Der Angriff der Hamas und die Ereignisse, die sich seit gestern entwickeln, sind unsagbar. Wir sind untröstlich, zuzusehen, wie verängstigte Zivilisten in ihren Häusern belagert werden, unschuldige Menschen kaltblütig auf der Straße, auf Partys und Dutzende als Geiseln genommen und in den Gazastreifen gezogen. Jeder von uns kennt jemanden, der tragisch betroffen ist. Wir könnten über ihre grausamen und kriminellen Handlungen weitermachen oder uns darauf konzentrieren, wie unsere jüdisch-supremazistische Regierung uns an diesen Punkt gebracht hat. Aber so schwer es auch ist, unsere Aufgabe als ehemalige israelische Soldaten ist es, darüber zu sprechen, wofür wir geschickt wurden. Weiterlesen
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Zur aktuelle Lage in Gaza – Palästina. Gewalt und Krieg führen nicht zum Frieden. Erklärung der Bremer DPG
Die neue militärische Auseinandersetzung zwischen Hamas und Israel wird in den europäischen Medien unterschiedlich eingeschätzt. Während z.B die deutschen Fernsehanstalten fast ausschließlich und gebetsmühlenartig von israelischen „Opfern“ und palästinensischen „Terroristen“ sprechen, bemühen sich etwa die BBC und SRG (Schweiz) um sachliche und objektive Berichterstattung. Da werden wichtige Themen bzw. Ereignisse wie Besatzung, Besiedelung und schleichende Annexion der palästinensischen Gebiete hinterfragt.
Auch wenn wir keine Partei für Hamas, radikalere Gruppierungen oder die Fatah ergreifen, weil die DPG generell für das palästinensisches Volk, die Beendigung der völkerrechtswidrigen Besatzung arbeitet, hindert uns das nicht daran festzustellen, dass für die neue Eskalation, auch wenn sie von Hamas angestoßen wurde, ursächlich Israel verantwortlich ist. Denn das brutale und zudem völkerrechtswidriges Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung, zumindest seit 1967, bereitete den Boden für die schlimme aktuelle Eskalation. Ohne eine umfassende und gerechte Lösung der offenen Palästinafrage wird Israel nie in der Lage sein, Sicherheit im eigenen Land zu erreichen. Militärische Siege ohne einen echten Friedensschluss erweisen sich mehr und mehr als Fata Morgana. Das sollte die Lehre sein. Es leiden die Menschen auf beiden Seiten, die Frieden und Verständigung wollen, aber letztlich durch Tod, lebenslange Leiden an Körper und Psyche Opfer der kriegerischen Auseinandersetzung sind. Weiterlesen
„Elephant in the Room“ – eine besondere Petition zur Unterstützung der Protestbewegung in Israel
Apartheid: offensichtlich, aber totgeschwiegen
Das Bewusstsein über die israelische Apartheid verbreitet sich weiter, sogar in der israelischen Gesellschaft selbst.
Zur Original-Petition und zur Liste der Unterzeichner hier
Eine Petition, die von mehr als 2.000 israelischen und israelisch-amerikanischen Akademiker*innen und Persönlichkeiten unterzeichnet wurde, ruft dazu auf, die Protestbewegung in Israel zu unterstützen, Organisationen, die sich für die Rechte der Palästinenser*innen einsetzen, zu fördern und die internationale Straflosigkeit Israels zu beenden.
Selbst grosse deutsche Zeitungen berichteten über diese Nachricht, was einen Wendepunkt in einem Land markiert, das sich hartnäckig weigert, die Realität vor Ort zu sehen, und nicht aufhört, die Solidarität mit den Palästinenser*innen zu kriminalisieren. Weiterlesen
Reden über Israel: ändert sich der deutsche Diskurs?
Es sind zwei Artikel in deutschen „Leitmedien“ (Frankfurter Allgemeine und Frankfurter Rundschau) erschienen, die das Zeug haben, den Diskurs in Deutschland über Israel zu verändern.
Apartheid ist unsere Realität in Israel
Lange wurde Israel vor dem Apartheid-Vorwurf in Schutz genommen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in meiner Heimat lässt sich das nicht aufrechterhalten. Daher greift auch die Formel nicht mehr, dass, wer von Apartheid spricht, Antisemit sei.
Von Amos Goldberg
Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, hat jüngst anlässlich eines aufschlussreichen Interviews mit der deutschen Nahost-Expertin Muriel Asseburg die Behauptung aufgestellt, wer Israel Apartheid unterstelle, delegitimiere den jüdischen Staat. Denn das sei ein antisemitisches Narrativ. Die These ist fragwürdig. Denn hätte Felix Klein recht, wären einige der namhaftesten Holocaust- und Antisemitismusforscher aus Israel, Amerika, Europa und der ganzen Welt Antisemiten. Weiterlesen
Israel-Palästina Debatte in Deutschland – „Der Elephant im Raum“
Es ist Zeit, über Israel-Palästina mit radikaler humanistischer Vernunft zu sprechen. Ein Manifest aus den USA zur Zukunft Israels macht es vor.
Von: Charlotte Wiedemann (in der Taz v. 15.08.2023)
Etwas nicht wahrzunehmen, obwohl es in nächster Nähe geschieht, ist kein singulär israelisches Phänomen. Was die Psychologie einen Blind Spot nennt, markiert in diesem Fall allerdings eine ausgedehnte Konfliktgeografie. Über den Umstand, dass unter der Militärherrschaft im Westjordanland regelmäßig Minderjährige ins Gefängnis gesteckt werden, sagt eine jüdische Anwältin: „Das geschieht in nur 30 Fahrminuten Entfernung von unseren friedlichen Schlafzimmern, und doch wissen die meisten Israelis nichts davon.“ Weiterlesen
„The Rotten Roots of Israel’s Chronic Constitutional Crisis“ – Über die (verfaulten) Ursprünge der Verfassungskrise in Israel
Die faulen Wurzeln von Israels chronischer VerfassungskriseTamar Amar-Dahl über „Zivilmilitarismus“ und „Neozionismus“ in Israel
Ein Gespräch auf Zoom, geführt am 22. Juli 2023 zwischen Sabine Kebir und Tamar Amar-Dahl: „Zivilmilitarismus“ und „Neozionismus“ in Israel.
„Die Causa Arn Strohmeyer: Dümmer kann es kaum noch kommen.“

Arn Strohmeyer, Journalist und Buchautor
Arn Strohmeyer, der bekannte Bremer Journalist und Buchautor, hat am 9. März 2023 auf Einladung des Nürnberger Evangelischen Forums für den Frieden (neff) in Nürnberg in einem Vortrag sein Buch „Falsche Loyalitäten. Israel, der Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik“, erschienen im Promedia Verlag Wien, vorgestellt. Wie er dort erfuhr, hatten gewisse Kreise schon vorher versucht, seinen Vortrag zu verhindern, was ihnen aber nicht gelang. Im Anschluss hat ein offensichtlich „aufmerksamer“ Zuhörer Anzeige wegen „Volksverhetzung“ gegen Strohmeyer erstattet. Er wurde von der Politischen Polizei in Bremen vorgeladen und hat am 27.06.2023 die Vorladung bei der Polizei wahrgenommen. Sie informierte ihn über den Inhalt der Anzeige.
Die Vorwürfe:
- Strohmeyer hätte in seinem Vortrag referiert, dass nicht nur Juden Opfer unter dem Nationalsozialismus gewesen seien.
- Strohmyer hätte behauptet, dass Israel sich auf den Holocaust berufe, um unter diesem Deckmantel die Palästinenser zu unterdrücken.
Tausende demonstrieren gegen die Justizreform. Dabei liegt die größere Gefahr für die Demokratie in der Politik im Westjordanland
PROTESTE IN ISRAEL. Tausende demonstrieren gegen die Justizreform. Dabei liegt die größere Gefahr für die Demokratie in der Politik im Westjordanland
Demonstranten in Tel Aviv am Samstagabend – seit fast 30 Wochen gehen die Menschen in Israel Woche für Woche auf die Straße, um gegen die Justizreform der Regierung zu protestieren. Ein erstaunlicher Artikel im Stern v. 16.07.2023
(„Das ist die schärfste Kritik an Israels Unterdrückungspolitik, die ich jemals in einem deutschen Mainstream-Medium gelesen habe. Aber auch eine scharfe Kritik an den Protesten in Tel Aviv, die geflissentlich das Schicksal der Palästinenser übersehen. Geschrieben von der israelischen Politikwissenschaftlerin Dahlia Scheindlin. https://www.stern.de/politik/ausland/israel—darum-ist-die-demokratie-in-gefahr-33653648.html, Martin Breidert)
Auch am Samstagabend waren wieder Tausende auf den Straßen, um gegen die Justizreform von Premierminister Netanjahu zu demonstrieren. Die faktische Annexion des Westjordanlands kümmert kaum jemanden – dabei sind die Folgen viel dramatischer für Israels Demokratie. Weiterlesen
Stellungnahme der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. (DPG) zur Schmierenkampagne der israelischen Botschaft gegen Frau Dr. Muriel Asseburg
Erneut wird eine Persönlichkeit in Deutschland, die sich kritisch mit der israelischen Besatzungspolitik auseinandersetzt, durch eine von der israelischen Botschaft initiierten medialen Kampagne als „Antisemitin“ diffamiert und beleidigt. Aber diesmal trifft es keine Aktivist*in, die zu BDS oder zu Nakba-Demonstrationen aufruft, keine Menschenrechtsaktivist*in, die die Besatzungpraxis – zu Recht – als Apartheid bezeichnet, sondern eine renommierte Politologin und Nahostexpertin: Dr. Muriel Asseburg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), einem deutschen Thinktank, der auch das Kanzleramt und die Bundesregierung politisch berät. Hintergrund der Kampagne ist ein zweieinhalbstündiges Interview, in dem Frau Asseburg dem Sender Jung&Naiv die Situation der Palästinenser unter dem Besatzungregime sowie mögliche Folgen der Neuausrichtung der israelischen Politik unter der neuen rechtsradikalen Regierung analysiert. Weiterlesen