Die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. wünscht frohe Weihnachten und ein friedliches neues Jahr und Gerechtigkeit für die Palästinenser.

Kardinal zu Weihnachten in Gaza

Rundbrief Dezember -III- 2025

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Patriarch der lateinischen Heiliglandkatholiken, ist zu seiner kleinsten Gemeinde ins Kriegsgebiet von Gaza gereist. Im Zentrum des mehrtägigen Pastoralbesuchs stehen demnach Treffen mit der Gemeinde und den örtlichen Geistlichen sowie eine Begutachtung der aktuellen Lage der Gemeinde. Es handelt sich um den vierten Besuch des Kardinals im Gaza-Streifen seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023, wie der Sprecher des Patriarchats, Farid Jubran bestätigte. Die Gemeinde, während des gesamten Kriegs Schutzzone für vertriebene Christen, beherbergt demnach weiterhin rund 400 Binnenvertriebene. Die Zahl der Christen, die vor dem Krieg bei 1.017 lag, ist unterdessen auf etwa 600 gesunken. Viele Katholiken seien im Krieg sowie infolge mangelnder medizinischer Versorgung gestorben. Zusätzlich hätten hunderte Christen mit Zweitpass oder Visum den Gazastreifen in Richtung Ägypten verlassen.

Der Kardinal besichtigte Flüchtlingszelte an der Küste, überzeugte sich von den Zerstörungen von Schulen, Krankenhäusern und Infrastruktur und spendete durch seinen Besuch vielen Menschen Trost und Hoffnung. „Das Ende des Krieges ist weder der Beginn des Friedens noch das Ende des Konflikts“, pflegt Pizzaballa immer zu betonen.

Anne Frank mit Kufiya

Das Kunstwerk, das gerade in Potsdam im Museum FLUXUS+ ausgestellt wird, hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Grund dafür ist ein Anne-Frank-Bild des italienischen Künstlers Costantino Ciervo. Es zeigt die deutsche Jüdin mit einem Palästinenser-Tuch (Kufiya) um die Schultern und schreibend auf einem Tablet. Reflexartig meldet sich Volker Beck, DIG-Präsident, und wirft Künstler und Museum vor, den Holocaust zu verharmlosen. Er hat sogar Strafanzeige erstattet.

Auch die Jüdische Gemeinde in Potsdam und der Beauftragte gegen Antisemitismus in
Brandenburg fordern, das Bild abzuhängen. Die Botschaft Israels in Deutschland bezeichnete das Bild als „Delegitimierung Israels und Relativierung des Holocausts“. Das Bild setze Anne Frank in einen politischen Kontext – dadurch komme man zu der Auffassung, die Palästinenser seien die neuen Juden, erläuterte Andreas Büttner, Beauftragte gegen Antisemitismus in Brandenburg (Linke) im Gespräch mit dem rbb: „Das ist eine Holocaust-Relativierung“. Das private Museum lehnt dies kategorisch ab, weist den Antisemitismus-Vorwurf zurück und beruft sich auf die Kunstfreiheit.

Der Künstler Ciervo reagierte auf die Kritik mit einem Kommentar, der neben dem Bild zu lesen ist, das Andenken an Anne Frank als Zeugin des Holocausts „steht nicht nur für die Erinnerung an die Shoah, sondern wird zum universellen Symbol der Verurteilung von Gewalt“. Durch die Verbindung von historischer Erinnerung und aktueller Realität werde das Gemälde „zu einem Appell für Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit“.

Wann werden Beck & Co zur Besinnung und zur Versachlichung kommen?

Brief von Mohammed Al-Hajjar aus GazaIch bin Mohammed Al-Hajjar,

ein Fotojournalist mit Sitz in Gaza, Vater von zwei Kindern, einem 9-jährigen Jungen namens Majd und einem 5-jährigen Mädchen namens Majdal. Als Familie haben wir jedes Kapitel des Völkermords erlebt, vom 7. Oktober bis heute. Unser Haus wurde mehrmals bombardiert, während wir drinnen waren. Majdal und ich wurden mehrfach verletzt, und es gab keine Krankenhäuser, in die wir gehen konnten, also versorgten wir unsere Wunden selbst.

Die israelische Armee belagerte uns 51 Tage lang im Haus. Wir konnten kein sauberes Trinkwasser finden und erlebten die erste Hungersnot im nördlichen Gazastreifen, wo wir gezwungen waren, abgelaufenes Essen und Tierfutter zu essen. Meine Kinder wurden durch Mangelernährung krank. Das Haus wurde Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. 3 auch von Granaten verbrannt, während wir drinnen waren. Wir verbrachten schreckliche Tage ohne Schlaf, da wir etwa 44 Familienmitglieder zusammen unter der Treppe des Hauses in einem Bereich saßen, der nicht mehr als 30 Quadratmeter betrug.

Im Mai 2024 beschloss ich, mit meiner Frau und meinen Kindern ins Ausland zu reisen. Als wir den Netzarim-Kontrollpunkt passierten, der den Norden und Süden des Gazastreifens trennt, nahm die israelische Armee meine Frau fest und beschlagnahmte unsere Wertgegenstände, unsere Telefone, den Schmuck meiner Frau und die Pässe. Sie haben mich und meine Kinder zurückgelassen, um nach Süden zu gehen. Als sie meine Frau freiließen, schickten sie sie nach Norden und zerstreuten die Familie. Dies markierte ein neues Kapitel unseres Leidens.

Der Übergang von Rafah wurde geschlossen, und meine Kinder und ich waren in einem Zelt in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen eingeschlossen. Meine Frau blieb allein im Norden. Dies war eine sehr schwierige Zeit, die etwa sieben Monate dauerte, bis zum Waffenstillstand Ende Januar 2025. Wir kehrten nach Norden zurück und die Familie wurde wiedervereint.

Anfang März 2025 kehrte die israelische Armee erneut in den Krieg zurück, verhängte eine Blockade des Gazastreifens, und wir gerieten in eine neue Hungersnot, die monatelang andauerte. Wir alle litten unter Mangelernährung, starkem Gewichtsverlust und Anämie. Zwei Jahre Krieg haben all unsere Ersparnisse erschöpft, und meine Kinder blieben ohne Bildung und verloren ihre unschuldige Kindheit. Wir haben uns in dieser Zeit nie sicher oder wohl gefühlt.

Unsere Häuser und Nachbarn wurden bombardiert, unsere Straßen, Nachbarschaften und schönen Erinnerungen wurden zerstört. Unsere Träume und unsere Zukunft wurden gestohlen. Im August dieses Jahres wurden wir unter Luftangriffen gezwungen, unser Zuhause zu verlassen. Wir entkamen auf wundersame Weise dem Tod und kehrten zurück ins Zentrum des Strips, wobei wir unser Zuhause als Haufen Steine und Trümmer zurückließen.

Zwei Jahre Krieg waren nichts weniger als gewöhnlich. Wir wurden mehrfach dem Tod ausgesetzt, haben viele Verwandte verloren und alle unsere Häuser im nördlichen Gazastreifen wurden zerstört. Wir sind obdachlos geworden und in Zelten vertrieben. Wir haben alles verloren, was wir besitzen. Trotz der Waffenstillstandsvereinbarung ist der Krieg noch nicht vorbei! Stellen Sie sich vor, meine lieben Freunde, ein palästinensischer Journalist, der ums Überleben kämpft, während mehr als 270 palästinensische Journalisten in diesem Krieg getötet wurden.

Ein Journalist, der dafür kämpft, seine Familie und Kinder zu schützen, während er gleichzeitig versucht, der Welt die Wahrheit und die Stimme der Opfer und Unterdrückten zu vermitteln. Zwei volle Jahre voller Bombardierungen, Zerstörung, Tötungen, Verbrennungen und Verwüstungen ist unsere Geschichte noch nicht vorbei.

Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. 

Spendenaufruf

Die Situation im Gazastreifen ist katastrophal. Die Menschen leiden unter Hunger, Kälte und Nässe, benötigen medizinische und humanitäre Unterstützung. Helfen Sie mit, dass ihnen eine menschenwürdige Unterstützung zukommt. Unser Einsatz für die hungernden Kinder geht weiter. Ihre Spenden leiten wir direkt an die für Gaza tätigen Hilfsorganisationen.
Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V.
Kontoverbindung:
IBAN: DE90 3706 0590 0000 3392 10
BIC: GENODED1SPK
Spende Zweck: Humanitäre und medizinische Hilfe in Gaza – Palästina

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