Pillay, die sich am Freitag in Nürnberg aufhielt, sagte, Politiker in aller Welt hätten die „rechtliche Verpflichtung, Menschenrechte zu schützen und auf Krieg zu verzichten“. Die 85-Jährige äußerte sich in dem Gerichtssaal, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Nürnberger Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher stattfanden.
„Wir leben in einer Zeit, in der das Völkerrecht und die Menschenrechte massiv unter politischen Beschuss geraten“, sagte Pillay weiter. „Besonders deutlich“ zeige sich dies durch die Angriffe auf den Internationalen Strafgerichtshof. US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Monat alle Staaten, die Mitglied des IStGH sind, zum Austritt aufgefordert und den Internationalen Strafgerichtshof als „Schurkeninstitution“ bezeichnet.
Je isolierter Israel und die USA in der Welt dastehen, desto heftiger ihre Reaktion auf Kritik. Bei der Auszeichnung für Pillay handele es sich um die „groteske Instrumentalisierung eines Preises, um anti-israelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren,“ so das israelische Außenministerium in einer ersten Erklärung. Und fügte hinzu: „Joseph Goebbels applaudiert bestimmt aus der Hölle.“
Die Jüdische Allgemeine (v. 10.10.2026) verurteilte die Preisverleihung. Die Nachricht aus Oslo sei niederschmetternd. Frau Pillay habe sich „insbesondere mit Blick auf Antisemitismus und wegen grober Verstöße gegen ethische Grundsätze eigentlich für eine so prestigeträchtige Auszeichnung nachhaltig disqualifiziert. Die Zeitung erinnerte auch daran, dass seinerzeit im Jahre 2022 in Berlin die damalige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ihre Teilnahme an der Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille an Navi Giffey abgesagt hatte.
Und was sagt US-Präsident Donald Trump zur Preisverleihung? Wie Spiegel-online am 10.10.2026 zu berichten wusste, habe sich Trump – in aller Bescheidenheit – erneut darüber beschwert, dass er den Friedensnobelpreis nicht erhalten habe. Er bezeichnete die Entscheidung des Nobelpreiskomitees am Freitag als schändlich und peinlich. »Dies ist ein unauslöschlicher Schandfleck für das Land Norwegen und für jene Leute, die eine solch schändliche und peinliche Entscheidung getroffen haben«, sagte Trump in einer Wahlkampfrede im Bundesstaat New York. Schließlich sei er es, der geholfen habe, Kriege zwischen Nord- und Südkorea, Japan und Nordkorea sowie China und Taiwan zu verhindern. »Der Friedensnobelpreis wurde von einer Handvoll radikaler Ideologen, die antidemokratisch und wirkliche Feinde der Zivilisation sind, für immer diskreditiert.« An Norwegen gerichtet sagte der US-Präsident: »Dass sie den Friedensnobelpreis nicht den Vereinigten Staaten von Amerika verliehen haben, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, wie Norwegen und all diese anderen unser Land ausnehmen.«