„Briefe aus Jerusalem“ – Helga Baumgarten im Paradox

Es war sehr schwierig, für Helga Baumgarten einen Raum für ihren Vortrag zu finden. Johannes Waehnelt vom AK Nahost erläuterte in seiner Begrüßung, dass zwei fest gebuchte Räume für diese Veranstaltung kurzfristig abgesagt wurden, und dass die Veranstalter dem Paradox dankbar sind dafür, dass sie so kurzfristg helfen konnten. Das Paradox in der Bernhardstraße war bis zum letzten Platz besetzt. Es mussten noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden.

Die Situation in Palästina, die israelische Besatzung und die Folgen des Krieges im Gazastreifen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Helga Baumgarten. Die langjährige Dozentin der Universität Birzeit schilderte die aktuellen Entwicklungen und verband sie mit einer historischen Einordnung des Nahostkonflikts. Ihr Vortrag konzentrierte sich auf Siedlungspolitik, Vertreibungen, die Lage in den israelischen Gefängnissen und die Einschränkungen und Schikanen, unter denen die Palästinenser in der Westbank und in Ostjerusalem leben müssen und der ihren Alltag unerträglich werden lässt.

Die Referentin berichtete von Hauszerstörungen im Westjordanland, unter anderem in Hebron. 

Ausführlich schilderte Baumgarten die Situation palästinensischer Gefangener in den israelischen Gefängnissen. Sie berichtete von Überfüllung, mangelhafter medizinischer Versorgung, Misshandlungen und Folter. Auch die Behandlung palästinensischer Ärzte und die Inhaftierung von Kindern thematisierte sie. Ihre Darstellung stützte sie auf Berichte verschiedener Menschenrechtsorganisationen. 

Baumgarten kritisierte die Schließung von UNRWA-Einrichtungen in Ost-Jerusalem und die Einschränkungen für palästinensische Schulen. Die betroffenen Kinder müssten von ohnehin überfüllten Einrichtungen aufgenommen werden. Zudem würden palästinensische Schulen zunehmend zur Verwendung israelischer Lehrpläne verpflichtet.

Unter Bezug auf einen Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem vertrat sie die Auffassung, dass die Zerstörung palästinensischer Lebensgrundlagen Teil einer langfristigen politischen Entwicklung sei. Sie zitierte aus dem Bericht die Formulierung, es gehe darum, „die Grundlagen palästinensischen Lebens im Westjordanland zu zerstören.“

Helga Baumgarten referierte ruhig und sachlich, wohl artikuliert, aber auch mit sehr großer Intensität über die unfaßlichen Greueltaten und Verbrechen, die die Israelis an der palästinensischen Bevölkerung begingen. Ein Ende sei nicht abzusehen. 

Die Zuhörer und Zuhörerinnen dankten Helga Baumgart mit einem herzlichen und lang anhaltenden Beifall. Es folgte eine lange Diskussion.

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