{"id":9800,"date":"2020-01-26T17:03:37","date_gmt":"2020-01-26T17:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/nahost-forum-bremen.de\/?p=9800"},"modified":"2020-01-26T17:04:26","modified_gmt":"2020-01-26T17:04:26","slug":"erstaunliches-ueber-antisemitismus-in-der-faz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9800","title":{"rendered":"Erstaunliches \u00fcber Antisemitismus in der FAZ"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\">In der eher konservativ orientierten gutb\u00fcrgerlichen FAZ erschien am 19.1.2020 ein sehr differenzierter Artikel \u00fcber Antisemitismusdefinitionen sowie dem damit einhergehenden Versuch, den Inhalt des Begriffs &#8222;Antisemitismus&#8220; so auszuweiten, dass er auch die Kritik an der v\u00f6lkerrechtswidrigen israelischen Besatzungspolitik mit einschlie\u00dft.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Autor Christian Meier arbeitet in seinem Artikel heraus, da\u00df Antisemitismusvorw\u00fcrfe &#8222;Munition im Meinungskampf&#8220; sind und dass Antisemitismus niemals statisch sei. Das Ressentiment passe sich an und aktualisiere seine Motive. Es f\u00fcge sich geschmeidig in Diskurse ein, die von der Globalisierung bis zur Lage im Nahen Osten reichten.<!--more--><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Er schreibt: &#8222;<\/span><span lang=\"en-US\"><i>Vorurteile gegen\u00fcber und Hass auf <\/i><\/span><span lang=\"en-US\"><i><u>Juden<\/u><\/i><\/span> <span lang=\"en-US\"><i>hat es schon vor der Moderne gegeben, sie sind sogar sehr alt \u2013 und waren vor allem religi\u00f6s gepr\u00e4gt. Seit dem 19. Jahrhundert haben sie sich jedoch ver\u00e4ndert, sind in Wechselwirkung mit geistigen Str\u00f6mungen wie dem Nationalismus oder der Rassenkunde getreten. Schlie\u00dflich gab es ein ausformuliertes pseudowissenschaftliches Theoriegeb\u00e4ude, das ganz dem herrschenden Ungeist der Zeit entsprach. In Deutschland wurde es zum Regierungsprogramm, mit katastrophalen Folgen.<\/i><\/span> <span lang=\"en-US\"><i>Nach dem <\/i><\/span><span lang=\"en-US\"><i><u>Holocaust<\/u><\/i><\/span><span lang=\"en-US\"><i> hat der Antisemitismus weitere Wandlungen durchgemacht. Bis heute. Das antisemitische Ressentiment passt sich an, es aktualisiert seine Motive und f\u00fcgt sich geschmeidig in Diskurse ein, die von der Globalisierung bis zur Lage im Nahen Osten reichen.<\/i><\/span> <span lang=\"en-US\"><i>In seinen unterschiedlichen Gew\u00e4ndern l\u00e4sst sich der Antisemitismus fast \u00fcberall entdecken, am Stammtisch ebenso wie an manchem noblen Rednerpult. Im Internet sowieso. Und auf den Stra\u00dfen. Der Leiter der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) sprach vergangenes Jahr vom \u201eantisemitischen Grundrauschen\u201c, das f\u00fcr Juden den Alltag in der Stadt pr\u00e4ge.&#8220;<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Seit dem Angriff in Halle erh\u00f6he sich die Besorgnis!<\/span> <span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\"><i><b>&#8222;<\/b><\/i><\/span><\/span><span lang=\"en-US\"><i>Lange Zeit waren antisemitische Vorf\u00e4lle und Einstellungen in Deutschland nicht dauerhaft \u00f6ffentliches Thema. Das zumindest hat sich ge\u00e4ndert. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht<\/i><\/span> <span lang=\"en-US\"><i>ein W\u00fcrdentr\u00e4ger warnt und mahnt, an dem nicht neue Strategien beschlossen oder sch\u00e4rfere Ma\u00dfnahmen gefordert werden. Denn kaum ein Tag vergeht auch ohne antisemitische \u00dcbergriffe \u2013 der dramatischste im vergangenen Jahr war der Angriff auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober, dem zwei Menschen zum Opfer fielen, w\u00e4hrend viele weitere knapp mit dem Leben davonkamen. Wenn in der kommenden Woche an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnert wird, dann geschieht das auch im Zeichen einer erh\u00f6hten Besorgnis.&#8220;<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Und<\/span><span lang=\"en-US\">:<\/span><span lang=\"en-US\"> &#8222;al<\/span><span lang=\"en-US\"><i>ler Forschung zum Trotz tun sich selbst Fachleute oft schwer, den gegenw\u00e4rtigen Antisemitismus auf Anhieb b\u00fcndig zu definieren. Sie sagen dann etwa, jede Erkl\u00e4rung\u201ezerrinne\u201c, sprechen von Antisemitismus als einem \u201eCham\u00e4leon\u201c oder vergleichen ihn mit einem sich stetig ver\u00e4ndernden \u201eVirus\u201c. Der Grund ist seine Vielgestaltigkeit und der Umstand, dass Antisemitismus heute oft getarnt auftritt.&#8220;<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Die Signale, die aus dem<\/span> <span lang=\"en-US\">politischen Raum kommen, st\u00fcnden oft v\u00f6llig im Gegensatz dazu.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">\u201e<span lang=\"en-US\"><i>Antisemitismus ist Antisemitismus ist Antisemitismus\u201c, sagte Israels Staatspr\u00e4sident <\/i><\/span><span lang=\"en-US\"><i><u>Reuven Rivlin<\/u><\/i><\/span><span lang=\"en-US\"><i> Anfang November bei einem Treffen mit den Antisemitismusbeauftragten verschiedener L\u00e4nder. \u201eGrauzonen\u201c gebe es nicht. Rivlins Einwurf war auf die Frage gem\u00fcnzt, ob etwa Boykottaufrufe gegen Israel als antisemitisch zu werten seien, und er sprach damit einen zentralen Punkt vieler Debatten an. Schon seit einigen Jahren zeigt sich eine zunehmende Aufladung des Themas mit dem Nahostkonflikt. Daneben haben die Einwanderung aus dem islamischen Kulturkreis nach Europa und der Aufschwung von Parteien am rechten Rand die gegenw\u00e4rtigen Erscheinungsformen des Antisemitismus beeinflusst.&#8220;<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">All dies habe <\/span><span lang=\"en-US\"><i>&#8222;zu einer un\u00fcbersichtlichen und teilweise vergifteten Debatte beigetragen. Alarmismus und (als Reaktion darauf) Verharmlosung sind zwei regelm\u00e4\u00dfig erhobene Vorw\u00fcrfe. Oft werden Dinge vereinfacht, andere verunklart. Regelm\u00e4\u00dfig kursieren Angaben und Zahlen, die zu interpretieren schwierig ist. Was soll beispielsweise davon zu halten sein, wenn es in Medienberichten hei\u00dft, \u201ejeder vierte Deutsche denkt antisemitisch\u201c?&#8220;<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Christian Meier konstatiert, dass <span lang=\"en-US\">die Forschung seit langem daran arbeite, die Verbreitung antisemitischer Einstellungen in der Bev\u00f6lkerung zu ermitteln. Sie ha<\/span><span lang=\"en-US\">be<\/span><span lang=\"en-US\"> dazu ein differenziertes Instrumentarium entwickelt. So <\/span><span lang=\"en-US\">habe <\/span><span lang=\"en-US\">die Leipziger Autoritarismus-Studie von 2018 einen R\u00fcckgang des Anteils von Menschen mit \u201egeschlossen antisemitischem\u201c Weltbild von 9,3 Prozent im Jahr 2012 auf 4,4 Prozent im Jahr 2018<\/span><span lang=\"en-US\"> verzeichnet<\/span><span lang=\"en-US\">. Aufgrund der hohen sozialen \u00c4chtung antisemitischer \u00c4u\u00dferungen in Deutschland <\/span><span lang=\"en-US\">w\u00fcrden <\/span><span lang=\"en-US\">die Autoren allerdings von einem gro\u00dfen \u201eDunkelfeld\u201c aus<\/span><span lang=\"en-US\">gehen<\/span><span lang=\"en-US\">.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">&#8222;<span lang=\"en-US\">Was aber wird da genau gemessen? In den Frageb\u00f6gen ermitteln die Forscher die Meinung zu verschieden eingestuften Aussagen. Als Zeichen f\u00fcr einen<\/span><span lang=\"en-US\"> &#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">prim\u00e4ren<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> oder <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">traditionellen<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> Antisemitismus gilt die Zustimmung zu S\u00e4tzen, die sich direkt gegen Juden richten. Zum Beispiel <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">Juden haben zu viel Einfluss<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> oder <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">Ich kann es gut verstehen, dass manchen Leuten Juden unangenehm sind<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">&#8222;.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Wesentlich weiter verbreitet <\/span><span lang=\"en-US\">sei <\/span><span lang=\"en-US\">allerdings der \u201esekund\u00e4re\u201c Antisemitismus, der oft der Schuldabwehr dien<\/span><span lang=\"en-US\">e<\/span><span lang=\"en-US\">. Er tr<\/span><span lang=\"en-US\">ete<\/span><span lang=\"en-US\"> zutage in Aussagen wie <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;R<\/span><span lang=\"en-US\">eparationsforderungen an Deutschland n\u00fctzen oft gar nicht den Opfern, sondern einer Holocaust-Industrie von findigen Anw\u00e4lten<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">&#8222;<\/span><span lang=\"en-US\">Da die Leipziger Studie autorit\u00e4re und rechtsextreme Einstellungen insgesamt ermittelt, ist es m\u00f6glich, die betroffene Personengruppe genauer zu charakterisieren: So neigen Menschen<\/span> <span lang=\"en-US\">mit antisemitischen Einstellungen oft zu Feindseligkeit gegen\u00fcber Muslimen oder Sinti und Roma; sie weisen eine leicht h\u00f6here Gewaltbereitschaft auf; und sie tendieren zu (extrem) rechten politischen Einstellungen. In Krisenzeiten steigt die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr antisemitische Ressentiments; deutlich war das w\u00e4hrend der Finanzkrise zwischen 2008 und 2012. Auch deswegen gehen die Autoren davon aus, dass das Potential f\u00fcr Antisemitismus in Deutschland unver\u00e4ndert hoch ist. Betroffen sind ihnen zufolge insbesondere Menschen, die sich den Umbr\u00fcchen der Zeit hilflos ausgeliefert f\u00fchlen; diese Menschen neigten auch dazu, die AfD zu w\u00e4hlen.<\/span> <span lang=\"en-US\">Dass auch ein starker Zusammenhang zwischen der Neigung zu Verschw\u00f6rungsdenken und antisemitischen Einstellungen besteht, verweist auf einen wichtigen Umstand f\u00fcr die Abgrenzung des Ph\u00e4nomens. Denn Antisemitismus ist nicht einfach ein Vorurteil. Das sei\u201eein zu schwacher Begriff und zu oberfl\u00e4chlich, um Antisemitismus als Ph\u00e4nomen wirklich zu begreifen\u201c, sagt Stefanie Sch\u00fcler-Springorum, die Direktorin des Berliner Zentrums f\u00fcr Antisemitismusforschung. In seiner festen Auspr\u00e4gung, so die Historikerin, komme Antisemitismus als \u201eVerschw\u00f6rungstheorie\u201c daher. Er gilt dabei nicht der einzelnen j\u00fcdischen Person, sondern dem (imaginierten) j\u00fcdischen Kollektiv. Bei dem Sozialphilosophen Moishe Postone hei\u00dft es: \u201eDie Juden stehen f\u00fcr eine ungeheuer machtvolle, unfassbare internationale Verschw\u00f6rung.\u201c Aus diesem Grund ist Antisemitismus auch etwas anderes als Rassismus: W\u00e4hrend bei letzterem bestimmte Gruppen \u201enach unten\u201c abgewertet werden, zielt ersterer in eine andere Richtung: auf eine fremde Gefahr. Beide treten aber oft zusammen auf.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Antisemitismus kann sich auf vielerlei Arten \u00e4u\u00dfern \u2013 trotz oder gerade wegen des Tabus des offen artikulierten Antisemitismus, das in vielen L\u00e4ndern herrscht. Dass festgef\u00fcgte antisemitische Einstellungen der Autoritarismus-Studie zufolge abgenommen haben, widerspricht insofern nicht dem weitverbreiteten Eindruck von einer Zunahme des Antisemitismus in den vergangenen Jahren und einem Anstieg entsprechender Straftaten.<\/span> <span lang=\"en-US\">Strittig ist vor allem, in welchem Ma\u00dfe die steigende Zahl registrierter \u00dcbergriffe auf arabisch-muslimische Zuwanderung zur\u00fcckgeht \u2013 und welche Rolle der Islam dabei spielt. Bei Muslimen lassen sich, genau wie bei Christen, religi\u00f6se Traditionen gegen Juden in Stellung bringen. In Interviews, die der Politologe David Ranan mit Muslimen in Deutschland f\u00fchrte, trat denn auch eine gro\u00dfe Bandbreite an Vorurteilen und Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber Juden zutage \u2013 die jedoch meist nicht auf den Koran, sondern auf Israel zur\u00fcckgriffen. Zudem konnten die meisten Interviewpartner kaum die Begriffe\u201eJude\u201c, \u201eIsraeli\u201c und \u201eZionist\u201c auseinanderhalten. Ranan glaubt deshalb, man m\u00fcsse unterscheiden zwischen vom Nahostkonflikt stammenden antij\u00fcdischen Einstellungen und dem \u201eechten\u201c Antisemitismus von Islamisten.&#8220;<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Da <\/span><span lang=\"en-US\">auch <\/span><span lang=\"en-US\">das Thema BDS Gegenstand einer lebhaften Debatte und heftiger politischer Einflussnahme ist, stellt <\/span><span lang=\"en-US\">der Autor der FAZ <\/span><span lang=\"en-US\">die abschlie\u00dfenden Frage, ob die BDS-Bewegung antisemitisch <\/span><span lang=\"en-US\">sei<\/span><span lang=\"en-US\"> und bezieht <\/span><span lang=\"en-US\">hier auch <\/span><span lang=\"en-US\">eindeutig Stellung: <\/span><span lang=\"en-US\">&#8222;<\/span><span lang=\"en-US\">Es kommt dabei<\/span><span lang=\"en-US\">&#8222;, so Christian Meier, &#8222;<\/span><span lang=\"en-US\">h\u00e4ufig zu <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">paranoiden Diffamierungen<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;. <\/span><span lang=\"en-US\">Die israelische Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu hat ein finanziell gut ausgestattetes Ministerium eingerichtet, das sich daf\u00fcr einsetzt, dass Kritik an Israel und an der Besatzung m\u00f6glichst oft als antisemitisch gebrandmarkt wird. W\u00e4hrenddessen versuchen manche Unterst\u00fctzer der pal\u00e4stinensischen Sache, Israel als koloniales Apartheid-Projekt darzustellen. Die BDS-Bewegung wirbt f\u00fcr <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">, um zu erreichen, dass Israel den Pal\u00e4stinensern ihre historischen Rechte zugesteht. Dass sie antisemitisch sein soll, weist die Bewegung von sich, duldet aber offenbar antisemitische Umtriebe in ihren \u2013 heterogenen \u2013 Reihen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Ihre Kritiker sagen dieser Bewegung dar\u00fcber hinaus nach, dass sie ganz grunds\u00e4tzlich antisemitisch sei, unter anderem weil sie Israels Existenzrecht als j\u00fcdischer Staat infrage stelle. Dieser Vorwurf ist allerdings die Folge einer mangelnden Unterscheidung: Im Kontext des Nahostkonflikts \u2013 der ein politisch-territorialer Konflikt ist \u2013 ist eine gegen Israel gerichtete Haltung ohne antisemitische Motive durchaus denkbar. Sie kann antisemitisch sein; ob das so ist, l\u00e4sst sich aber nur durch eine Analyse des Einzelfalls ermitteln.<\/span> <span lang=\"en-US\">Eine solche Analyse steht und f\u00e4llt freilich mit der Messlatte, die angelegt wird. Auch dieses Feld ist sehr umstritten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">So gibt es eine bestimmte Antisemitismusdefinition, die zuletzt immer weitere Verbreitung fand: die <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">Arbeitsdefinition<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Sie wurde 2016 von der zwischenstaatlichen Organisation verabschiedet und seither von mehreren Organisationen und L\u00e4ndern \u00fcbernommen, unter anderem von Deutschland. Das Dokument besteht aus einer kurzen Definition, gefolgt von einer Reihe von Erl\u00e4uterungen und Beispielen.<\/span> <span lang=\"en-US\">Verschiedentlich wurde Kritik daran ge\u00e4u\u00dfert. Der Soziologe Peter Ullrich schrieb k\u00fcrzlich ein ganzes Gutachten, in dem er die <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">immense Vagheit<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> der IHRA-Definition bem\u00e4ngelte. Diese beginnt mit der Formulierung, Antisemitismus sei <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass auf Juden \u00e4u\u00dfern kann<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">An den Beispielen wird kritisiert, dass sieben von elf einen Bezug zu Israel haben. Dort ist als Beispiel f\u00fcr Antisemitismus etwa zu finden: <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">Das Anlegen doppelter Standards, indem man von ihm (Israel) ein Verhalten fordert, das von keiner anderen demokratischen Nation erwartet oder verlangt wird.<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> Ph\u00e4nomene wie christlicher Antisemitismus oder Weltmachtphantasien seien in der Liste dagegen unterbelichtet, kritisiert etwa Sch\u00fcler-Springorum.<\/span> <span lang=\"en-US\">Selbst manche Personen, die am Zustandekommen des Dokuments beteiligt waren, sagen heute, die Beispiele seien als alltagstaugliche Hilfestellungen gedacht gewesen, nicht als umfassende Definition. Dennoch wird die \u201eArbeitsdefinition\u201c als solche benutzt \u2013 und wird so zur Munition im Meinungskampf um Legitimierung und Delegitimierung politischer Positionen. Diese Auseinandersetzungen haben l\u00e4ngst auch Deutschland erreicht. Selbst manche Institutionen, die nur indirekt in Kontakt mit der BDS-Bewegung geraten sind, werden mit Antisemitismus-Vorw\u00fcrfen belegt. Diese Art von <\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\">paranoider Diffamierung<\/span><span lang=\"en-US\">&#8218;<\/span><span lang=\"en-US\"> \u2013 so der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik \u2013 ist das Ergebnis eines schlichten Antisemitismusbegriffs, dem ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Komplexit\u00e4t des Themas fehlt.&#8220;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der eher konservativ orientierten gutb\u00fcrgerlichen FAZ erschien am 19.1.2020 ein sehr differenzierter Artikel \u00fcber Antisemitismusdefinitionen sowie dem damit einhergehenden Versuch, den Inhalt des Begriffs &#8222;Antisemitismus&#8220; so auszuweiten, dass er auch die Kritik an der v\u00f6lkerrechtswidrigen israelischen Besatzungspolitik mit einschlie\u00dft. &hellip; <a href=\"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/?p=9800\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-9800","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9800"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9802,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9800\/revisions\/9802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg-netz-bremen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}