Der Weser Kurier von heute (20.10.2026) hat auf der zweiten Seite einen Gastkommentar von Detlef Griesche (Vorsitzender der DPG – Bremen) abgedruckt. Hier einige Auszüge:
„Mehr als drei Jahre sind das folgenreiche Blutbad an der jüdischen Bevölkerung und die Entführung von etwa 250 Menschen her. Waren die heftige Reaktionen des israelischen Militärs zunächst absehbar, so wurde schon kurze Zeit darauf durch Äußerungen führender Politiker und hochrangiger Militärs deutlich, dass es um die ohnehin jahrzehntelange Zielsetzung der völkerrechtswidrigen Vertreibung und weitgehenden Eliminierung der palästinensischen Bevölkerung ging. Die Ziele wurden auch in der Sprache der Politiker immer deutlicher. Palästinenser wurden als Tiere qualifiziert und entsprechend rücksichtslos behandelt.
Inzwischen ist die fast völlige Zerstörung der Infrastruktur des Gazastreifens, nahezu aller Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Kirchen und Moscheen sichtbar, letztlich ein Versuch, die palästinensische Identität zu zerstören. Die völkerrechtlich gebotene Versorgung durch die Besatzungsmacht ist erheblich eingeschränkt, sodass es an allem fehlt. Die mehr als 71.000 direkten Todesopfer (70 Prozent Frauen und Kinder) werden noch erhöht durch Tote unter den Trümmern, Mangelernährung und Krankheiten als Folge fataler hygienischer Bedingungen. […]
Während nach Umfragen die große Mehrheit Waffenlieferungen ablehnt und die Anerkennung Palästinas befürwortet, werden Kritiker des auch in der Westbank zunehmenden Terrors durch die „Siedler“ hierzulande als Antisemiten diskriminiert und sogar existenziell bedroht. Kritik an der israelischen Regierungspolitik aber ist legitim und hat nichts mit Antisemitismus zu tun, wie zunehmend Gerichte urteilen.
Es ist Zeit, dass unsere Verfassung beachtet wird und moralisch sauber zwischen Judentum, Israel in den Grenzen von 1967 und der heutigen rassistischen Annektionspolitik differenziert wird. Frieden gibt es nur durch wechselseitige Anerkennung ohne Besatzung und Waffengewalt.
ZUR PERSON
Unser Gastautor war Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft und von 2014 bis 2024 Vizepräsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft.“
