Am Dienstag, den 10. Februar. fand im Haus der Wissenschaft ein Vortrag von Prof. emer. Sabine Broeck zum Thema „Deutsche Wissenschaft, Staatsraison und der Genozid“ statt. Im vollen Saal waren auch erfreulich viele interessierte Jugendliche, die sich an der anschließenden intensiven Diskussion beteiligten.
Zur Einleitung wies der Vorsitzende der DPG-Bremen, Dr. Detlef Griesche, in seiner Anmoderation auf die zunehmende Ausserkraftsetzung verfassungsrechtlicher Grundsätze wie Freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit und die Doppelmoral deutscher Politik durch das Mantra der „Staatsraison“ hin.
Das bedeute eben nicht nur Waffenlieferungen und gemeinsamer Rüstungsentwicklung mit Israel, sondern letztlich auch diplomatische, juristische und moralische Unterstützung des Völkermords in Gaza und des „Siedler“-Terrors in der Westbank. Er verwies auf Theodor W. Adorno, der schon 1966 in seinem „Plädoyer für eine demokratische Erziehung“schrieb: „Kritsch zu behandeln sei ein so rspektabler Begriff wie der der `Staatsraison`: indem man das Recht des Staates über das seiner Angehörigen stellt, ist das Grauen potentiell schon gesetzt“.
Sabine Broeck kritisierte in ihrem Vortrag die deutsche Wissenschaftslandschaft (ihre Institutionen, Verbände, Hochschulleitungen) für ihre Haltung zum anhaltenden Genozid in Gaza sowie der Terrorisierung der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank. Das Spektrum von Reaktionen reiche dabei vom Schweigen in völliger Empathielosigkeit gegenüber der Vernichtung über Solidaritätsbekenntnisse zu neu geschaffenen Kooperationen mit dem Staat Israel, bis hin zu direkter Repression universitärer Proteste seitens studentischer Gruppen. Es wurde u. a. am Beispiel der Uppsala Declaration ebenfalls aufgezeigt, vor welchen Herausforderungen die Palästina-Solidarität an den Universitäten stehe. Sabine Broeck ging auch auf Vorkommnisse und Einstellungen an der Universtät Bremen ein und skizzierte an Hand eines aktuellen Beitrages aus etos media die Verflechtungen der Universität mit Raumfahrt- und Rüstungsbetrieben in Bremen sowie der zunehmenden Forschung auf diesem Sektor.
Sabine Broeck lehrte seit 1999 als Professorin für Black Diaspora Studies und American Studies an der Universität Bremen am Fachbereich 10 für Sprach-und Literaturwissenschaften. Sie war Konrektorin für Internationale Beziehungen und forschte auf den Gebieten American Studies, Black Diaspora und Gender Studies. Sabine Broeck hat zahlreiche Publikationen verfaßt und kürzlich zur Situation in Palästina und die Diskussionen in der Wissenschaft und Reaktionen in Deutschland einen sehr beachteten Vortrag publiziert, der die DPG-Bremen und die PG veranlaßte, sich ebenfalls intensiver des Themas anzunehmen. Der Vortragstext erscheint zunächst nicht auf unserer homepage, denn unsere Referentin wollte ihn zunächst auf etos.media publizieren. Wir bemühen uns aber dies nachzuholen!