Dieses neu erschienene Buch des US-amerikanischen Journalisten, 2002 Pulitzerpreisträger, ist eine besondere hochaktuelle Publikation unter der Fülle aktueller Bücher über die Entwicklung in Palästina. Als langjähriger Auslandskosrrespondent der New York Times und Kriegsberichterstatter aus dem Nahen Osten war er vor Ort. Der Autor fußt auf intensiven zahlreichen Gesprächen mit palästinensischen SchriftstellerInnen, ÄrztInnen, LehrerInnen und Betroffenen vor Ort, die den Alltag unter Besatzung mit Tod, Vertreibung und Zerstörung leben. Der Völkermord in Gaza, die immer brutalere Gewalt in den besetzten Gebieten, die Zerstörung der Infrastruktur und die katastrophalen humanitären Bedingungen wird ebenso deutlich wie auch die Untersuchung und Einordnung der Rolle westlicher Regierungen, sowie der Medien bei der wenig differenzierten Darstellung der politischen und historischen Hintergründe.
Hedges sieht klar, daß Israels „umfassende und eklatante Mißachtung internationaler Verträge und des Völkerrechts“ von der internationalen Staatengemeinschaft trotz IGH letztlich durch die UN mit der Verabschiedung der Resolution 2803 eine „Offenbarung moralischer Insolvenz“ gezeigt hat. Durch den „Waffenstillstand“ habe sich das Tempo des Völkermords „verlangsamt, aber das Ziel bleibt unverändert“. Israel sei, „nicht nur ein genozidaler Staaat, sondern auch eine genozidale Gesellschaft“, wie das aktuelle Gesetzesvorhaben zur „Todesstrafe für Palästinenser“ als eines unter 30 antipalästinensischen Gesetzen seit dem 7. Oktober 2023 unter anderem dokumentiert. Sein Appell: „Sie müssen sich mit Gaza beschäftigen. Und mit Geschichte“. Denn so sein Resumee: „Das ist nicht das Ende des Alptraums. Es ist der Anfang.“
Bei allen wenig hoffnungsvollen Analysen und Beschreibungen der furchtbaren Lebenssituation in Gaza und der Westbank, die er durch seine Gespräche, vermittelt, bleibt ein empathisches Kapitel am Schluß des Buches:
Besonders berührend und eindrucksvoll wirkt der „Brief an die Kinder von Gaza“ am Ende des ungewöhnlichen Buches. Die Lektüre ist ein Muß auch für alle, die meinen, schon alles zu wissen!
Dr. Detlef Griesche (Bremen 4/2026)