„Ich werde weiter operieren“ – Fadi Shukfeh im Weser Kurier

Mit Kollegen in Gaza ist Fadi Schukfeh fast täglich in Kontakt. Sie melden sich per E-Mail oder Whatsapp bei dem pensionierten Urologen in Bremen. Sie schildern ihm Verletzungen oder schicken Fotos und bitten um seinen Rat. „Die Mediziner arbeiten unter schwersten Bedingungen“, weiß Schukfeh, denn die medizinische Infrastruktur im Gazastreifen ist nahezu komplett zerstört. Der 73-Jährige hat dies bei seinem letzten Hilfseinsatz im vergangenen Jahr in Khan Yunis selbst erlebt.

Schukfeh, der vor seiner Rente im Klinikum Bremen-Mitte und später in einer Praxis in Achim gearbeitet hat, reiste im Jahr 2025 zweimal mit der US-amerikanischen Hilfsorganisation Rahma in den Gazastreifen ein . Er hat dort Verletzte operiert, häufig Kinder. Bei seiner zweiten Hilfsmission wurden die Ärzte von der jordanischen Hauptstadt Amman aus mit einem Bus an die israelische Grenze gefahren, beschreibt er die Reiseroute. Von dort ging es dann weiter zu einem Checkpoint an der Grenze zum Gazastreifen. „Wir waren mit einem Konvoi von drei Bussen unterwegs, je einer für Uno, Rotes Kreuz und die humanitäre Hilfsorganisation“, erzählt er. „Dabei wurden wir von Militärfahrzeugen begleitet.“

Am Checkpoint durchleuchtet

An der Grenze seien alle Fahrzeuge und Reisenden aufs Genaueste überprüft und durchleuchtet worden. „Die Stimmung war sehr angespannt“, schildert Schukfeh die Situation. Die Ärzte durften für die Mission nur die benötigte Kleidung und persönliche Medikamente, einen Laptop und ein Mobiltelefon mitnehmen. Das persönliche Gepäck und die Digitalgeräte wurden genau durchsucht. Schukfeh hatte zudem für jeden Tag eine kleine Dose Fisch dabei, da die Versorgungslage in Gaza sehr schlecht ist. „Die abgezählte Menge Dosen durfte ich mitnehmen“, sagt er. „Weitere Gegenstände, zum Beispiel Instrumente oder medizinisches Material, dürfen wir selbst nicht einpacken“, betont er, „sonst droht die gesamte Mission zu scheitern.“ Die Organisationen weisen darauf im Vorfeld jedes Einsatzes ausdrücklich hin.

Im Juni dieses Jahres war Schukfeh erneut in Amman, um von dort weiter nach Gaza zu reisen und den dortigen Kollegen zu helfen. „Wir waren mit einem internationalen Team in einem Hotel und haben auf die Genehmigung zur Weiterreise gewartet“, blickt er zurück. Die Hilfsorganisation war in diesem Fall die Palestinian American Medical Association (Pama) aus Fairfax im US-Bundesstaat Virginia.

Einreise nach Gaza verweigert

Sechs Stunden vor der geplanten Abfahrt hatte die Pama ihm dann mitteilen müssen, dass seine Weiterreise von den israelischen Behörden nicht genehmigt wurde. „Ich habe nicht erfahren, warum ich nicht nach Gaza fahren durfte“, erzählt er weiter, „nur, dass mein Name nicht auf der Liste der einreiseberechtigten Ärzte steht.“ Auch Ärzte aus anderen Ländern, die sich als Freiwillige für Gaza gemeldet hatten, seien von der Zurückweisung betroffen gewesen – ohne Begründung. So eine Situation sei ein heftiges Wechselbad der Gefühle, meint Schukfeh. Schließlich stelle man sich mental auf den Einsatz ein. Ihm blieb nichts anderes übrig, als das Ticket umzubuchen und von Amman direkt wieder zurück nach Bremen zu fliegen. […]

Auch Fadi Schukfeh berät, so gut er kann, aus der Ferne. Er will aber trotz der letzten Einreiseverweigerung auch wieder direkt vor Ort helfen. Es würden in Gaza derzeit nur zwei Urologen arbeiten, sagt er, daher sei seine Erfahrung häufig gefragt. Und gerade wenn es um verletzte Kinder gehe, sei die Hilfe von Bremen aus schwierig. „Wenn ich mitbekomme, wie die Bevölkerung in Gaza leidet, habe ich hier keine Ruhe“, meint er.

Am 2. November will er erneut nach Amman fliegen – die Pama organisiert wieder die Visa, die Anmeldung bei den Behörden, die Busreise und die Unterbringung in einer Klinik am Einsatzort im Gazastreifen. Schukfeh hat seinen Flug bereits organisiert. Die Kosten für das Ticket, das Visum und die Einreisegebühr trägt er wie zuvor selbst. „Ich habe Humanmedizin studiert und empfinde es daher als meine Pflicht, Menschen zu helfen“, sagt Schukfeh mit Nachdruck. „Solange ich gut sehen kann und meine Hände nicht zittern, werde ich weiter operieren.“


Auf dieser Webseite haben wir schon öfter über Fadi Shukfeh berichtet:

Dieser Eintrag wurde von unter allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.