Fabian Goldmann über „Staatsfunk“

Am 04.05.2026 sprach der Journalist und Medienkritiker Fabian Goldmann im Saal Heinrichstraße über „Menschenrechte im Schatten der Staatsraison – die Berichterstattung der deutschen Medien während des Gazakrieges“. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Pressefreiheit im Schatten der Staatsraison“. Mehr Infos hier.

Das Buch zum Thema ist gerade veröffentlicht worden. Ilan Pappe hat dazu ein Vorwort verfasst, und Detlef Griesche hat eine Rezension darüber geschrieben. 

Man kann sich Ilan Pappes Urteil im Vorwort zu dieser Publikation nur anschließen, daß dieses Buch zwei wichtige Ziele erfüllt, nämlich zum Einen gibt es einen „forensischen Einblick, wie sich das Schweigen auf die Berichterstattung der deutschen Medien über den Völkermord ausgewirkt hat“ und „zweitens liefert es uns eine Erklärung dafür, warum es zu einer solchen Zensur und unprofessionellen Berichterstattung gekommen ist“. Israels genozidaler „Krieg“. der von Beginn an das offen erklärte Ziel hatte, nicht nur die Hamas als politische Kraft nach dem 7. Oktober 2023 zu zerstören, sondern die gesamte Bevölkerung wenn nicht zu töten, so doch zu vertreiben und die palästinensische Identität durch Zerbombung von Kindergärten, Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Krankenhäuser und anderen kulturellen Orten nachhaltig zu vernichten, wurde wie kaum je zuvor von den Medien aller Art unterstützt, sei es durch die zentrale Steuerung der Lesart der offiziellen israelischen Propaganda, sei es durch die konsequente Behinderung unabhängiger Medien oder letztlich auch die gezielte Tötung zahlreicher unabhängiger Journalisten.

In Deutschland haben die Medien in aller Regel folgsam der deutschen politischen Maxime der „Staatsräson“ die ständig gewachsene tödliche Entwicklung ausgeblendet, verschwiegen, verharmlost oder zum Teil sogar gerechtfertigt. Die sorgfältige Recherche und die zahlreichen erhobenen Daten des Autors zeigen so die Entwicklung der „Anatomie eines Systemversagens irgendwo zwischen Steretypen, Selbstzenzur und Staatsräson“. Im Zentrum der Untersuchung steht die Auswertung von über 11000 Beiträgen aus fünf bundesweit erscheinenden Medien, die „aufgrund ihrer Reichweite als besonders einflussreich für die öffentliche Meinungsbildung in Deutschland gelten können“ und ein besonders breites Spektrum der deutschen Medienlandschaft abdecken.

Da der Autor über eigene Erfahrungen in Gaza, im Libanon und Israel verfügt und auch reichhaltige Einblicke in redaktionelle Abläufe gewinnen konnte, war es für ihn hilfreich, nicht nur mittels Medienanalyse der Frage nachzugehen, wie und warum deutsche Medien noch immer ein „vermitteltes Zerrbild“ von der Realität bieten. Im Ergebnis kommt der Autor zum Ergebnis, daß „deutsche Medien auch nach dem 7. Oktober nicht zum `Staatsfunk`geworden sind , aber zum ´Staatsräsonfunk` vielleicht schon.“ Und letztlich konstatiert er in Bezug auf zwei Jahre Genozid und große deutsche Medienhäuser, daß sich immer mehr Menschen auch trotz dieser medialen Defizite gegen Israels Genozid und Deutschlands bedingungsloser doppelmoralischer Unterstützung mit offenem Protest und Demonstrationen auf Straßen, in Betrieben und Hörsälen wenden, da der Einfluß der klassischen Medien sinkt und sich die Menschen zunehmend im Netz informieren und orientieren. Dieses faktenbasierte materialreiche und analytisch fundierte Buch ist ein Muß für alle, die mehr über Gründe mangelnder Aufklärung und Berichterstattung des großen Verbrechens Israels an den Palästinensern erfahren wollen.

Detlef Griesche 5/2026

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