Programm. Er ist ihr Leitbild, denn \u201eB\u2019Z\u00e9llem Eloh\u00edm Bar\u00e1\u2019 et-ha\u2019Ad\u00e1m\u201c \u2013 \u201eIm Ebenbild Gottes erschuf Er den Menschen\u201c \u2013 aus der biblischen Sch\u00f6pfungsgeschichte wurde vom\u00a0<a href=\"https:\/\/sammlungen.ub.uni-frankfurt.de\/freimann\/content\/pageview\/3616872\">Talmudgelehrten<\/a>\u00a0Ben Asa\u2019i\u00a0 zum wichtigsten Grundsatz der Tor\u00e1h erkl\u00e4rt: Juden wie Nichtjuden sind Gottes Ebenbild (Adam war kein Jude; der erste Jude in der Bibel ist Abraham). Unter diesem Motto arbeitet B\u2019Tselem f\u00fcr die Menschenrechte der Pal\u00e4stinenser in Israel und in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gallery.mailchimp.com\/d2d027ff28580d7b9d45684bc\/images\/ecca0eea-75ef-487d-8f62-c93512aaa61a.jpg\" width=\"550\" height=\"308\" border=\"0\" \/><br \/>\nFoto: Hagai El-Ad<\/p>\n<p>Der Name B\u2018Tselem ist aber auch ihr Programm, denn aus dem Wortstamm \u201eZLM\u201c sind im Neuhebr\u00e4ischen die Worte f\u00fcr \u201eFoto\u201c, \u201eFotograf\u201c, \u201eKameramann\u201c gebildet: B`Tselem l\u00e4sst Pal\u00e4stinenser seit 2007, auch mit Videokameras, den Besatzungsalltag dokumentieren und hat Tausende Stunden Filmmaterial archiviert. Es zeigt, wie Pal\u00e4stinenser an Stra\u00dfensperren festgehalten werden, wie radikale Siedler pal\u00e4stinensische Bauern attackieren, ohne dass die anwesenden israelischen Soldaten eingreifen, wie israelische Soldaten nachts in Wohnungen eindringen und junge M\u00e4nner verhaften.<\/p>\n<p>Zehava Gal\u2018on, die 1969 zu den Gr\u00fcndern von B`<u>T<\/u>selem geh\u00f6rte,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-we-believed-it-was-enough-for-the-israeli-public-to-know-1.8252269?utm_source=B%27Tselem+Email+List&amp;utm_campaign=a27ff840dd-EMAIL_CAMPAIGN_2019_12_10_07_09&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_19d0d9bede-a27ff840dd-121658193\">schreibt<\/a>\u00a0anl\u00e4sslich des Jahrestages in Ha\u2019Aretz, sie h\u00e4tten bei der Gr\u00fcndung von B&#8217;Tselem vor 30 Jahren geglaubt, \u201e<em>dass die israelische \u00d6ffentlichkeit nur wissen m\u00fcsse, was in ihrem Namen getan wird. Wie falsch wir lagen! B&#8217;Tselem wurde als Antwort auf eine Frage gegr\u00fcndet, die die israelische \u00d6ffentlichkeit immer noch zerrei\u00dft: Was soll man tun, wenn der eigene Staat unrechtm\u00e4\u00dfig handelt? Keine zuf\u00e4lligen Ungerechtigkeiten, keine Fehler, keine blinden b\u00fcrokratischen Entscheidungen, sondern eine kontinuierliche, bewusste Politik, die die Menschen wie etwas behandelt, auf dem man herumtrampeln kann. Die Antwort der Menschen auf diese Frage sagt viel \u00fcber ihre Haltung aus. Es gibt einige, die schweigen, es gibt andere, die sich einreden, dass alles in Ordnung ist, es gibt andere, die erkl\u00e4ren, dass wir k\u00e4mpfen m\u00fcssen, aber nicht jetzt und schon gar nicht im Ausland.<\/em>\u201c Es gehe B&#8217;Tselem darum, der israelischen \u00d6ffentlichkeit vor Augen zu f\u00fchren, wie gleichg\u00fcltig sie geworden ist &#8211; eine frustrierende Aufgabe, da \u201e<em>viele Israelis glauben, dass ihre Sicherheit wichtiger ist als die Menschenrechte der Pal\u00e4stinenser. Aber die meisten Israelis wissen auch, dass Sicherheit nicht alles rechtfertigt, denn sonst w\u00fcrden sie sich nicht so sehr bem\u00fchen, die Fakten zu leugnen, die B&#8217;Tselem offenlegt. Der Krieg rechtfertigt kein blindw\u00fctiges Schie\u00dfen oder Luftangriffe auf Ortschaften und H\u00e4user, ohne zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob Zivilisten anwesend sind. Der Krieg rechtfertigt keine Folter, Misshandlung, Pl\u00fcnderung und T\u00f6tung von Gefangenen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Kritik, B`Tselem sei einseitig, insbesondere zeigten die Videos nicht die tats\u00e4chliche Gefahrenlage, die Israel zu seinen milit\u00e4rischen Aktionen n\u00f6tige, ist vielfach widerlegt worden. Laut\u00a0<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/artikel\/2019\/47037\/hagai-el-ad-von-btselem-ueber-israels-besatzungspolitik\">Hagai El-Ad<\/a>, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von B\u2019Tselem, zeigen die Videos sehr wohl, wie gro\u00df der Druck f\u00fcr alle Beteiligten sei: sowohl f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung als auch f\u00fcr die Soldaten, die in den besetzten Gebieten ihren Dienst tun. Am 24. M\u00e4rz 2016 attackierten zwei Pal\u00e4stinenser in Hebron israelische Soldaten mit Messern. Ihr Anschlag wurde vereitelt, ein Attent\u00e4ter erschossen, der andere verletzt. Ein Anwohner filmte die Szene. In dem von B\u2019Tselem hochgeladenen Video auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=S8WK2TgruMo\">YouTube<\/a>\u00a0\u00a0sieht man, wie ein Sanit\u00e4tssoldat seine Waffe durchl\u00e4dt, auf den Kopf des verletzten, wehrlos am Boden liegenden Pal\u00e4stinensers zielt und abdr\u00fcckt. Ein Anwohner hatte B\u2019Tselem das Video zur Verf\u00fcgung gestellt, B\u2019Tselem hatte es ver\u00f6ffentlicht und den Fall vor Gericht gebracht.<\/p>\n<p>B`Tselem ist in letzter Zeit verst\u00e4rkt auf politischen Feldern aktiv geworden. Zum Beispiel wurde die Zusammenarbeit mit der Milit\u00e4rjustiz beendet:\u00a0<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/artikel\/2019\/47037\/hagai-el-ad-von-btselem-ueber-israels-besatzungspolitik\">Hagai El-Ad<\/a>: \u201eWeil die Milit\u00e4rjustiz in nur drei Prozent der F\u00e4lle wegen des Verdachts auf Menschenrechtsverletzungen gegen Pal\u00e4stinenser Anklage erhoben hat \u2013 obwohl von uns gr\u00fcndlich recherchierte Beweise vorlagen\u201c. Im Oktober 2018 forderte Hagai El-Ad vor dem UN-Sicherheitsrat als Experte internationalen Druck gegen Israel, da nur dieser die Besatzung gewaltlos beenden k\u00f6nne. Daran entz\u00fcndete sich die Kritik, B\u2019Tselem instrumentalisiere das Thema Menschenrechte f\u00fcr ein politisches Ziel: das Ende der Besatzung. Hagai El-Ad: \u201eMenschenrechte sind immer ein Politikum\u201c.<\/p>\n<p>B\u2019Tselem wird zwar von der EU\u00a0<a href=\"https:\/\/www.btselem.org\/about_btselem\/donors\">mitfinanziert<\/a>. \u00a0Nur selten bekennen sich aber deutsche Politiker zu dieser menschenrechtlichen Orientierung so wie Au\u00dfenminister Gabriel, der wegen eines Treffens mit B\u2019Tselem und mit \u201eBreaking the Silence\u201c im April 2017 von Netanjahu nicht empfangen wurde. Gabriels Nachfolger Maas jedenfalls traf sich im Februar 2017, als er noch Justizminister war, lieber mit seiner damaligen israelischen Amtskollegin, der rechten Hardlinerin Ayelet Shaked, und flog mit ihr im Hubschrauber \u00fcber das von Shaked f\u00fcr Israel beanspruchte von Israel besetzte Westjordanland. Erfreulich sind darum im heutigen weichgesp\u00fclten pro-Israel- \/ anti-Menschenrechte-Klima Beitr\u00e4ge wie der von Dahlia Scheindlin, j\u00fcdisch-israelischer Politikwissenschaftlerin beim\u00a0<em>Israeli Institute for Regional Foreign Policies,<\/em>\u00a0in der\u00a0<a href=\"https:\/\/edition.faz.net\/faz-edition\/politik\/2019-12-10\/die-mildeste-sanktion-gegen-israel\/397459.html\">FAZ<\/a>\u00a0vom 10.12. zum j\u00fcngsten Urteil des EuGH zur Kennzeichnung von Produkten aus den j\u00fcdischen Siedlungen. Sie vergleicht die Behandlung Israels durch die EU systematisch mit der Behandlung anderer Probleme durch die EU &#8211; Marokko (Westsahara), Russland (Krim), Nordzypern, China (Tibet). Dabei verweist sie darauf, dass die EU wegen der Besetzung der Krim umfangreiche Sanktionen gegen Russland verh\u00e4ngt hat und f\u00fcr Produkte aus Nordzypern so hohe Z\u00f6lle erhebt, dass dies einem Einfuhrverbot gleichkomme. Im Vergleich damit sei das EuGH-Urteil \u201edie mildest m\u00f6gliche Form der \u00f6konomischen Sanktionierung einer in ihrer konkreten Form v\u00f6lkerrechtswidrigen Besatzungsherrschaft\u201c.<\/p>\n<p>Nach Ansicht der genannten Ayelet Shaked \u2013 so berichtet Scheindlin \u2013 trage aber dieses Urteil des EuGH den \u201eGestank des Antisemitismus\u201c, und ebenso h\u00e4tten sich die deutschen Politiker Volker Beck und Felix Klein ge\u00e4u\u00dfert. Der deutsche Antisemitismusbeauftragte im trauten Einklang mit einer israelischen Rechtsradikalen: Es braucht wohl eine Israelin, damit ein mainstream-Medium wie die FAZ diese Einsch\u00e4tzung abdruckt. Jedenfalls w\u00fcnschen wir B\u2019Tselem zum Jubil\u00e4um, dass sich die deutsche Politik wieder offen zu dieser Organisation als wichtiger Verteidigerin der Menschenrechte bekennen m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Quelle (mit freundlicher Genehmigung): <a href=\"https:\/\/public-api.wordpress.com\/bar\/?stat=groovemails-events&amp;bin=wpcom_email_click&amp;redirect_to=https%3A%2F%2Fbibjetzt.wordpress.com%2F2019%2F12%2F15%2Fbip-aktuell-99-dreissig-jahre-filmen-fuer-menschenrechte-btselem%2F&amp;sr=1&amp;signature=99b723e91d299803962aa96d4b86b132&amp;user=27365861&amp;_e=eyJlcnJvciI6bnVsbCwiYmxvZ19pZCI6MTEwMjI3OTU4LCJibG9nX2xhbmciOiJkZS1ERSIsInNpdGVfaWRfbGFiZWwiOiJ3cGNvbSIsImVtYWlsX25hbWUiOiJlbWFpbF9zdWJzY3JpcHRpb24iLCJfdWkiOjI3MzY1ODYxLCJlbWFpbF9pZCI6IjYyZDdkMWZlZWEwNmJkODNjMjI3NWEyMmJkZTAzMjU3IiwiZGF0ZV9zZW50IjoiMjAxOS0xMi0xNSIsImRvbWFpbiI6ImJpYmpldHp0LndvcmRwcmVzcy5jb20iLCJmcmVxdWVuY3kiOiIwIiwiZGlnZXN0IjoiMCIsImhhc19odG1sIjoiMSIsImxvY2FsZSI6ImRlIiwiYW5jaG9yX3RleHQiOiJCSVAgQWt0dWVsbCA5OTogRHJlaVx1MDBkZmlnIEphaHJlIEZpbG1lbiBmXHUwMGZjciBNZW5zY2hlbnJlY2h0ZTpcdTAwYTBCXHUyMDE5VHNlbGVtIiwiX2RyIjpudWxsLCJfZGwiOiJcL3Jlc3RcL3YxLjJcL3NpdGVzXC8xMTAyMjc5NThcL3Bvc3RzXC8zMTg5P2h0dHBfZW52ZWxvcGU9MSZjb250ZXh0PWVkaXQmbG9jYWxlPWRlIiwiX3V0Ijoid3Bjb206dXNlcl9pZCIsIl91bCI6InNvZW5rZWh1bmR0IiwiX2VuIjoid3Bjb21fZW1haWxfY2xpY2siLCJfdHMiOjE1NzY0MTYyNTM4MDgsImJyb3dzZXJfdHlwZSI6InBocC1hZ2VudCIsIl9hdWEiOiJ3cGNvbS10cmFja3MtY2xpZW50LXYwLjMiLCJibG9nX3R6IjoiMiIsInVzZXJfbGFuZyI6ImRlIn0&amp;_z=z\">BIP Aktuell 99: Drei\u00dfig Jahre Filmen f\u00fcr Menschenrechte:\u00a0B\u2019Tselem<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung: Die israelische Menschenrechtsorganisation B\u2019Tselem ist 30 Jahre alt geworden \u2013 ein trauriges Jubil\u00e4um, denn Dokumentation von drei\u00dfig Jahren Besatzung hat die internationale Gemeinschaft nicht dazu gebracht, die Besatzung zu stoppen. 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