Seit Oktober 2023 demonstriert die Palästinensiische Gemeinde Bremen und Umland, jetzt schon zum 110ten Mal, gegen den Genozid in Gaza und den Terror der israelischen „Siedler“ in der Westbank. Immer unterstützt von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Bremen und vielen anderen Teilnehmenden. Aber neben diesen immer friedlichen Demonstrationen praktizieren einzelne Mitglieder der DPG-Bremen auch individuelle Protest- und Aufklärungsaktionen.
Eine besonders wirksame Form ist die Sandwichaktion, bei der zum Beispiel Tilman Neubronner zwei selbst gestaltete Protestschilder vorn und hinten trägt und so Passanten im Stadtzentrum zum Gespräch einlädt. Hier sein kurzer Erfahrungsbericht:
Statt mich in einen Demonstrationszug der palästinensischen Gemeinde einzureihen, habe ich mich bewusst für einen anderen Weg entschieden. Ich habe eigene Plakate zum Thema „Völkermord Israel in Gaza“ (oft mit Zitaten unabhängiger NGOs wie Amnesty international, Human rights watch oder Ärzte ohne Grenzen) gestaltet und mich in der Nähe der Kundgebung positioniert. Diese Entscheidung hat sich für mich als besonders sinnvoll erwiesen.
Die Demonstrationszüge vermittelten aus meiner Sicht den Eindruck einer geschlossenen Einheit. Die Teilnehmenden gehen Seite an Seite, vereint in ihrem Protest und ihrer Botschaft. Doch genau diese Geschlossenheit wirkte auf manche Außenstehende weniger einladend. Fast niemand gesellte sich spontan dazu oder suchte den Dialog mit den Demonstrierenden. Die Demonstration stellte sich für mich als ein geschlossenes Bild dar, das wenig Raum für Austausch ließ.
Indem ich mich mit meinen Plakaten abseits des Zuges positionierte, öffnete ich einen Raum für Gespräche. Menschen kamen auf mich zu und fragten nach meinen Motiven und Aussagen. Es entstanden so oft intensive und persönliche Dialoge, die im Rahmen einer großen Demonstration eher nicht möglich sind. Während ich beobachtete, wie der Zug vorbeizog, wurde mir klar, dass der direkte Austausch mit Einzelnen eine tiefere Wirkung entfalten kann als das bloße Mitlaufen in einer Masse. Natürlich waren es auch nur wenige Menschen, die mich ansprachen, und es waren auch mitunter sehr abfällige Kommentare dabei, aber überwiegend waren es konstruktive Gespräche, durchaus auch kontrovers. Das hat mir gezeigt, dass Protest nicht nur laut und sichtbar sein muss, sondern auch leise und persönlich wirken kann.
Mein Fazit aus dieser Erfahrung lautet, dass Demonstrationen nicht die einzige Möglichkeit sind, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Protest auszudrücken. Manchmal ist es wirkungsvoller, mit eigenen Mitteln und in kleinerem Rahmen präsent zu sein – um wirklich in den Dialog zu kommen. So konnte ich nicht nur informieren, sondern auch Brücken bauen, was in einer lauten Masse sehr schwer geht. Ich will aber keineswegs das Mittel der Palästina-solidarischen Demonstrationen kritisieren, sondern nur einen anderen – für mich überzeugenderen Weg – aufzeigen.
Diese Erfahrung ermutigt mich, auch künftig Wege zu suchen, die den Austausch fördern und Menschen verbinden. Denn gerade in komplexen und emotional aufgeladenen Themen wie dem völkervernichtenden „Krieg“ und dem „Siedler“-Terror in der Westbank in Gaza sind Gespräche das Fundament für Verständnis und langfristige Veränderung.